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Ansprechende Unterkunft: Familie Hamsoro aus Syrien hat mit den Kindern Hanan (13) und Sirag (2) in den Schwedenhäusern am Kleistweg ein neues Zuhause gefunden. Hausmeister Fady Shasha (links im Hintergrund) freut sich mit den neuen Bewohnern. - © Anja Hustert
Ansprechende Unterkunft: Familie Hamsoro aus Syrien hat mit den Kindern Hanan (13) und Sirag (2) in den Schwedenhäusern am Kleistweg ein neues Zuhause gefunden. Hausmeister Fady Shasha (links im Hintergrund) freut sich mit den neuen Bewohnern. | © Anja Hustert

Verl Flüchtlinge finden neue Heimat in Verl

Nach und nach ziehen in die neun Schwedenhäuser am Kleistweg die Bewohner ein. Die Familien sind sehr dankbar und zeigen das auf vielfältige Weise

Anja Hustert
21.07.2016 | Stand 20.07.2016, 20:47 Uhr

Verl. Das Verler Bullerbü liegt am Kleistweg. Hier sind neun sogenannte Schwedenhäuser entstanden: funktionale Holzbauten in nordischen Pastelltönen - gelb, rot und blau. "Fehlt nur noch ein Michel aus Lönneberga", scherzt der Erste Beigeordnete Heribert Schönauer. Nach und nach sind hier Familien, die in Verl Asyl suchten, eingezogen. Familie Hamsoro zum Beispiel. Geflohen aus der völlig zerstörten Stadt Aleppo in Syrien, kamen sie vor elf Monate nach Verl. Sohn Hanan (13) geht jetzt hier zur Gesamtschule, stolz zeigt er ein Bild, das er im Kunstunterricht gemalt hat. Wenn er groß ist, will er mal Augenarzt werden, erzählt er. "Die Kinder lernen wahnsinnig schnell Deutsch", sagt Barbara Menne, Leiterin des Fachbereichs Soziales. Und das ziehe die Eltern mit. Hanans Vater - in seiner Heimat hat er als Taxifahrer gearbeitet - übt täglich eine Stunde mit einer CD die deutsche Sprache. "Wir bedanken uns bei der Stadt Verl für alles, was sie für uns getan hat", sagt Mustafa Muhammad, der mit seiner Frau und den drei Söhnen in einer der 65 Quadratmeter großen Unterkünfte wohnt. Vier Schlafzimmer, einen Aufenthaltsbereich mit integrierter Küchenzeile, getrennte sanitäre Anlagen (WC und Dusche), eine Holzterrasse neben dem Eingang. Überall, wo Schönauer und Menne vorbeigehen, werden sie hereingebeten, Kaffee, Wasser und Kekse werden angeboten. Hausmeister Fady Shasha, selbst vor 16 Jahren aus dem Irak als Flüchtling nach Deutschland gekommen, muss übersetzen. Die Menschen möchten etwas von der Freundlichkeit, die sie erfahren haben, zurückgeben. "Die Menschen erfahren wirklich Willkommenskultur. Wir haben ein tolles Team und wunderbare ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die uns tatkräftig unterstützt haben", so Schönauer. Der Flüchtlingsstrom des vergangenen Jahres hatte Politik und Verwaltung in Verl nach Unterbringungsmöglichkeiten suchen lassen. "Bis zum 31. Dezember 2015 sind 500 Flüchtlinge nach Verl gekommen", erzählt Heribert Schönauer. Für das Jahr 2016 erwarteten die Verantwortlichen weitere 1.000 Personen. Doch nach der die Schließung der Balkanroute kamen deutlich weniger Menschen nach Deutschland. "Wir haben freiwillig noch Familien aufgenommen", erzählt Schönauer. So erhielt die Stadt zunächst keine weiteren Asylsuchenden. "Doch ich gehe davon aus, dass wir im August/September wieder Zuweisungen erhalten", so Schönauer. Derzeit werden 450 Menschen von der Stadt Verl betreut. Wie viele es bis zum Jahresende sein werden, dazu wagt Schönauer keine Prognose - das hängt von der Weltpolitik ab. "Vielleicht kommen schon morgen Menschen aus der Türkei zu uns." Gut 600 Personen kann die Stadt problemlos aufnehmen. "Unser Ziel ist es, die Menschen mitten im Ort unterzubringen, um sie gut integrieren zu können", so Schönauer. Ein Konzept, das offenbar aufgeht. So spielt die 14-jährige Parmis, die mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder aus dem Iran geflohen ist, in Sürenheide nicht nur Fußball und Tennis, sondern auch Geige im Schulorchester der Gesamtschule. Außerdem malt das begabte Mädchen wunderschöne Aquarelle. "Die werden wir ausstellen", verspricht Barbara Menne.

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