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Die vier Verler Schulen wollen vorbeugen und vereinbaren Handlungsanweisungen. - © picture alliance / dpa
Die vier Verler Schulen wollen vorbeugen und vereinbaren Handlungsanweisungen. | © picture alliance / dpa

Verl Verler Schulen gemeinsam gegen den Drogenkonsum

Die vier Schulen wollen hinsehen und vereinbaren Handlungsanweisungen

Roland Thöring
08.02.2017 | Stand 07.02.2017, 18:11 Uhr

Verl. Wegsehen, so die Erfahrung von Realschulleiter Bernhard Hilgenkamp, hilft niemandem. Nicht den Betroffenen, nicht den Schulen. Weil das so ist, weil Drogenkonsum ein gesellschaftliches Problem darstellt, das auch vor Schulen nicht halt macht, und weil die Schulen im Schulzentrum schon bedingt durch ihre räumliche Nähe im selben Boot sitzen, haben sie ein gemeinsames Konzept zum Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen entwickelt. Ein kreisweit bislang einmaliges Projekt.

Ein Drogenproblem habe man im Schulzentrum nicht, betonen die vier Leiter von Gymnasium, Gesamt-, Real- und Hauptschule. Man wolle präventiv tätig werden, abgestimmt gemeinsam dagegen vorgehen und Schüler wie Eltern aufklären; beispielsweise mit einem Infoabend am Dienstag, 21. Februar, um 18 Uhr im Pädagogischen Zentrum der Hauptschule. Eine drogenfreie Schule sei eine Illusion, sagt Peter Köching von der Fachstelle für Drogenberatung bei der Gütersloher Caritas. Statistisch habe jeder sechste 15-Jährige eigene Erfahrungen mit Cannabis. „Das ist ein Fakt. Ein Problem ist es, wenn ich nicht weiß, wie ich damit umgehen muss."

Die Lehrerkollegien an den vier weiterführenden Schulen wissen es. Seit dem Sommer haben die Schulleitungen unterstützt von ihren Ansprechpartnern im Ernstfall, der Caritas-Drogenberatung, der Kreispolizeibehörde, dem städtischen Jugendamt und der Schulsozialarbeit, Leitfäden für zwei Szenarien entwickelt: Wie ist damit umzugehen, wenn ein Schüler durch Drogenkonsum auffällt, und wer ist in welcher Reihenfolge einzuschalten, wenn mit Drogen gehandelt und jemand somit straffällig wird? Eine strafrechtliche Verfolgung von Drogendelikten sei keine pädagogische Intervention, sagt Peter Köching. „Da ist es wichtig, dass Schulen hinterherfassen."

Bernhard Hilgenkamp hat diese Erfahrung vor eineinhalb Jahren gemacht. Da wurde das Thema nicht totgeschwiegen, als er Hinweise von Jugendlichen erhielt, die bei Mitschülern Verhaltensänderungen und Drogenkonsum beobachtet hatten. Die Schule griff ein, drohte den Betroffenen sogar mit dem Rauswurf. „Wir haben die beiden Fälle gelöst", sagt Hilgenkamp, „seitdem hatten wir nichts mehr." Im Gegenteil: Einer der Betroffenen kam unlängst zu ihm und bedankte sich – er hatte es schließlich immerhin noch zum Hauptschulabschluss gebracht.

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