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Umsteigestation Bahnhof: Die Anbindung der Ortsteile ist ein großes Thema bei der Verbesserung des ÖPNV in Verl. Eine Verkürzung der Taktung der Linie 73 nach Gütersloh wurde mit Blick auf das Gesamtkonzept erst einmal vertagt. - © Robert Becker
Umsteigestation Bahnhof: Die Anbindung der Ortsteile ist ein großes Thema bei der Verbesserung des ÖPNV in Verl. Eine Verkürzung der Taktung der Linie 73 nach Gütersloh wurde mit Blick auf das Gesamtkonzept erst einmal vertagt. | © Robert Becker

Verl Verkehrsausschuss will ÖPNV-Konzept weiter beraten

Warum die Grünen gern aufs Tempo drücken würden

Robert Becker
25.04.2018 | Stand 24.04.2018, 19:52 Uhr

Verl. Der Verkehrsausschuss will in Ruhe weiter über den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs beraten. Einen schnellen Beschluss, insbesondere wie von den Grünen beantragt, schon vorab eine Verkürzung der Taktraten auf 30 Minuten zu den Zentren nach Gütersloh und Bielefeld zu verabschieden, wollte das Gremium in der jüngsten Sitzung nicht fassen. "Wir sind gar nicht weit auseinander, aber man sollte das Ganze gesamtheitlich betrachten", forderte Bürgermeister Michael Esken noch etwas Beratungszeit ein. Einstimmig wurde das Thema vertagt. "Uns treibt keiner. Die Taktverkürzung kommt", lenkte auch Volker Manthei (SPD) ein. Manthei hatte zuvor einen Antrag eingebracht mit der Frage, ob in Verl nach dem Beispiel von Werther ein Bürgerbus oder alternativ ein Sammeltaxi eingesetzt werden könne. Damit könne die Mobilität und vor allem die Vernetzung einzelner Ortsteile verbessert werden. In Werther findet das Konzept auf ehrenamtlicher Basis guten Zuspruch. Esken sagte, er halte sich bewusst zurück. "Man braucht erst einmal eine Handvoll Ehrenamtlicher, um das System zu implementieren", so der Bürgermeister. Warum die Grünen die Vorab-Verkürzung der Taktung von einer Stunde auf 30 Minuten beantragt hatten, begründete Simon Lütkebohle. Von Verl nach Gütersloh führen täglich morgens und abends jeweils 3.000 Pendler, nach Bielefeld 1.500. "Wer jeden Tag den Bus nutzt, bei dem kommt es auf jede Minute an", sagte Lütkebohle. Der Grünen-Politiker würde bei dem Thema auch deshalb gern aufs Tempo drücken, weil es insgesamt komplex erscheint und es sich aus diesem Grund ziehen könnte. Lütkebohle: "Beim bedarfsorientierten ÖPNV in der Fläche zum Beispiel, das wird doch dieses Jahr nichts mehr." Ins Thema vertieft einsteigen möchte auch die CDU. "Vor den Sommerferien möchten wir unsere Meinungsbildung abschließen", sagte Konrad Balsliemke. Vor der Diskussion hatte Michaela Roudber-Latteier (BüroStadtVerkehr) das im September bereits vorgestellte Konzept noch einmal dargelegt. Das Fachbüro hatte im April 2017 eine Online-Befragung gemacht (330 Personen), eine Bestandsanalyse vorgenommen und schließlich ein Handlungskonzept vorgelegt. Die Erschließung an den ÖPNV hatte das Büro errechnet, indem 400-Meter-Radien um die Haltestellen gezogen wurden. "48 Prozent der Haushalte sind demnach nicht erschlossen", so Roudber-Latteier. Die Online-Befragung hatte ergeben, dass nur zehn Prozent der Befragten den ÖPNV nutzt. Weitere Haltestellen und Taktverdichtung lautete der erste Ansatz. Das Büro schlug insgesamt vier Varianten vor, die modular aufeinander aufbauen. Berechnet wurden auch die zusätzlichen Buskilometer bei einer Taktverdichtung von Linie 85 (43.000 Kilometer jährlich) und Linie 73 nach Gütersloh (36.000 Kilometer jährlich). Das Fahrgastaufkommen könne damit in beiden Fällen um 20 pro Fahrt, insgesamt 240 Personen pro Tag, erhöht werden, so die Berechnung. Eine der vorgeschlagenen Maßnahmen sieht eine Optimierung der Umsteigemöglichkeiten und sogar Mobilstationen vor. Das Fachbüro schlägt eine stufenweise Umsetzung vor. "Ich bin überrascht, dass 48 Prozent der Bürger nicht erreicht werden vom ÖPNV", sagte Volker Manthei. Für Diskussion sorgte die Frage, ob es günstiger sei, per Anruf-Sammel-Taxi oder mit kleinen Bussen die Vernetzung in die Ortsränder zu organisieren. Manthei skizzierte dem Ausschuss das Modell "Bürgerbus Werther", welches erfolgreich seit 16 Jahren genutzt würde. 20 ehrenamtliche Fahrer absolvieren dort Fahrten mit einem Mercedes-Sprinter (Achtsitzer). 13.500 Personen würden in Werther pro Jahr befördert. Das Land würde sich mit 60 bis 85.000 Euro pro Jahr beteiligen, sagte Manthei.

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