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Auf der Autobahnbrücke unterhalten sich zwei Männer (ob Schloß Holter oder Stukenbrocker war nicht zu ermitteln), während der NW-Volontär (rotes Fahrrad) weiter Richtung Schloß Holte fährt. - © FOTO: SIGURD GRINGEL
Auf der Autobahnbrücke unterhalten sich zwei Männer (ob Schloß Holter oder Stukenbrocker war nicht zu ermitteln), während der NW-Volontär (rotes Fahrrad) weiter Richtung Schloß Holte fährt. | © FOTO: SIGURD GRINGEL

SHS Identitätssuche auf dem Radweg

Zehn-Minuten-Reportage: Von Stukenbrock nach Schloß Holte mit dem Rad

Von Björn Prüßner
05.03.2014 , 05:00 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Mit dem Rad von Dorf zu Dorf: In der Lokalpolitik wird diese Idee gerade diskutiert. Radwege als verbindende Elemente? Als Identitätsstifter? Zu Hause habe ich es leicht: Bielefeld ist eine kreisfreie Stadt, die seit 800 Jahren gewachsen ist. Da verbindet vieles recht natürlich. Schloß Holte-Stukenbrock, der Name sagt es, erzählt eine andere Geschichte. Dörfer wurden Anfang der 70er-Jahre zur Stadt zusammengelegt. Die Autobahn führt mitten hindurch.

13.19 Uhr: Mit Blick auf den Turm der Kirche St. Johannes Baptist in Stukenbrock starten mein rotes Fahrrad und ich vom Parkplatz eines Geldinstituts in Richtung Schloß Holte. Bevor wir überhaupt auf die Holter Straße kommen, stellt sich das erste Hindernis in den Weg: Zwei versetzt stehende Metallgebilde lassen uns nicht weiter. Mit einiger Mühe zwängen wir uns hindurch. "Das geht ja gut los", denke ich. 1:0 für den Eindruck von Trennung anstatt Verbindung.
13.21 Uhr: Nach einem leichten Anstieg habe ich das Schützenheim links liegengelassen. Hier ziehen die Stukenbrocker Karnevalisten in der fünften Jahreszeit gerne mal die Nachbarn aus Schloß Holte durch den Kakao. "Alles nur Spaß, echten Groll gibt es da nicht", hat mir eine Kollegin versichert. In Schloß Holte laufe das anderes herum genauso. Als ich kurz darauf die Straße an einem nahe gelegenen Supermarkt kreuze, hat das Stadtgefühl ausgeglichen: 1:1.
13.23 Uhr: Fast hatte ich erwartet, an diesem Rosenmontag noch einem kostümierten Narren zu begegnen. Stattdessen radelt mir der erste Gegenverkehr entgegen. Ein Schüler fährt freihändig, Kopfhörer im Ohr, das Handy in der Hand. Ich halte meinen Lenker ein wenig fester, als der Junge mit entspannter Miene vorbei fährt. Er kommt wohl vom neuen Stadtkern, der anzuziehen scheint. 2:1 für das Verbundenheitsgefühl.
13.26 Uhr: Der Kreisverkehr am Rathaus, der größte "Gefahrenherd" auf meiner Strecke. Hier herrscht starker Verkehr, auch wegen der nahen Märkte. Der Radweg unterscheidet sich an einer Parkplatzausfahrt farblich kaum vom restlichen Gehweg. Im Dunkeln oder bei starkem Regen könnte ein Autofahrer durchaus übersehen, dass er hier auf Radfahrer achten muss. Dem Kreisverkehr selbst täten Zebrastreifen gut, dann müssten Autofahrer noch mehr Rücksicht nehmen. "Wenig städtisch", denke ich: 2:2.
13.27 Uhr: Auf der Autobahnbrücke kommt hingegen Stadtgefühl auf. Solche Anbindungen gibt es nicht überall. Andererseits trennt die Verkehrsader beinahe exakt die ehemaligen Dörfer. Trotzdem scheinen die Menschen den Überweg, der nach Schloß Holte führt, gutzuheißen. Viele Radfahrer begegnen mir, auch Mütter mit ihren Kindern im Kinderwagen. Zwei Kumpels unterhalten sich locker. 3:2 für die Verbindung.
13.29 Uhr: Am Ziel, der St.-Ursula-Kirche, bin ich außer Atem und trotz des Ergebnisses unentschlossen. Ob die Radverbindung das Zeug zur Identitätsstiftung oder Begründung eines "Stadtgefühls" hat, ist zweifelhaft. Sie steht dem allerdings auch nicht im Wege.

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