0

Schloß Holte-Stukenbrock Auf dem Feld fliegt der Mais

10-Minuten-Reportage: Maishäckseln und Stress bei der Ernte

Amina Vieth
10.06.2015 | Stand 10.06.2015, 13:13 Uhr
Ein Koloss auf Rädern: Noch näher kann NW-Volontärin Amina Vieth nicht ran an das Erntegeschehen. Vom Häcksler aus hat sie die beste Sicht auf das Feld. - © Gunther Held
Ein Koloss auf Rädern: Noch näher kann NW-Volontärin Amina Vieth nicht ran an das Erntegeschehen. Vom Häcksler aus hat sie die beste Sicht auf das Feld. | © Gunther Held

Schloß Holte-Stukenbrock. Ein Dröhnen in den Ohren. Staub vernebelt mir die Sicht. Feine Stücke von Maispflanzen fliegen umher. Es fällt mir schwer, einen festen Stand auf dem Häcksler zu bewahren - ich bin für zehn Minuten mitten in der Maisernte und erlebe zum ersten Mal selbst, wie stressig und anstrengend die Arbeit der Landwirte ist. Nicht weniger als der volle Einsatz aller Helfer ist gefragt.

Schon die Fahrt zum Maisfeld wird zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. In der Fahrerkabine des Traktors ruckelt und holpert es. Zumindest auf dem „Kindersitz“, wie der Platz für den Beifahrer scherzhaft genannt wird. Ein Vorgeschmack auf die Fahrt mit dem Häcksler. „Der Fahrer hat einen luftgefederten Sitz, das ist bequemer“, sagt Philipp Dresselhaus, der Fahrer des Treckers, lachend zu mir. Während ich mich kräftig mit den Füßen auf den Boden stemme und an den Türgriffen festhalte, fährt er entspannt über die Straßen. Doch Vorsicht ist geboten, vor allem auf schmalen Straßen und an Kreuzungen. „Man nimmt gegenseitig Rücksicht im Verkehr. Viele fahren auch automatisch zur Seite, weil das Fahrzeug so groß ist“, sagt Dresselhaus. Er hilft bei Landwirt Kipshagen aus, fährt den gehäckselten Mais vom Feld auf den Hof und wieder zurück, um die nächste Fuhre zu holen. Auf dem Hof silieren die Kipshagens den Mais. Vier weitere Trecker sind unterwegs für sie.

Nach wenigen Minuten erreichen wir das Feld und mein Abenteuer „Maisernte“ kann beginnen. Auf dem Häcksler sitzt Franz-Josef Hils. Geschwind steige ich die Treppe zur Fahrerkabine hinauf und bin beeindruckt von der Größe der Maschine. Noch nie habe ich auf einem Maishäcksler gestanden oder gesessen und noch nie von oben einen Blick auf die Felder geworfen.

Häcksler und Traktor müssen im gleichen Tempo fahren

Kaum habe ich mir sicheren Stand auf der Maschine verschafft habe, geht die Arbeit auch schon los. Sechs Reihen Maispflanzen werden gleichzeitig zügig in die Maschine gezogen und in feine, kleine Stücke zerkleinert. Neben dem Häcksler fährt ein Trecker mit Anhänger, der die Ladung während der Fahrt aufnimmt.

Keine einfache Arbeit für Traktor- und Häckslerfahrer. „Man muss viele Dinge gleichzeitig im Blick haben. Ich muss in den Reihen bleiben mit der Maschine, darauf achten, dass beide Fahrzeuge das gleiche Tempo haben und den Anhänger schön voll machen“, erklärt Hils. In der Fahrerkabine ist es leise und bequem.

Doch daneben laut und dreckig. Die Maschine wühlt Erde auf, und je voller der Anhänger wird, desto mehr gehäckselter Mais wirbelt umher. Schon innerhalb weniger Sekunden sehe auch ich aus, als stünde ich schon seit Stunden auf dem Häcksler. Eine Staubschicht mit Pflanzenresten bedecken mein Gesicht und meine Haare. Doch zur Schönheitspflege bleibt keine Zeit, denn es wird unter Druck gearbeitet. Je schneller die Ernte eingebracht ist, desto besser. „Die Maisernte gehört zu unseren Arbeitsspitzen“, sagt Jan Kipshagen, Sohn von Hofbesitzer Franz-Josef Kipshagen.

Maisernte - ein stressiger Job

Innerhalb von zwei Tagen soll alles abgeerntet und siliert werden. Im fliegenden Wechsel tauschen die Trecker neben dem Häcksler. Ein stressiger Job für alle Beteiligten.

Nach dem kurzen Einblick in die Maisernte und den Job als Landwirt, kann ich nur bestätigen, wie fordernd die Arbeit zur Maisernte ist - für alle Beteiligten. So kehre ich in die Redaktion zurück. Bevor ich durch die Tür trete muss ich mich doch erst noch schütteln, um Haar und Kleidung vom Schmutz zu befreien. Vom gröbsten jedensfalls.

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken