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Wolfgang Lindhorst-Emme und NW-Volontärin Julia Gesemann stehen auf dem Weg zwischen den Teichen und füttern die Goldforellen. Die sonst so ruhigen Fische springen bei der Futtersuche wild umher. - © FOTOS: GUNTER HELD
Wolfgang Lindhorst-Emme und NW-Volontärin Julia Gesemann stehen auf dem Weg zwischen den Teichen und füttern die Goldforellen. Die sonst so ruhigen Fische springen bei der Futtersuche wild umher. | © FOTOS: GUNTER HELD

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK Wirbel im Forellenteich

10-MINUTEN-REPORTAGE: Stippvisite im Fischzuchtbetrieb

VON JULIA GESEMANN
22.02.2012

Schloß Holte-Stukenbrock. Nur ein paar Schritte sind es von der Flughafenstraße aus - und schon stehe ich vor den 28 Fischteichen. In ihnen sprudelt und plätschert das Wasser, über meinem Kopf segelt mit ausgebreiteten Schwingen ein Fischreiher hinweg und landet auf einem nahestehenden Baum. Er beobachtet mich, wartet, bis ich wieder weggehe und die Luft rein ist. Doch dem Gefallen tue ich ihm nicht. Denn ich habe dasselbe Ziel wie er: Das Aufzuchtbecken für die Gold- und Regenbogenforellen. Für zehn Minuten besuche ich Wolfgang Lindhorst-Emme im Fischzuchtbetrieb Hirschquellen.

Der Fischzuchtmeister wartet schon in seinem kleinen Verkaufsraum auf mich. Gemeinsam gehen wir zu dem Wasserbecken. Ich spüre, wie die Kälte mir von den Füßen aus hoch in die Beine steigt. Sie lässt mich von einem Fuß auf den anderen treten - bei den Forellen sorgt sie sie nur für Trägheit. "In der kalten Jahreszeit sind sie nicht sehr aktiv", erklärt mir Wolfgang Lindhorst-Emme.

Wolfgang Lindhorst-Emme zeigt mir das Futter, mit dem die Forellen gefüttert werden.
Wolfgang Lindhorst-Emme zeigt mir das Futter, mit dem die Forellen gefüttert werden.

Ruhig ist es hier - noch. Goldforellen schwimmen langsam umher, ihre Farbe schimmert leuchtend orange unter der Wasseroberfläche. Doppelt so groß wie Goldfische sind sie. "Zwei Jahre sind die Fische alt", sagt Lindhorst-Emme. Es sind Muttertiere, die der Fischzuchtmeister zur Fischvermehrung bis zu sechs Jahre lang laichen lässt. In den anderen der insgesamt 28 Fischteiche durchlaufen die etwa 500.000 Fische die verschiedenen Entwicklungsphasen nur bis zu einem Alter von 18 Monaten. Dann werden sie vor den Augen der Kunden frisch gefangen und ausgenommen.

Ich stehe an einem Zulauf, durch den Wasser aus dem Nachbarbecken herüberfließt. Dadurch ist das Wasser in den Becken immer in Bewegung - die Teiche frieren nicht zu. "Außerdem sprudelt das kalkhaltige Wasser aus der Hirschquelle mit einer konstanten Temperatur von neuneinhalb Grad Celsius an die Oberfläche", erklärt mir Lindhorst-Emme. Forellen mögen es kalt.

Gegen die Kälte hat auch der Reiher nichts. Er wartet geduldig auf dem Baum über uns immer noch auf seine Chance. Ich zeige ihn dem Fischzuchtmeister. "Ja, es vergeht eigentlich kein Tag, ohne dass sie kommen." Am Beckenrand sehe ich die Spuren, die die großen Vögel bei den Landungen hinterlassen. Viele Becken hat Lindhorst-Emme bereits mit Netzen überspannt. "Aber die Reiher sind schlau - sie setzen sich auf das Netz, warten, bis ihr Gewicht dieses auf die Wasseroberfläche herunterdrückt und schlagen dann mit ihrem langen Schnabel zu", erklärt er mir.

Der Teich, an dem wir stehen, ist noch nicht überspannt und damit für den Reiher attraktiv. Ein zweiter Vogel segelt jetzt über unsere Köpfe hinweg. Imposantes Tier. Aber landen? Das traut er sich nicht, solange wir hier stehen. Fünf Minuten später sind sie zu viert, sitzen auf den hohen Tannen an den Becken und wollen nur eines: Futter, sozusagen Fish to fly.

Futter bekommen jetzt aber erstmal die Forellen. Aus einer blauen Tonne holt Lindhorst-Emme eine Schaufel bräunlicher Pellets. Ich nehme ein Hand voll und rieche dran: fischig. "Das kommt von dem Fischmehl, das in dem Futter enthalten ist", erklärt mir der Fischzuchtmeister. Das muss sein. Denn Forellen sind Fleischfresser. In freier Natur ernähren sie sich von Insekten, Krebstieren und auch von kleineren Fischen. Außerdem sind noch Soja, und getrocknetes und gemahlenes Tierblut, sogenanntes Blutmehl, enthalten.

Lindhorst-Emme wirft Futter ins Wasser. Nichts passiert, still ruht der Teich. Jetzt versuche ich mein Glück. Wieder nichts. Doch es ist die Stille vor dem Forellenansturm. Denn plötzlich schnellen die Fische an die Oberfläche, schnappen sich ihr Futter und verschwinden wieder. Das Wasser spritzt, zwischendurch sehe ich Flossen herausragen. Was für ein Spektakel! "Das müssten Sie mal im Sommer sehen, wenn die Fische aktiver sind", sagt Lindhorst-Emme.

Erstmal überlasse ich den Reihern wieder das Feld - und den Sieg in diesem kleinen Kampf am Teich. Im Weggehen sehe ich aus den Augenwinkeln, wie der erste dort landet, wo ich gerade gestanden habe.

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