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Zu Beginn kann NW-Volontär Björn Prüßner noch lachen wie Physiotherapeut Roland Schroth. Ein paar Minuten später sieht das schon anders aus. - © Fotos: Johanna Lüdeke
Zu Beginn kann NW-Volontär Björn Prüßner noch lachen wie Physiotherapeut Roland Schroth. Ein paar Minuten später sieht das schon anders aus. | © Fotos: Johanna Lüdeke

SHS Strampeln für Frühlingsfitness

Zehn-Minuten-Reportage: Ausdauertest auf dem Ergometer

Björn Prüßner
23.03.2014 | Stand 24.08.2020, 17:00 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. "Wie fit fühlen Sie sich denn?" Dass diese Frage kommen würde, hätte mir klar sein müssen. Roland Schroth muss sie stellen, sie ist Teil der Vorbereitung auf den Fitnesstest, den der Physiotherapeut und Heilpraktiker mit mir absolviert. "Mittel", murmele ich. Bevor ich starten kann, bekomme ich einen Gurt um den Brustkorb. Der misst den Puls. Und damit geht es auch schon los.

Puls 90: Das zeigt der Gurt an, noch bevor ich auf dem Ergometer sitze. Nach den ersten warmen Tagen des Jahres hatte ich mir vorgenommen, demnächst eine Fahrradtagestour zu unternehmen. Den Winter über habe ich außer bei unregelmäßigen Auftritten beim Hallenfußball einer Hobbymannschaft kaum Sport getrieben. Der Schweinehund kam mir ein ums andere Mal als Blaupause der Ausrede von Sportmuffeln gelegen. Wie weit ich also von der Bewältigung einer Tour entfernt bin, soll mir Schroth nach dem Test auf dem Ergometer sagen. Dahin geht es jetzt.

Puls 105: Das stationäre Fahrrad steht in einem Nebenraum des Gesundheitszentrums Physio Balance. Meine Herzfrequenz übermittelt der Gurt direkt an das Trainingsgerät. "Ein ganz schöner Ruhepuls", sagt Schroth. Etwas hoch, meint er damit. "Die Aufregung", sage ich, tatsächlich etwas aufgeregt. Normalerweise hätte Schroth einen einstündigen Gesundheitscheck mit mir gemacht. Jetzt haben er und ich zehn Minuten. Ich steige aufs Rad.

Puls 110: Mit 50 Watt geht es los. "Kindergarten", sagt Schroth grinsend. 75 Umdrehungen soll ich konstant halten. Alle zwei Minuten wird die Wattzahl um 25 erhöht. Als Pulsobergrenze hat Schroth für meinen Test 170 Herzschläge pro Minute angesetzt. All das zeigt mir mein Trainingsgerät auf einem Bildschirm vor mir an. Mal sehen, wie schnell ich die erreiche, denke ich. Noch fällt mir das Treten leicht. Das Vertrauen in meine rudimentäre Fitness wächst. Dann sind zwei Minuten vorbei.

Puls 120: Ein leichter Schauer am Rücken signalisiert mir, dass ich mich jetzt mehr anstrengen muss, um die Umdrehungszahl zu halten. "Da sehen Sie schon, wie Ihr Puls nach oben geht", sagt Schroth und deutet auf den Bildschirm. Tatsächlich reichen die schwarzen Balken in dem Diagramm langsam, aber sicher an die Obergrenze heran. Ich versuche, mich zu beruhigen, mein Ehrgeiz erlaubt nicht, so früh schon so gestresst zu sein. Dann setzt mein Herz aus.

Puls 0: Das zeigt mir der Bildschirm an. Mein Pulsmesser am Körper ist verrutscht, darum kommen keine Daten mehr an. Das lässt sich leicht beheben, denke ich, und ziehe den Gurt wieder in Position. Durch die Ablenkung ist jetzt aber meine Umdrehungszahl auf 60 abgesackt. Dass ich jetzt, als gerade wieder die Wattzahl erhöht wird, stärker strampeln muss, lässt den Puls ansteigen.

Puls 170: Nach etwas mehr als zehn Minuten piepst das Ergometer. Ich bin an der vorgegebenen Leistungsgrenze angelangt und fühle mich auch so. "Jetzt beginnt der Cool-down", sagt Schroth. Sein Lächeln verrät, dass er mir trotz meiner bemüht stoischen Miene meine Anstrengung ansieht. Drei Minuten lang rolle ich sozusagen aus, dann darf ich vom Rad steigen. Meine Beine haben vom Ende des Tests augenscheinlich nichts mitbekommen und tragen mich fast wie von allein ins Trainerzimmer. Die Muskeln sind aufgewärmt.

Puls 85: Dort präsentiert er mir mein Testergebnis. Die höchst emotionsfreie Zahl "8" verrät mir, dass ich mich trotz ausgiebiger Weihnachtsschlemmerei und wenig Sport am oberen Ende des Bereichs "durchschnittlich fit" bewege. Alles oberhalb von "14" hätte mich als Leistungssportler ausgewiesen. Ab "10" wäre ich immerhin überdurchschnittlich fit. "Sie könnten mit regelmäßigem Training durchaus dahin kommen", sagt Schroth aufmunternd. Danke, ich bin schon froh, dass ich damit auf der geplanten Fahrradtour keine Schwierigkeiten bekommen sollte. Schroth gibt mir noch eine Fitnessweisheit mit auf den Weg. Und spätestens die macht mir klar, worum es beim Ausdauertraining tatsächlich geht: "Use it or lose it" – sinngemäß: Weitermachen, oder es hat alles nichts gebracht.

Information

Die Idee und die Reportage

Zehn Minuten, das sind 600 Sekunden – zehn Minuten, das ist die Zeit, die die Mitarbeiter der NW-Lokalredaktion Schloß Holte-Stukenbrock für diese Geschichte unterwegs sind. Die Idee dahinter: Der Autor verbringt 10 Minuten an einem bestimmten Ort hier in Schloß Holte-Stukenbrock und schreibt dann darüber.
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Einige 10-Minuten-Reportagen der Serie können Sie nachlesen im Internet unter: www.nw-news.de/shs

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