Zukunftsaufgabe: Den Ausbau der Tages- und Kurzzeitpflege sowie den Aufbau von stationären Pflegeangeboten in den Ortsteilen sieht der Projektbericht "Älter werden in Verl" als eine Konsequenz aus der Befragung der Verler Bürger im Alter ab 50 Jahre. - © dpa
Zukunftsaufgabe: Den Ausbau der Tages- und Kurzzeitpflege sowie den Aufbau von stationären Pflegeangeboten in den Ortsteilen sieht der Projektbericht "Älter werden in Verl" als eine Konsequenz aus der Befragung der Verler Bürger im Alter ab 50 Jahre. | © dpa

Verl Was die Stadt Verl für Senioren tun kann

Projektbericht: Aus der Befragung der Verler jenseits der 50 erwächst für die Kommune ein Aufgabenkatalog. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie hat ihn in sieben Bereiche aufgeteilt

Roland Thöring
14.06.2017 | Stand 13.06.2017, 18:50 Uhr

Verl. Immer mehr Menschen werden immer älter. Die meisten Senioren möchten dies in ihrem gewohnten Lebensumfeld erleben. 85 Prozent der Verler wollen sogar in "ihrem" Ortsteil dauerhaft wohnen bleiben, hat die von Stadt, Kreis und der Forschungsgesellschaft für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund (FfG) durchgeführte "Bürgerbefragung 50plus" im Rahmen der Untersuchung "Älter werden in Verl" herausgefunden. Jetzt liegt der vollständige Projektbericht vor, der der Stadt konkrete Hausaufgaben aufgibt. Wohnen: Mit dem Alter steigt der Bedarf an barrierefreien oder doch zumindest barrierearmen Wohnungen und Häusern. 42,5 Prozent der Befragten hatten angegeben, ihre Wohnung sei im Alter zu groß, jeder Dritte weiß um die Probleme, die dann mit "zu vielen Treppen" und einem fehlenden Aufzug auf ihn zukommen. Umbauten aber sind teuer, seniorengerechte Wohnungen sowieso nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Damit dürfe die Kommune die alten Menschen aber nicht alleine lassen, schreibt die FfG in ihrem Projektbericht. Die Stadt müsse in Vorleistung treten. So könne die Kommune Bauland künftig mit der Zweckbindung für altengerechtes Wohnen ausweisen, selbst entsprechenden preisgünstigen Wohnraum schaffen und Wohninitiativen wie Generationenwohnen unterstützen. Infrastruktur: Was für Häuser und Wohnungen gilt, das trifft auch auf die Gestaltung des Wohnumfeldes zu. "Barrierefreiheit schafft einen Mehrwert für alle Generationen", heißt es in den Handlungsempfehlungen des Projektberichts. Die Voraussetzungen in der Stadt sind günstig: Gerade einmal ein gutes Fünftel der Befragten über 50 Jahre ist mit der heutigen Situation nicht zufrieden. Den Dortmunder Wissenschaftlern reicht das jedoch als Basis nicht. Sie schlagen der Stadt vor, zu unterschiedlichen Tageszeiten sogenannte Stadtteilbegehungen durchzuführen, idealerweise mit den Bewohnern des jeweiligen Quartiers. Dabei fallen dann auch potenzielle "Stolperfallen" auf Gehwegen und Straßen auf. Die gemeinsam gesammelten Informationen sollten in Wohnumgebungskonzepte einfließen. Unter den im Projektbericht genannten konkreten Maßnahmen im Bereich Infrastruktur tauchen auch alt bekannte Themen auf wie etwa der Rat an die Stadt, sich aktiv in die Bemühungen zur Sicherstellung der Hausarztversorgung einzuschalten. Das Aufstellen von Mitfahrbänken, wie es sie bereits in Rheda-Wiedenbrück gibt, und die Bereitstellung von kommerziellen oder bürgerschaftlich organisierten Lieferdiensten in Ortsteilen, in denen keine Lebensmittelläden existieren, legt die FfG der Stadt ebenfalls ans Herz. Mobilität: Die Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten, gilt als Grundvoraussetzung eines selbstständigen Lebens. Dass in Verl das Auto und in begrenztem Rahmen das Fahrrad von den Befragten als Verkehrsmittel Nummer eins angesehen wird, hängt nach dem Urteil der Forschungsgesellschaft für Gerontologie auch damit zusammen, dass die Anbindung an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) von einem großen Teil der Befragten als "nicht zufriedenstellend" erlebt wird. Die Nutzung des ÖPNV zu erleichtern, indem Infotafeln an zentraler Stelle aufgestellt werden, ergänzende Angebote zu den bestehenden Buslinien zu entwickeln, das Radwegenetz auszubauen und den Zustand vorhandener Radwege zu verbessern sind die Handlungsempfehlungen an die Adresse der Stadt. Pflege: Mit der Zahl der alten Menschen steigt auch die Quote derjenigen, die auf Pflege angewiesen ist. Der Projektbericht empfiehlt den Aufbau ambulanter Pflegeangebote - auch weil diese gegenüber stationärer Pflege finanziell deutlich günstiger ist. Deshalb soll die Zahl der Plätze für die Tages- und Kurzeitpflege ausgebaut und bei der Einrichtung stationärer Pflegeangebote auch darauf geachtet werde, dass diese nicht nur in Verl selbst, sondern auch in den Ortsteilen geschaffen werden. Einen Ausbau des Angebots an hauswirtschaftlichen Diensten empfiehlt der Projektbericht ebenso wie ein spezielles Betreuungsangebot für Demenzkranke. Ehrenamt: Die Hälfte aller Verler Vereine geht davon aus, künftig auf weniger Mitglieder bauen zu können. Dass sich zudem immer weniger Menschen innerhalb eines Vereins in der Vorstandsarbeit engagieren wollen, ist bereits ein langjähriger Trend. Nur jeder Dritte ist ehrenamtlich tätig. Doch die Ergebnisse der Befragung der Über-50-Jährigen macht Hoffnung: Insbesondere bei den gegenwärtig 50- bis 59-Jährigen gebe es Potenzial, so die Forscher. Freizeit: Die Befragten bemängeln vor allem, dass heute öffentliche Treffpunkte fehlen, und sie vermissen ein entsprechendes Unterhaltungsprogramm sowie soziale und kulturelle Veranstaltungen für die Altersgruppe der Senioren. Der Projektbericht empfiehlt deshalb der Stadt den Aufbau einer neuen Seniorenbegegnungsstätte - und die Initiierung eines Trägervereins, womit der Bogen zum ehrenamtlichen Engagement geschlagen wäre.

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