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Schloß Holte-Stukenbrock Fleißige Königskinder

10-Minuten-Reportage: Unterwegs mit den Stukenbrocker Sternsingern

Karin Prignitz
11.06.2015 | Stand 11.06.2015, 12:23 Uhr
Von Tür zu Tür: Horst Strughold (74) steckt etwas in die Sammelbüchse. Vorher hat er dem Lied gelauscht, dass die Heiligen Drei Könige Sandra

Strughold, Miriam Altemeier, Enie Thiele und Amelie Aschoff ihm gesungen haben. - © Karin Prignitz
Von Tür zu Tür: Horst Strughold (74) steckt etwas in die Sammelbüchse. Vorher hat er dem Lied gelauscht, dass die Heiligen Drei Könige Sandra
Strughold, Miriam Altemeier, Enie Thiele und Amelie Aschoff ihm gesungen haben. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Ihre Namen sind Kaspar, Melchior und Balthasar. Sie kommen aus dem Morgenland. So ist es überliefert. Jedes Jahr um den Dreikönigstag herum sehe ich die Weisen mit ihren bunten Umhängen, goldenen Kronen, dem Stern und der Sammelbüchse in der Hand von Haus zu Haus ziehen. Diesmal darf ich dabei sein und nach zehn Minuten hat die Gruppe, die ich begleite, vor allem eines: Meinen Respekt.

Immer wieder schickt der mit dunklen Wolken verhangene Himmel kräftige Regenschauer und einen ordentlichen Wind dazu. Eine Kapriolen-Kombination, bei der sich die meisten für die warmen, trockenen vier Wände entscheiden. Ich auch. Normalerweise. Schon auf der Fahrt nach Stukenbrock habe ich ein Stoßgebet hinaufgeschickt. „Bitte, bitte, lieber Wettergott, hab ein Einsehen mit den Kindern - und mit mir.“

Dass mein dringender Appell nur teilweise angekommen ist, merke ich schnell, denn schon fliegt die erste Krone vom Kopf, laufen Kinderfüße fix hinterher. Zehn Minuten, denke ich bei mir, das ist nichts im Vergleich zu dem, was Sandra Strughold (11), Miriam Altemeier (11), Amelie Aschoff (10), Enie Thiele (11) und die weiteren 36 Kinder beim Dreikönigssingen leisten. Aufgeteilt in Gruppen sind die Messdiener und Erstkommunionkinder in Stukenbrock unterwegs.

Ein langer Tag für die Kinder

Mit jeweils ein bis zwei Begleitern. Im Gegensatz zu meiner bescheiden kurzen Begleitzeit haben sie noch viele Stunden vor sich. Schon bestätigt Sandra: „Wir sind von morgens bis abends unterwegs.“ Ich bin schon deshalb schwer beeindruckt, weil ich weiß, dass alle Sternsinger, Begleiter und die Organisatoren der Leiterrunde, die im Pfarrheim ausgeklügelte Einsatzpläne und Straßenkarten an Wänden befestigt haben, bereits wesentlich früher auf denen Beinen waren als ich.

Um 8 Uhr haben sie mit Pfarrer Karl-Josef Auris, der die Kreide gesegnet hat, Aussendungsgottesdienst in der St.-Johannes-Baptis-Kirche gefeiert und sich dann sofort auf ihren langen Weg durch die Stukenbrocker Straßen gemacht. 15 Bezirke werden für den guten Zweck besucht, an jeder Tür wird geklingelt, immer wird gesungen „Wir kommen daher aus dem Morgenland. Wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen euch ein recht fröhliches Jahr. Kaspar, Melchior und Balthasar.“

Nach dem dritten Besuch singe ich den Text in Gedanken mit. Nächste Klingel, nächste Tür. „Hallo“, begrüßt der Hausherr die Königsrunde und lobt: „Ihr habt wunderbar gesungen.“ Finde ich auch. Wenn bloß das Wetter nicht stören würde. Die Könige sehen es gelassen. „Ein bisschen nass wird man immer, und Christian hat ja einen Schirm dabei.“ Christian Adolf deutet auf ein großes Exemplar. Er kennt sich aus. „Ich bin seit 13 Jahren dabei.“ Erst als König, später als Leiter. Als solcher ist er heute nicht nur dafür verantwortlich, zu begleiten und Regen abzuhalten, sondern auch dafür, die vielen Süßigkeiten zu tragen, die die Kinder geschenkt bekommen.

Kakao und Waffeln für zwischendurch

Ich gönne den kleinen Königen, die sich ordentlich warm angezogen haben, jede dieser kleinen Wohltaten. Die halten auch die Organisatoren bereit. In Bullis, die für die Stärkung zwischendurch mit warmem Kakao und Waffeln vorbeikommen. Natürlich wird vor allem in die Sammelbüchsen gespendet und der Segen an die Häuser geschrieben oder geklebt. „20* C+M+B+12“. Miriam weiß, warum die Buchstaben nicht für die Namen der Heiligen Drei Könige stehen. „Kaspar wird doch mit K geschrieben.“ Richtig heißt es „Christus mansionem benedicat“. Sandra übersetzt: „Christus segne dieses Haus.“

Immer schwieriger werde es, genügend Kinder zu finden, das hat mir Ansprechpartnerin Caroline Strughold bestätigt. „Wir kämpfen jedes Jahr, hatten schon mal 50.“ Je weniger, desto mehr Weg für die, die mitgehen. Umso größer ist meine Anerkennung für die fleißigen Königskinder. Die freuen sich zwischendurch auf ein Mittagessen bei Familie Altemeier. „Hoffentlich gibts Pudding.“

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