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Unter Aufsicht des stellvertretenden Badleiters Frank Vanderlinden spritzt Volontärin Amina Vieth die frisch gereinigten Fliesen des großen Schwimmbeckens ab. Der Wasserdruck ist so stark, dass sie mit dem ganzen Körper dagegenhalten muss. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Unter Aufsicht des stellvertretenden Badleiters Frank Vanderlinden spritzt Volontärin Amina Vieth die frisch gereinigten Fliesen des großen Schwimmbeckens ab. Der Wasserdruck ist so stark, dass sie mit dem ganzen Körper dagegenhalten muss. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

SHS Mit Hochdruck gegen den Schmutz

10-Minuten-Reportage: Großputz im Gartenhallenbad

VON AMINA VIETH
22.12.2013

Schloß Holte-Stukenbrock. Gummistiefel und Handschuhe statt Badeanzug und Schwimmring – das Gartenhallenbad Schloß Holte-Stukenbrock erhält eine Grundreinigung. Das gesamte Hallenbad-Team putzt, schrubbt und wischt vom Boden bis zur Decke. Ein körperlich anstrengender Job, wie ich am eigenen Leib erfahre.

Als ich das Hallenbad betrete, steigt mir der beißende Geruch von Chlorbleiche in die Nase. Je näher ich dem Becken komme, desto schwerer fällt mir das Atmen. Vor dem Zugang zum Hauptbecken treffe ich den stellvertretenden Badleiter Frank Vanderlinden. Mit großen Schritten kommt er auf mich zu, schaut an mir herunter und sagt: "So können Sie hier aber nicht putzen." Straßenschuhe, Jeans und Pullover seien nicht angebracht. "Wir arbeiten hier mit chemischen Reinigern, die zum Teil auch ätzend sind", sagt Vanderlinden. Schnell führt er mich zum Mitarbeiterbereich und gibt mir Gummistiefel, Handschuhe, Schutzbrille und Mundschutz. Doch bevor ich mich für den Arbeitseinsatz ankleide, muss ich die Arme mit einer fetthaltigen Creme einreiben. "Das dient als Schutzfilm auf der Haut", erklärt Vanderlinden. Die Handschuhe reichen bis zu den Ellenbogen. Für einen besseren Schutz muss das obere Ende umgeklappt werden. "Wenn doch mal Reinger über den Arm läuft, dann bleibt es in der Gummifalte und läuft nicht auf die Haut."

Gerüstet für das große Putzen führt mich Vanderlinden zum großen Schwimmbecken. Das Wasser wurde bereits abgelassen und die Fliesen mit saurem Reiniger vorbehandelt. "Anschließend wird alles abgespritzt und mit alkalischem Reiniger die Säure neutralisiert, damit sie nicht das Material beschädigt."

Gemeinsam mit Vanderlinden steige ich in das Becken. Es erscheint mir riesig ohne die Wassermassen. Rund 250 Kubikmeter Wasser fasst das Becken. Nun stehe ich statt im kühlen Nass in Pfützen des chemischen Reinigers auf den blauen Bodenfliesen. Den Atemschutz muss ich schnell über Mund und Nase ziehen, die Dämpfe der Putzmittel kratzen schon im Hals. Mein Arbeitsgerät steht bereit – ein Hochdruckreiniger. "Damit kann man sich schwer verletzen. Er hat bis zu zehnmal mehr Druck als ein üblicher Hochdruckreiniger. Wer sich damit Wasser auf den nackten Fuß sprüht, kann sich einen Zeh abreißen", sagt Vanderlinden. Deswegen müsse jeder Gummistiefel mit Stahlkappen tragen.

Nach einer kurzen Einweisung mache ich mich an die Arbeit. Meine Aufgabe ist es, den Schaum und Schmutz von der vorherigen Reinigung zu beseitigen. Mit einem Wasserstrahl soll ich Fliese für Fliese bearbeiten. Was ich für eine leichte Aufgabe halte, erweist sich als anstrengende Herausforderung. Beim ersten Einschalten des Hochdruckreinigers erschrecke ich. Mein Arm wird schlagartig nach hinten geschleudert, der Druck ist stärker als erwartet und er presst mich nach hinten. Nur mühselig halte ich stand und schalte das Gerät schnell wieder ab.

Ein neuer Versuch. Dieses Mal bin ich vorbereitet, spanne jeden Muskel meines Körpers an und stemme mich mit meinem gesamten Gewicht gegen den Druck. Je näher ich den Wasserstrahl an den Boden halte, desto stärker muss ich mit voller Kraft dagegen halten, um die Kontrolle über die Spritzdüse zu behalten. Die Füße presse ich fest auf den Boden, mit dem Oberkörper beuge ich mich nach vorne. Es ist, als würde ich gegen eine Wand ankämpfen. Ich spüre, wie mein heißer Atem unter der Schutzmaske nach oben steigt und die Schutzbrille nach und nach beschlägt. Nur mühselig komme ich voran. Immer wieder muss ich den Reiniger ausschalten, eine kurze Pause einlegen und entspannen. Dass die Arbeit so anstrengend ist, habe ich nicht vermutet. "Viele unterschätzen, was hier geleistet werden muss. Es gehört mehr dazu als nur die Schwimmaufsicht. Man muss auch anpacken können."

Gewissenhaftes und ordentliches Arbeiten hat ihr oberste Priorität. "Wenn nicht richtig gereinigt wird, können sich Algen auf dem Boden bilden, oder Krankheitserreger geraten ins Wasser." Damit das nicht passiert, spritze ich weiter Fliese für Fliese ab und beobachte, wie das vom Schmutz gelblich-braun gefärbte Wasser abfließt. "So ist es richtig", sagt Vanderlinden lobend. Nach zehn Minuten lege den Hochdruckreiniger zur Seite. Jetzt weiß ich, welcher schweißtreibende Job hinter dem Badespaß steht.

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