Zusammenarbeit: Im Rathaus stellten die Beteiligten das Kooperationsprojekt "Flüchtlingsarbeit" sowie den neuen Flüchtlingsberater vor. V.l.: Ulrike Boden (AWO), Barbara Menne (Sozialamt Verl), Mustafa Haroglu (Flüchtlingsberater), Bürgermeister Paul Hermreck und Heribert Schönauer, Erster Beigeordneter. - © Natalie Gottwald
Zusammenarbeit: Im Rathaus stellten die Beteiligten das Kooperationsprojekt "Flüchtlingsarbeit" sowie den neuen Flüchtlingsberater vor. V.l.: Ulrike Boden (AWO), Barbara Menne (Sozialamt Verl), Mustafa Haroglu (Flüchtlingsberater), Bürgermeister Paul Hermreck und Heribert Schönauer, Erster Beigeordneter. | © Natalie Gottwald

Verl Mustafa Haroglu ist jetzt als Flüchtlingsberater für Verl zuständig

Brückenbauer zwischen den Kulturen

Verl. "Ich weiß, wie die Menschen sich fühlen, wenn sie hier in Deutschland ankommen und die Sprache nicht verstehen", sagt Mustafa Haroglu. Vor gut 30 Jahren war er in derselben Situation, als er aus der Türkei in Deutschland ankam. Inzwischen ist Haroglu staatlich anerkannter Dolmetscher für Türkisch und Kurdisch und hat in verschiedenen Bereichen in der Flüchtlingsberatung gearbeitet. "Die Grundlage war aber immer die Verständigung", sagt der 50-Jährige, der jetzt mit einer 50-Prozent-Stelle als erster Flüchtlingsberater für Verl zuständig ist. "Das ist eine interkommunale Zusammenarbeit", erklärt Bürgermeister Paul Hermreck. "Die anderen 50 Prozent steht Herr Haroglu der Nachbargemeinde Schloß Holte-Stukenbrock als Flüchtlingsberater zur Verfügung." In Verl wird Haroglu feste Beratungszeiten anbieten, nachmittags aber zu den Flüchtlingsunterkünften rausfahren. "Das Wichtigste ist die Ansprache, die Kommunikation - am besten in der Muttersprache", weiß er. Er werde versuchen Brücken zu bauen zwischen den Kulturen, zur Verwaltung und auch zu ehrenamtlichen Helfern. Sein Büro, das immer montags und dienstags besetzt sein soll, wird derzeit noch hergerichtet. "Bewusst haben wir uns für einen Ort außerhalb des Rathauses entschieden", erklärt der Erste Beigeordnete der Stadt, Heribert Schönauer. Im städtischen Gebäude an der Bahnhofstraße 11a, nahe des Marktplatzes, soll Haroglu um den 20. Juli herum einziehen. "So bleibt das Beratungs- und Begleitungsangebot niederschwellig und steht nicht immer gleich mit der Stadt und dem Sozialamt in Verbindung", sagt Barbara Menne. Leiterin des Sozialamtes. Natürlich werde man aber eng zusammenarbeiten. Mit im Boot und direkter Arbeitgeber von Mustafa Haroglu ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO). "Wir haben uns im Frühjahr dieses Jahres zusammengesetzt und dieses gemeinsame Projekt ins Leben gerufen", sagt Ulrike Boden, Leiterin der AWO des Kreises. "Wir haben bereits in den 90-er Jahren, als die Flüchtlinge aus dem Bosnienkrieg nach Deutschland kamen, Flüchtlingsarbeit geleistet und können auf Erfahrungen sowie auf ein großes Netzwerk zurückgreifen." Die Stadt Verl betreut aktuell rund 160 Flüchtlinge aus etwa 30 Nationen. "Es sind bereits weitere Zuweisungen für die nächsten Tage angekündigt", so Schönauer. In derzeit fünf Unterkünften - größere und kleinere Einheiten - sind die Menschen untergebracht. Zwei sollen in den nächsten Wochen noch dazu kommen. "Man muss nicht in die Glaskugel zu schauen, um zu wissen, dass wir bis Ende des Jahres die Zahl 200 überschritten haben werden", sagt Schönauer. Deshalb sucht die Stadt weiterhin nach Häusern oder Wohnungen, in denen Flüchtlinge untergebracht werden können. "Wir sind als städtisches Sozialamt dafür zuständig, Wohnraum die die Menschen zu schaffen und ihre wirtschaftliche Situation zu unterstützen. Das reicht aber nicht", betont Barbara Menne. Ihr Fachbereich sei in den vergangenen Monaten an Grenzen gestoßen. "Flüchtlinge brauchen auch Begleitung und Betreuung. Sie lassen ihre Probleme nicht vor der Rathaustür stehen und brauchen Ansprache - am besten in ihrer Muttersprache. Deshalb sind wir froh, in Herrn Haroglu jetzt jemanden zu haben, der zahlreiche Sprachen abdeckt, die eine Vielzahl unserer Flüchtlinge spricht." Am wichtigsten sei das Gefühl, willkommen zu sein, Vertrauen zu den Menschen in der direkten Umgebung fassen zu können und schnell die Sprache zu lernen, betont Haroglu abschließend. Ein Flyer, auf dem steht, unter welcher Telefonnummer Haroglu zu erreichen ist, und was seine Arbeit alles umfasst, wird voraussichtlich ab der kommenden Woche im Rathaus und in den Unterkünften ausliegen.

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