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Zeigen die rote Karte: Der Lehrer Nicolai Domscheidt (l.) und Julian Frenz vom Projekt Schlau mit der Klasse 7 F. - © Franz Purucker
Zeigen die rote Karte: Der Lehrer Nicolai Domscheidt (l.) und Julian Frenz vom Projekt Schlau mit der Klasse 7 F. | © Franz Purucker

Verl Gesamtschule Verl setzt ein Zeichen gegen Ausgrenzung

Aktion: Zum Internationalen Tag gegen Homophobie hält eine Klasse rote Karten und ein buntes Plakat in die Luft. Ein Projektarbeiter berichtet außerdem über sein eigenes Outing und beantwortet Fragen der Schüler. Ein Lehrer hat ebenfalls Erfahrung mit Ausgrenzungen wegen Homosexualität gemacht

Franz Purucker
17.05.2017 | Stand 17.05.2017, 18:42 Uhr

Verl. Etwa zehn prozent aller Schüler sind homo- oder bisexuell. Trotzdem ist „schwul" noch immer eine der meist benutzten Beleidigungen auf deutschen Schulhöfen. Dagegen macht die Gesamtschule Verl jetzt mit einer besonderen Aktion mobil. Zum Internationaler Tag gegen Homophobie zeigten Schüler der Klasse 7F auf dem Pausenhof symbolisch der Ausgrenzung und der Diskriminierung die rote Karte.

Julian Frenz vom Projekt Schlau aus Bielefeld führt außerdem Workshops an der Schule durch, um über das Thema aufzuklären.

Frenz entdeckte in der 10. Klasse seiner eigenen Schulzeit, dass er schwul ist und erzählte einer Freundin davon. Innerhalb weniger Wochen machte das Thema an der Schule die Runde, berichtet er. Heute steht er ganz offen zu seiner Sexualität und beantwortet in den Klassen Fragen dazu – etwa zum Outing, negativen Erfahrungen oder der Reaktion von nahen Bekannten.

Als gutes Beispiel geht auch Nicolai Domscheidt voran. Der Lehrer für Sozialwissenschaft outete sich ebenfalls während der Schulzeit und litt dabei unter Ausgrenzung und Diskriminierung. „Deshalb bin ich Lehrer geworden", sagt er selbstbewusst und engagiert sich stark in dem Projekt. „Es ist ein gutes Gefühl, dass das Kollegium hinter mir steht", so Domscheidt. Auch gegenüber den Schülern steht er zu seiner Sexualität.

Die Lehrerin Vera Freudenthal betont die heutige gesellschaftliche Akzeptanz: „Für diese Generation, die an dieser Schule groß wird, muss das selbstverständlich sein." Für Schulleiterin Tanja Heinemann ist das Thema auch ein Bestandteil von Inklusion: „Wir müssen damit als Schule offen umgehen."

Bereits seit 1999 schreibt eine Richtlinie vor, Homosexualität im Unterricht zu thematisieren. „Dies wurde lange nicht umgesetzt", sagt Domscheidt. In der Gesamtschule Verl wird bereits in Klassenstufe 5 darüber gesprochen.

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