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Die zehn-Minuten-Reportage Schuss aus der Luft

NW-Volontärin Julia Bömer lernt schießen

VON JULIA BÖMER
03.04.2013
Dominik Westhoff zeigt NW-Volontärin Julia Bömer, wie sie das Luftgewehr bedient. Die Anfängerin hat die Waffe auf eine grünen Metallträger - die Auflage - gelegt. Im Lauf ist das rote Sicherheitsfähnchen zu erkennen. - © FOTOS: GUNTER HELD
Dominik Westhoff zeigt NW-Volontärin Julia Bömer, wie sie das Luftgewehr bedient. Die Anfängerin hat die Waffe auf eine grünen Metallträger - die Auflage - gelegt. Im Lauf ist das rote Sicherheitsfähnchen zu erkennen. | © FOTOS: GUNTER HELD

Schloß Holte-Stukenbrock / Hövelhof. Die Schießhalle ist klinisch hell. Tiefe Decken über mir. Leise ist es. Irgendwie riecht es nach Sporthalle. Alle anderen sind konzentriert. Ich bin überfordert. Peng! Ich zucke zusammen. Eine Schützin hat einen Schuss auf der Bahn abgefeuert. In sicheren Abstand zu mir. Erschrocken habe ich mich trotzdem. Wie soll das nur werden, wenn ich schießen lerne?

Paula Dresselhaus hat mich ins Heimat- und Bürgerhaus in Hövelhof mitgenommen. Mit der Luftpistole hat die St. Michael-Schützin aus Liemke großen Erfolg. Bis zu den Deutschen Meisterschaften hat sie es schon geschafft. Ich erschrecke schon bei einem leisen Peng. Dresselhaus bemerkt meine Unsicherheit. "Wir machen das mit Auflage – sonst macht sie die ganze Anlage kaputt", murmelt sie Dominik Westhoff zu. Der 21-Jährige schießt seit acht Jahren Luftgewehr. Eines dieser Modelle reicht er mir.

"Mal anfassen?", fragt er. Ich nehme die vier Kilo schwere Waffe, noch ungeladen, in meine Hände. Es ist ein modernes CO2-Gewehr. Westhoff erklärt mir das Druckluftverhalten in der Waffe. Ich kann kaum folgen, starre die ganze Zeit auf das Gewehr. Noch nie hatte ich eines in meinen Händen. Dominik Westhoff nimmt mir die Waffe vorerst aus der Hand und legt ein Diabolo ein. So heißen die knapp fünf Millimeter großen Projektile, die später per Auslöser hinaus geschleudert werden. "Erst auflegen, dann entsichern", erklärt mir Westhoff. Ich soll nicht mit freier Hand schießen – zu gefährlich. Also hebe ich die Waffe langsam, sehr langsam auf einen Träger; die Auflage. Dann begebe ich mich in die Sicherheitsposition: Die Füße so weit auseinander wie meine Schultern breit sind. Zum ersten Mal seit Beginn des Schießtrainings fühle ich mich sicher. Westhoff entsichert für mich die Waffe – erst jetzt kann ich einen Schuss auslösen. Ich soll das Gerät tief in mein rechtes Schulterblatt drücken und dann durch den Sucher schauen. "Das ist das falsche Auge", sagt der 21-Jährige zu mir, als ich durchschauen will.

Anfängerfehler. Also schaue ich mit dem richtigen, rechten Auge, durch den Sucher. In zehn Metern Entfernung ist die Zielscheibe. Ich will still halten, um sie mit meinem Auge zu fixieren. Nichts geht, ich schwanke. Die Waffe drückt schwer in mein Schulterblatt. "Suchen, Luft anhalten, abdrücken", rät mir Westhoff. Okay, das versuche ich. Mein rechter Zeigefinger gleitet auf den Abdrücker. Peng! Ich habe geschossen. Früher, schneller, unkonzentrierter als erwartet.

"Darf ich nochmal", frage ich. Westhoff nickt. Ich nehme das Gewehr herunter, lege selbst ein Diabolo ein. Zwei Mal fällt es weg – mein Hände sind rutschig, ich bin wieder aufgeregt. Das Auflegen klappt besser. Dieses Mal will ich alles richtig machen und konzentriert schießen. Ich suche, halte die Luft an, drücke ab. Peng! Der Schuss war nicht gut, das merke ich sofort.

Dominik Westhof lässt die Zielscheiben heranfahren. Ich sehe meine Ergebnisse. Beim ersten Mal habe ich Ring sieben getroffen, beim zweiten Mal nur Ring zwei. Zehn wäre die Höchstpunktzahl gewesen. "Gar nicht so schlecht", sagt Dresselhaus im Hintergrund. Ob ich noch einmal will, fragt Westhoff. Ich schüttle den Kopf. Die ersten Schüsse waren schon aufregend genug. Und ein Blick auf die Uhr sagt mir: Zehn Minuten Schießtraining sind um.

Information

Die Idee und die Serie

Zehn Minuten, das sind 600 Sekunden – zehn Minuten, das ist die Zeit, die die Mitarbeiter der NW-Lokalredaktion Schloß Holte-Stukenbrock für diese Geschichte unterwegs sind. Die Idee dahinter: Der Autor verbringt 10 Minuten an einem bestimmten Ort hier in Schloß Holte-Stukenbrock und schreibt dann darüber. Alle 10-Minuten-Reportagen der Serie können Sie nachlesen im Internet unter: www.nw-news.de/shs