Händler der ersten Stunde: Manfred Gräbner war der Erste, der seine Waren auf dem neuen Hobbymarkt in Kaunitz verkaufte. Der 72-Jährige hält hier einen Werbekugelschreiber, wie ihn die damalige Gemeinde Verl im Jahr 2001 aus Anlass des 35-jährigen Bestehens des Hobbymarktes verschenkte. - © Roland Thöring
Händler der ersten Stunde: Manfred Gräbner war der Erste, der seine Waren auf dem neuen Hobbymarkt in Kaunitz verkaufte. Der 72-Jährige hält hier einen Werbekugelschreiber, wie ihn die damalige Gemeinde Verl im Jahr 2001 aus Anlass des 35-jährigen Bestehens des Hobbymarktes verschenkte. | © Roland Thöring

Verl Kaunitzer Hobbymarkt besteht seit 50 Jahren - ein Rückblick

Jubiläum: Der Kaunitzer Hobbymarkt wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Am Geburtstag feiert die Stadt ein großes Fest. Manfred Gräbner hat die wechselvolle Geschichte vom ersten Tag an miterlebt

Verl-Kaunitz. Der Anfang war beschaulich. Ein Fisch- und ein Blumenverkäufer und Manfred Gräbner, der die Junghennen seines Kumpels verkaufen wollte: Mit nur drei Händlern begann am 4. Juni 1966 die Geschichte des Hobbymarktes. Heute sind am ersten Samstag eines Monats regelmäßig mehr als 350 Händler aus dem gesamten Bundesgebiet in Kaunitz zu Gast. Mit ihnen und Manfred Gräbner wird die Stadt Verl am 4. Juni 2016 das 50-jährige Bestehen des Marktes feiern. "Ich war der Erste auf dem Hobbymarkt", sagt Gräbner nicht ohne Stolz. Viel hat er hier erlebt. Den rasanten Aufstieg des Marktes zum bundesweit größten seiner Art, die Auseinandersetzungen um den Tierschutz beim Tierhandel, Jubiläumsfeiern mit Besucherrekorden und einen zur Jahrtausendwende einsetzenden Besucherrückgang. Der 72-jährige Verler war eine Konstante auf dem Markt; noch heute schlägt er hier manchmal seinen Stand auf. Auch wenn sich vieles verändert hat über die Zeit. Alte Möbel zum Beispiel verkaufen sich nicht mehr so gut wie früher. "Die jungen Leute haben heute kein Geld mehr. Und wenn doch, dann fahren sie zu Ikea", sagt Gräbner, der einst ganze Zimmereinrichtungen anbot. Geblieben ist die Bedeutung des Tierhandels. Vom Hamster bis zum Pferd wird auf dem Hobbymarkt beinahe alles angeboten, was als Haus- oder Nutztier in Frage kommt. Jeder dritte Anbieter ist heute noch ein Tierhändler. Schon drei Monate nach seiner Gründung verzeichnete der Markt laut eines Zeitungsartikels vom September 1966 120 Anbieter. Der Tierhandel macht den Hobbymarkt einzigartig und hat ihm und dem Verler Ortsteil zu bundesweiter Bekanntheit verholfen. "Die Händler und die Kunden kommen von überall her, aus dem Ruhrgebiet, sogar aus Berlin", sagt Detlev Fust von der veranstaltenden Stadt Verl. Als 2005 wegen der Geflügelpest der Tierhandel mal für ein paar Monate ausgesetzt werden musste, halbierte sich die Besucherzahl schlagartig. Als erste wehrten sich die professionellen Geflügelhändler. Die verkauften montags nebenan bei Liemke ihre Tiere, und da war ihnen die private Konkurrenz auf dem Gelände der Ostwestfalenhalle am Samstag zuvor ein Dorn im Auge. "Da standen dann die Veterinäre und ließen einen mit Junghennen nicht mehr rein", erinnert sich Manfred Gräbner. Ziergeflügel aber war weiterhin erlaubt. "Manchmal konnten die das aber auch nicht unterscheiden." Und dann saßen mitunter zwei Tiere im Käfig auf einem Verkaufstisch in der Halle und konnten gezeigt werden. Kam es zum Geschäftsabschluss, ging der Händler mit seinem Kunden nach draußen zum Parkplatz, wo der Autoanhänger voller Junghennen abgestellt stand. Das ist heute Geschichte, sagt Marktmeister Detlef Fust. 1998 wurden frei vergebene Plätze für Tierhändler abgeschafft und es kamen nur noch angemeldete, seit 2002 gibt es Bedingungen, die beim Tierauftrieb einzuhalten sind, seit 2011 ist der Handel mit Hunden nicht mehr erlaubt. "Seriöse Händler waren von unseriösen nicht zu unterscheiden", nennt Fust als Begründung. Mitunter agierten Strohmänner, fielen Blanko-Impfpässe auf - "das hat sich jetzt erledigt". 2007 geriet der Markt bundesweit in die Schlagzeilen, als Tierschützer mit einem RTL-Kamera-Team anrückten und auch der WDR berichtete. Fust bringt das nicht aus der Ruhe. "In den 70er-Jahren gab es schon böse Briefe, später kam das Fernsehen - es ist eben ein Markt, auf dem Tiere verkauft werden, und genauso lange gibt es schon die Proteste der Tierschützer." Die Stadt als Veranstalterin tue aber alles, um die geltenden Tierschutzbestimmungen einzuhalten und Verstöße zu ahnden, sagt der Marktmeister. Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes sind im Einsatz, Veterinäre des Kreises Gütersloh überwachen den Verkauf. Und bei Verstößen gibt es Sanktionen wie Verwarngelder, im Wiederholungsfall auch mal den Ausschluss eines Händlers. Früher, sagt Marktmeister Fust, kamen die ersten Händler schon früh um 2 Uhr nach Kaunitz und überkletterten den Zaun, um einen guten Stellplatz zu bekommen. "Wenn wir um 5 Uhr die Tore geöffnet haben, sind die mit ihren Tapeziertischen losgerannt und haben sich fast geschlagen." Diese Zeiten sind vorbei. Die Konkurrenz durch die wachsende Zahl von Trödelmärkten macht dem Hobbymarkt zu schaffen. 2015 kamen gut 70.000 Besucher zu den zwölf Märkten nach Kaunitz, zehn Jahre zuvor waren es noch rund 90.000 gewesen. Deutliche Spuren hinterlassen hat die Einführung des Euro. Vor der Währungsumstellung weist die Statistik 120.000 Besucher aus. Rekordverdächtig war der Besuch am 1. Juni 1991. Zum Silberjubiläum strömten an jenem Samstag allein 30.000 Besucher auf das Gelände an der Ostwestfalenhalle. Und auch damals war Manfred Gräbner dabei.

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