Engstelle Wachtelweg: In Höhe der Hausnummer 4 liegt die Durchfahrtbreite für Radfahrer teils unter einem Meter. Laut Straßenverkehrsordnung ist die Benutzung Pflicht, denn der Streifen wurde offiziell als Geh- und Radweg markiert. Ein Ausweichen auf die Straße ist für Radfahrer in diesen Bereichen also nicht erlaubt. - © Robert Becker
Engstelle Wachtelweg: In Höhe der Hausnummer 4 liegt die Durchfahrtbreite für Radfahrer teils unter einem Meter. Laut Straßenverkehrsordnung ist die Benutzung Pflicht, denn der Streifen wurde offiziell als Geh- und Radweg markiert. Ein Ausweichen auf die Straße ist für Radfahrer in diesen Bereichen also nicht erlaubt. | © Robert Becker

Verl Grüne haben Sicherheitsbedenken zur Ortsdurchfahrt in Verl

Das Eröffnungsfest rückt nach jahrelanger Bauzeit in greifbare Nähe

Robert Becker
16.04.2016 | Stand 18.04.2016, 14:36 Uhr

Verl. Die Ortsdurchfahrt ist noch nicht ganz fertig, da regt sich Kritik. Der kombinierte Rad- und Fußweg ist an markanten Stellen sehr schmal ausgefallen. Laternenmasten erschweren an einigen Punkten ein sicheres Durchsteuern. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat deshalb eine schriftliche Anfrage an den Rat gestellt. "Sicherheitsdefizite" merken darin der sachkundige Bürger Egbert Daum und der Fraktionsvorsitzende Johannes Wilke an. Anhand einiger Beispiele haben sie die Mängel dokumentiert. Über der Eröffnungsfeier, die für den 29. Mai angesetzt ist, hängen plötzlich düstere Wolken. Gewöhnlich gibt es für den Straßen- und Radwegeausbau Regelquerschnitte, an denen sich Planer und Straßenbauer orientieren. Für Radwege werden darin im Regelquerschnitt 2,50 Meter Breite vorgesehen. In Teilbereichen des Ausbaus sind die modernen Laternenmasten an den Gehwegrand nach außen gerückt; in anderen Bereichen stehen sie mit einem Sicherheitsabstand von 60 Zentimetern zur Fahrbahn und wirken wie Slalomstangen. In diesen Bereichen sind die Regelquerschnitte teils deutlich unterschritten. In Höhe des Amselwegs etwa beträgt an einer Stelle die Durchfahrtbreite zwischen Grenzmauer und Laternenmast nur 1,52 Meter. Am Hotel Papenbreer in Höhe des Finkenweges sind es 1,50 Meter. Noch schlimmer sieht es am Wachtelweg in Höhe der Hausnummer 4 aus. Gegenüber dem Geschäft Diekemper liegt die Durchfahrtbreite für Radfahrer teils unter einem Meter. Egbert Daum zitiert die Straßenverkehrsordnung. Danach ist die Benutzung Pflicht, denn der Streifen wurde offiziell als Geh- und Radweg markiert. In der Umkehr: Ausweichen auf die Straße ist für Radfahrer in diesen Bereichen nicht erlaubt. Daum sieht einen Widerspruch: Nach der Straßenverkehrsordnung könne eine Benutzungspflicht nur dann angeordnet werden, wenn der Radweg einschließlich eines Sicherheitsraumes frei von Hindernissen ist. Daum: "Das ist auf der Nordseite der Ortsdurchfahrt zwischen Finkenweg und Österwieher Straße nicht der Fall." Möglicherweise liegt der Fehler zumindest in der Beschilderung, für deren Installierung das Ordnungsamt der Stadt eine verkehrliche Anordnung herausgeben musste. Thorsten Herbst, Beigeordneter der Stadt, hat sich des Themas angenommen. Weil er dieses als "wichtig und sicherheitsrelevant" ansieht, möchte sich Herbst "das Thema gern genauer ansehen", einschließlich der Entscheidungen, die den Planungen und den Bauausführungen zugrunde gelegen haben. Herbst, der erst seit gut drei Monaten im Amt ist, möchte mit allen Beteiligten Gespräche führen. Lösungsvorschläge bedürften daher noch einige Zeit, sagte er der NW auf Nachfrage. Den Radfahrern nun die Straße zuzuweisen, hält der Beigeordnete erst einmal für eine nicht so gute Idee. Die Radfahrer hätten wegen der Verkehrsbelastung ja gerade von der Durchfahrtsstraße herunter geholt werden sollen, so Herbst. Daum und Wilke hingegen stellen in ihrer auch den Medien zugesandten Erklärung die Frage: "In welcher Weise gedenkt die Stadt Verl, die erheblichen Sicherheitsdefizite bezüglich des benutzungspflichtigen, gemeinsamen Fuß- und Radwegs, der die Ortsdurchfahrt beidseitig flankiert, zu beheben?" Weil es einige Audits und Vorbesprechungen zur Baumaßnahme gegeben hatte, können sich die beiden Grünen-Politiker nicht erklären, wie die Planungen abgelaufen sind. Beide wundern sich, denn dem mit den Planungen beauftragten Fachbüro BSV aus Aachen stehe mit Reinhold Baier als Geschäftsführer ein "anerkannter Experte" (Daum) in Sachen sicherer Radverkehrsführungen vor. In besonders krasser Weise finden Daum und Wilke auf der Nordseite der Ortsdurchfahrt zwischen Finkenweg und Österwieher Straße eine Abweichung vom Regelquerschnitt vor. Sicherheitsdefizite wie diese seien bereits vor Baubeginn in den Sicherheitsaudits am 8. Oktober 2013 und 11. November 2015 explizit benannt worden. "Unverständlich wie unverantwortlich, dass diese Defizite weitgehend ignoriert und explizit nicht behoben worden sind", wundern sich die beiden Grünen-Politiker und gelangen zu dem Schluss: "Es besteht eine Verkehrssicherungspflicht."

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