Abriss: Das etwa 350 Jahre alte Hofgebäude am Lönsweg gibt es nicht mehr. Es stand nie unter Denkmalschutz. - © Privat
Abriss: Das etwa 350 Jahre alte Hofgebäude am Lönsweg gibt es nicht mehr. Es stand nie unter Denkmalschutz. | © Privat

Verl Grüne fordern einen Denkmalpfleger

Vorschläge: Die Fraktion will künftig mehr Schutz und stößt beim Heimatverein auf Zustimmung

Roland Thöring
16.02.2016 | Stand 16.02.2016, 16:33 Uhr

Verl. Vor dem Hintergrund des inzwischen abgerissenen 350 Jahre alten Hofhauses am Lönsweg haben die Verler Grünen konkrete Vorschläge unterbreitet, wie historisch möglicherweise bedeutsame Gebäude im Stadtgebiet künftig besser geschützt werden können. Letztlich sei eine erneuerte Denkmalpolitik in Verl erforderlich, schreiben Fraktionsvorsitzender Johannes Wilke und der Sachkundige Bürger Egbert Daum. Intensiver und sorgfältiger müsse bei künftigen Abrissanträgen geprüft werden, ob ein Haus gängige Kriterien der Denkmalwürdigkeit erfüllt. Diese Prüfung müsse "unmittelbar vor Ort" und nicht vom Schreibtisch aus erfolgen. Möglichst oft und erst recht im Zweifelsfall solle die Obere Denkmalbehörde in Münster zu Rate gezogen werden, schreiben die Grünen in ihren "Leitlinien einer zukunftsträchtigen Denkmalpolitik in Verl". Dies sei im Fall des Hauses Wöstenweg 20 geschehen. Auch hier lag ein Abrissantrag des Eigentümers vor, inzwischen steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Forderung nach Denkmalliste, Denkmalausschuss und Denkmalpfleger Für die Zukunft setzen die Grünen auf Aufklärung: "Eigentümer von Denkmalen müssen unbedingt wissen, welchen unschätzbaren Wert sie von ihren Vätern und Vorvätern ererbt haben, ehe sie an Abriss denken. Denkmalpflege heißt aber auch Pflege des Bewusstseins in den Schulen und in der Öffentlichkeit." Die Fraktion will deshalb demnächst im Rat beantragen, die Denkmalliste mit fachkundiger Unterstützung fortzuschreiben, einen Denkmalausschuss unter Einbeziehung sachverständiger Bürger zu bilden, einen ehrenamtlichen Denkmalpfleger zu bestellen und einen Denkmalpflegeplan aufzustellen. Den Abriss des Zwei-Ständer-Fachwerkhauses am Lönsweg bedauert auch der Heimatverein, der den Denkmalschutz als Ziel seiner Arbeit in der Vereinssatzung verankert hat. Vorsitzender Matthias Holzmeier sagte gestern, das Gebäude sei ein typisches Beispiel für die Bauweise Mitte des 17. Jahrhunderts gewesen. "Und davon haben wir in der letzten Zeit schon mehrere verloren." Auch Holzmeier betont, die Prüfung einer solchen Abrissgenehmigung obliege der Stadt. Er wolle keine Behördenschelte betreiben, appellierte aber, künftig solche Entscheidungen "mit der gebotenen Sensibilität und Aufmerksamkeit" zu treffen. Die Weiterentwicklung der Denkmalliste sei auch für den Heimatverein ein wichtiges Ziel, so Holzmeier. "Und ich spreche da nicht nur von Fachwerkbauten, sondern auch von Gebäuden jüngeren Baujahrs." Der Vorsitzende forderte die Stadt auf, "frühzeitig hinzugucken": Wenn es wirklich so sei, dass ein historisch wertvolles Gebäude nicht geschützt sei und an seinem Standort nicht erhalten werden könne, dann gebe es schließlich andere Möglichkeiten wie etwa die Translozierung. "Aber dafür braucht man Vorbereitungszeit."

realisiert durch evolver group