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Die Geparden sind aus Holz. Die echten Katzen tummeln sich irgendwo fünf Meter weiter unten in ihrem 6.000 Quadratmeter großen Gehege. Die permanente Sicherung mit dem roten Seil ist zwar beruhigend – aber nicht sehr. - © FOTO: MALIN HELD
Die Geparden sind aus Holz. Die echten Katzen tummeln sich irgendwo fünf Meter weiter unten in ihrem 6.000 Quadratmeter großen Gehege. Die permanente Sicherung mit dem roten Seil ist zwar beruhigend – aber nicht sehr. | © FOTO: MALIN HELD

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK Klettern über großen Katzen

DIE 10-MINUTEN-REPORTAGE: Im Hochseilparcours des Safariparks

VON GUNTER HELD
27.07.2012

Schloß Holte-Stukenbrock. Es gibt Dinge, die muss man gemacht haben, um deren Wert kennenzulernen. Dazu gehört, einen Kletterparcours zu bezwingen, der mitten in einem Raubkatzengehege steht. Möglich ist das im Safaripark. Allerdings hat es länger als zehn Minuten gedauert – Kletterer lassen sich nicht hetzen.

Die Geparden haben Platz. Das Gehege ist 6.000 Quadratmeter groß. Ein 70 Meter langer Rundkurs ist mit acht Kletterelementen bestückt. Darauf habe ich kaum Platz. Geschätzte 40 Zentimeter breit sind die breitesten Stellen. Irgendwo habe ich gelesen, dass man nie alleine klettern soll. Also kommt meine 17 Jahre alte Tochter mit – auch wegen der Fotos. Die Kollegen in der Redaktion, die auch hätten fotografieren können, haben abgewinkt: "Mach du mal . . ."

Wird schon nicht so schwierig sein, denke ich. Und fünf Meter, die Höhe, in der der Parcours verläuft, sind nun auch nicht die Welt. Erst einmal jedoch geht’s um die Sicherheit. Weil die Sicherungsseile im Parcours über den Geparden nicht umgehakt werden müssen, wenn man ein Element geschafft hat, sondern auf Rollen den Kletterer permanent sichern, darf im Safaripark auch allein geklettert werden. Das hätte aber noch immer nicht das Problem mit dem Foto gelöst.

Zunächst bekommen wir die Klettergurte verpasst. Das macht Malte Hartwig. Cool sieht er aus mit der verspiegelten Sonnenbrille. Doch sehr freundlich und routiniert erklärt er, wie ich das Gurtzeug anlege und schnallt es dann an mir fest. Ein Sturzhelm darf natürlich nicht fehlen. Vier Mitarbeiter hat der Safaripark als Hochseilgartentrainer ausbilden und zertifizieren lassen. Einer davon ist immer auf der Anlage. Unterstützt wird Malte Hartwig heute von Albert Srymczak.

Gurtzeug und Helm sitzen, das Sicherungsseil ist eingehakt, es kann losgehen. Das erste Element ist ein fest montierter Baumstamm, 30 Zentimeter breit. Meine Tochter geht als erste – Vortritt für Damen. Sie spaziert drüber, als ob es ein breiter Sandweg wäre.

Ich schaue runter und denke: "Okay, fünf Meter sind schon ziemlich hoch." Hinzu kommt noch meine Körpergröße, so dass ich aus etwa 6,80 Meter nach unten blicke. Aber der Baumstamm ist wirklich nicht schwierig zu bewältigen. Und was hatte Susanna Stubbe, Pressesprecherin des Parks doch gleich gesagt: "Die Elemente sind alle im mittelschwierigen bis schwierigen Bereich angesiedelt." Also, geht doch . . .

Doch die Euphorie weicht schnell als ich das nächste Element sehe. Es sind liegende "Hs", drei Stück an der Zahl, die an Seilen aufgehängt sind. Logischerweise driften die zehn Zentimeter breiten Hölzchen weg, wenn man von der Plattform aus einen Fuß auf das schwankende Holz setzt. Wartet man zu lange, mit dem zweiten Fuß auch daraufzusteigen, nähert man sich langsam einem Spagat. "Sieht bestimmt super aus", schießt es mir durch den Kopf. "Gleich bei der ersten Schwierigkeit machst du dich zum Affen." Ich bin froh, als ich auf der Plattform bin und hätte den dicken Robinienstamm am liebsten umarmt. Warum grinst meine Tochter mich eigentlich so an?

Sie steht locker auf der Plattform und schaut sich das Gehege an, sucht die Geparden Monty, Maun und Sarah, die von den Kletterern völlig unbeeindruckt sind. Ich habe dafür keinen Blick, bin voll konzentriert und sehne das Ende herbei. Vor Anstrengung zittern mir die Knie.

Mulmig wird mir auf dem Zick-Zack-Element. Das sei das Schwierigste, hatte Stubbe vorhin gesagt. Finde ich aber gar nicht. Bis ich mit den Füßen auf der Plattform bin, mich mit den Händen aber noch an den Seilen festhalte. Irgendwie liegt der Schwerpunkt falsch, jedenfalls komme ich nicht mehr vorwärts. Gut, dass meine Tochter vorgeklettert ist. Beherzt greift sie in meinen Gurt und zieht mich auf die Plattform. Noch zwei Elemente, eines davon ist das Spinnennetz, doch das ist nun wirklich leichter, als es aussieht.

Noch einen großen Schritt, dann habe ich es hinter mir. Albert Srymczak nimmt mich in Empfang. Ich habe wieder festen Boden unter den Füßen. Irgendwie war es schon toll, auf jeden Fall ein Erfolgserlebnis. Aber ich weiß auch: Es gibt Dinge, die muss man nicht zweimal machen.

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