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NW-Volontärin Julia Gesemann kann sich nicht entscheiden. Soll es die Königskrone sein? Oder doch das lange Kleid mit der Stola? Genug Auswahl ist auf den langen Kleiderstangen jedenfalls vorhanden. Hauptsache das Kostüm ist rot. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
NW-Volontärin Julia Gesemann kann sich nicht entscheiden. Soll es die Königskrone sein? Oder doch das lange Kleid mit der Stola? Genug Auswahl ist auf den langen Kleiderstangen jedenfalls vorhanden. Hauptsache das Kostüm ist rot. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

10-MINUTEN-REPORTAGE Königin der Unentschlossenen

10-Minuten-Reportage: Kostümberatung im Karneval-Outlet

VON JULIA GESEMANN
11.02.2012

Schloß Holte-Stukenbrock. "Besonders erschreckend muss es sein", sagt Cem. "Ja, ganz gruselig", ergänzt sein Freund Endrit. "Nein, es muss schön bunt sein", widerspricht Emily. Morgen ist Kinderkarneval in Schloß Holte-Stukenbrock. Und auch Rosenmontag rückt immer näher. Grund für mich, mich zehn Minuten lang im Karneval-Outlet von Ulrike Horstkotte bei der Kostümwahl beraten zu lassen - von den jungen Kunden.

Indianer? Kriegsbemalung ist nicht mein Stil. Cowboy? Ich habe was gegen Pistolen. Oder doch Vampir-Frau? Zu bissig. Unentschlossen stehe ich vor der langen Kleiderstange, an der dicht an dicht Kostüme für Erwachsene und Kinder hängen. Nicht, dass es nicht genug Auswahl gäbe - ich kann mich nicht entscheiden. Zumal ich ein absoluter Karnevals-Neuling bin und gar nicht weiß, worauf ich bei der Kostümwahl achten muss.

Lea Spitzer kann mir weiterhelfen. Sie hat beim Stöbern bereits ihr Kostüm gefunden: das einer spanischen Flamenco-Tänzerin. Dazu noch etwas Glitzerspray und eine Rose ins Haar - fertig. Lea rät mir: "Rot ist eine schöne Farbe." Das ist ganz wichtig. Denn: "Schön muss das Kostüm sein." Also suche ich nach roten und schönen Kleidern. Vielleicht das Kleid eines Burgfräuleins? Es hat die empfohlene Farbe und ist schön anzuschauen. "Nein, das geht nicht", ruft Merle dazwischen. Die Achtjährige deutet auf meine zu sehenden Füße und sagt belehrend: "Das ist doch viel zu kurz.

Überhaupt nicht kurz ist die Schlange vor der Kasse. Vor Kinderkarneval haben Ulrike und Rolf Horstkotte alle Hände voll zu tun. Viele Eltern kommen mit ihren Kindern her oder suchen ein Kostüm für sich selbst. Rolf Horstkotte weiß, welche Kostüme besonders gefragt sind: "Spiderman, Feuerwehrmann, Indianer und Cowboy." Bis Karnevalssamstag hat das Outlet in der Bahnhofsstraße nachmittags von 15 bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Solange sind im Regal noch farbenfrohe Kurz- und Langhaarperücken ausgestellt und in einem anderen stapeln sich die Kopfbedeckungen - Hüte, Kronen und Diademe. Ich wähle eine Königskrone. "Ja, die ist schick", sagt Merle bestätigend. "Aber das reicht nicht." Ich schaue sie fragend an. "Da muss eine Stola dazu."

Für diese hat sich auch Lea entschieden - passend zum Kleid. Was ihr an Karneval besonders gefällt? "Dass sich alle verkleiden - das sieht schön aus." Jedes Jahr gehört der Kinderkarneval für die Achtjährige zum Pflichtprogramm. Ihre Mutter Jessica Spitzer berät sie dann in Kostümfragen.

Ich suche weiter. Vielleicht sollte ich doch auf Endrit und Cem hören. Letzterer möchte eine Scream-Maske aus dem gleichnamigen Gruselfilm und dazu Krallen an den Händen tragen. "Aber gefunden habe ich beides noch nicht", sagt der Zwölfjährige. Für mein Kostüm halte ich beide Accessoires nicht für ideal. "Warum nicht", fragt Cem, "ist doch auch was für Mädchen."

Ein paar Meter weiter betrachtet Anna versonnen ihr grünes Kostüm. Sieht ein wenig aus wie Kermit, der Frosch, denke ich mir. Aber auf Nachfrage werde ich eines Besseren belehrt. "Man, ich bin eine Waldfee, siehst du das denn nicht", fragt Anna vorwurfsvoll. Gedanklich verpasse ich mir eine Kopfnuss. "Entschuldige, das habe ich nicht sofort erkannt", sage ich. Ob sie einen Kostüm-Tipp für mich habe? Anna mustert mich von oben bis unten und kräht frech: "Nee, du bist ein hoffnungsloser Fall."

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