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Bühne frei für Verls größten Chor: Mehr als 400 Teilnehmer kamen beim vierten Verler Rudelsingen in der Hauptschule zusammen, um nach Herzenslust in Gemeinschaft das "freie Singen" zu zelebrieren. - © Guitano Darhoven
Bühne frei für Verls größten Chor: Mehr als 400 Teilnehmer kamen beim vierten Verler Rudelsingen in der Hauptschule zusammen, um nach Herzenslust in Gemeinschaft das "freie Singen" zu zelebrieren. | © Guitano Darhoven

Verl Schiefe Töne sind beim Verler Rudelsingen egal

Während überall Gesangsvereine über sinkende Mitgliederzahlen klagen, kommt dieses Gesangsformat gut an, wie die vierte Auflage bewiesen hat

Guitano Darhoven
30.04.2018 | Stand 29.04.2018, 20:01 Uhr

Verl. Mit der Familie grillen, Freunden im Garten chillen oder mit den Nachbarn ein paar Bierchen killen? Alles out. In Verl zumindest haben mehr als 400 Menschen den sonnigen Freitagabend genutzt, um in der Hauptschule Verl zu singen. In Scharen sind Männer und Frauen aller Generationen der Einladung des Musik- und Kulturverbandes Verl und des Gospelchores "Swinging Voices" gefolgt, um mit Chorleiter David Rauterberg und Keyboarder Matthias Schneider in lockerer Atmosphäre gemeinsam Charthits und Ohrwürmer von damals bis heute zu singen. Von Beginn an war die Stimmung wie losgelöst, bereits mit den ersten Melodien von "Music was my first love" offenbarte sich eine gewaltige Sangesfreude. Schlager, Evergreens, Pop und Rock: das in drei Gesangsblöcken unterteilte, dreistündige Programm war von Beginn an ein wahres Gesangsfeuerwerk. Ausgelassen und mit einem Lächeln auf den Lippen sang der Spontanchor, wie selbstverständlich, jeden Song und Refrain mit. Die gute Laune der Ü 35-Gesellschaft kannte spätestens beim zweiten Song "Altes Fieber" von den Toten Hosen kein Halten mehr. Lied für Lied steigerte sich die sängerische Inbrunst. Frei von jeglichen Hemmungen sangen die Massen nicht nur Klassiker, wie "Veronika der Lenz ist da", "Tulpen aus Amsterdam", "Im Wagen vor mir" und "Probiers mal mit Gemütlichkeit", sondern auch moderne Kompositionen, wie "Perfect" von Ed Sheeran. Dazwischen wurden zu "Get Down" aus dem Jahr 1973 von Gilbert O'Sullivan ein paar Kniebeugen absolviert und beim "Neue Deutsche Welle"-Medley, zwischen "Ich will Spaß", "Blaue Augen", "Codo" und "Hurra die Schule brennt" ausgiebig geschunkelt - ein Verdienst von David Rauterberg. Er war nicht nur ein unterhaltsamer Taktgeber, sondern wusste die Massen auch zu animieren, so dass nach jedem Song lautstarker Jubel und Applaus die Halle erfüllte. Während Matthias Schneider Rhythmus und Töne vorgab, konnten die Gäste die per Beamer auf eine riesige Leinwand projizierten Texte ablesen. Beim 1987 von Sting veröffentlichten "Englishman in New York", "Summer of 69", von Bryan Adams und dem 1966 von "The Mamas & The Papas" vorgestellten "California Dreamin'" brauchte es augenscheinlich die wenigste Unterstützung. "Das sind alles Titel, die die meisten hier kennen", sagten Anke Fischer und Tanja Guttmann. Die Freundinnen aus Gütersloh waren das dritte Mal in Verl dabei. "Schön ist, dass man in der Masse nicht hört, ob jemand richtig oder falsch singt. Das hat den großen Vorteil, dass man nach Herzenslust singen kann, wie man möchte. So, wie allein im Auto oder unter der Dusche". In der Tat ist beim Rudelsingen weniger Professionalität, sondern vielmehr Leidenschaft, Freude und das Gemeinschaftserlebnis gefragt. Peter Förster, Mark Schmidt und Robert Haupt aus Beckum haben über die Zeitung vom Verler Rudelsingen erfahren. "Wir waren nun schon bei etlichen Rudelgesängen. Das gefällt uns sehr gut, denn das stetige Proben und Singen im Verein wäre uns zu verpflichtend. Da fahren wir lieber zum Singen, wenn es uns passt, denn hier können wir aus vollem Herzen schmetterten und zwischendurch ein Bierchen zischen".

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