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Gütersloh Tropenholz beschlagnahmt

Gütersloher Sägewerk darf Stämme nicht ausliefern

10.11.2013 | Stand 10.11.2013, 17:07 Uhr

Gütersloh. Seit 1958 handelt das Niehorster Sägewerk Huxohl mit Tropenholz. Teak, Mahagoni, Kambala, Limba, Bubinga – Huxohl ist mit seinen horizontalen Blockbandsägen als einer der wenigen in der Lage, auch die mächtigsten Stämme einzuschneiden. Doch so einen Fall wie jetzt hatte Huxohl noch nie. Seit drei Monaten sitzt das Sägewerk auf einer Lieferung von 150 Festmetern Wengé-Holz. Geschlagen im Kongo, verschifft über Antwerpen. Mittlerweile liegt es geschnitten in der Trockenkammer, doch ob er es demnächst an seinen Kunden ausliefern kann, weiß Paul-Hermann Huxohl noch immer nicht. Denn: Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat ihre Hand darauf. Das Holz steht in Verdacht, nicht ordungsgemäß deklariert worden zu sein. Huxohl kann dafür nichts. Auch der BLE-Sprecher Tassilo Freiherr von Leoprechting versichert, das Sägewerk habe nichts zu befürchten. Wer dagegen möglicherweise seine Sorgfaltspflicht verletzt hat, ist der Importeur, ein Schweizer Handelsunternehmen, das neben dem Gütersloher noch zwei andere Werke beliefert hat. Die Gütersloher befürchten jedoch, einen wirtschaftlichen Schaden zu erleiden. Bislang seien ihm durch das Verarbeiten des Holzes Kosten von 45.000 Euro entstanden, sagt Paul-Hermann Huxohl. Die Lieferung soll eigentlich an einen Betrieb in Sexau im Südschwarzwald gehen, der mit dem edlen, schwarz-braun gemaserten Holz Fußboden verlegen will. Doch ebensogut kann es passieren, dass der Bund das Wengé einzieht. "Sollten wir zu dem Ergebnis kommen, dass das Holz aus nicht nachprüfbarem Bestand kommt, darf es nicht verkauft werden", sagt Freiherr von Leoprechting. In diesem Fall würde der Bund es konfiszieren und selbst veräußern; der Erlös flösse in die Bundeskasse. Mittlerweile blickt die gesamte deutsche Holzwirtschaft nach Gütersloh. Der Bund wendet erstmals eine im Mai in deutsches Recht übertragene Vorschrift an, die EU-Holzhandelsverordnung (EUTR). Sie schreibt für die Importeure hohe Sorgfaltspflichten vor. Wer Holz – zumal Tropenholz – in die EU importiert, muss nachweisen können, woher er es hat. Er muss in der Lage sein, saubere Belege dafür beizubringen – eine Forderung, die beim Handel mit Tropenländern nicht immer leicht zu erfüllen ist. Die Frage, die die Holzwirtschaft am Fall Gütersloh-Niehorst daher bewegt, lautet: Wie streng legt die BLE das Gesetz aus? Beim Wengé-Holz geht es aktuell genau darum: Sind die Dokumente aus dem Kongo so, wie es sich die EU vorstellt? Und falls nicht, wird der Verstoß mit der vollen Härte geahndet? Kritiker der neuen Regelung sprechen schon von einem Eingriff in die Autorität der Lieferländer. Die EU bürde anderen Ländern ihren Bürokratiewahn auf. Auch Huxohl findet, das Gesetz sei in der jetzigen Fassung nicht umsetzbar. Von kleinen und mittelständischen Betrieben würden Nachweise verlangt, die diese kaum in der Lage seien, beizubringen. "So wie es jetzt ist, steht man bei Tropenholzimporten ja ständig mit einem Bein im Gefängnis. Das kann's nicht sein." Schon jetzt verzeichne er einen Rückgang. "Wir haben keine Vollauslastung mehr", sagt der 63-Jährige, der Hof sei schon mal voller gewesen. Die Lieferanten und Händler seien verunsichert, wie exakt das Holz deklariert zu sein habe. Gebe es nicht bald Klarheit, werde es zu Engpässen bei Tropenhölzern kommen. Daran könne niemand ein Interesse haben, sagte Huxohl, vor allem die afrikanischen Länder nicht, denen man nicht verwehren könne, Geschäfte mit ihrem Rohstoff machen zu wollen. Illegalen Einschlag gebe es ohnehin kaum, die Lieferantenländer hätten erkannt, dass es in ihren eigenen Interesse sei, auf Nachhaltigkeit zu setzen. 19.000 Festmeter Tropenholz hat Deutschland 2012 eingeführt – Huxohl verarbeitet acht Prozent davon. Dass der Bund von dem Holz überhaupt Wind bekam, lag an Greenpeace. Aktivisten hatten einen Hinweis bekommen, dass die Herkunft des Wengé-Holzes unklar sei. Sie teilten ihren Verdacht den Behörden mit, wurden offenbar aber auch selbst tätig. Einem Sägewerker von Huxohl fiel beim Schneiden eines der 20 Stämme ein Metallteil auf; wie sich herausstellte, handelt es sich um einen GPS-Sender. Er liegt nun bei Huxohl im Büro. "Den behalte ich. Als Andenken."

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