0

Schloß Holte-Stukenbrock Ich glaub’, er hackt!

Zehn-Minuten-Reportage: Holzmachen mit Muskelkraft für den Kamin

VON SIGURD GRINGEL
23.01.2014 , 12:18 Uhr
Ein Holzscheit will partout nicht zerspringen. Die Axt bleibt darin stecken. Ich muss die Axt umdrehen und mit dem Nacken auf den Klotz schlagen. Diesmal zählt der Schwung. - © FOTO: BIRGIT GUHLKE
Ein Holzscheit will partout nicht zerspringen. Die Axt bleibt darin stecken. Ich muss die Axt umdrehen und mit dem Nacken auf den Klotz schlagen. Diesmal zählt der Schwung. | © FOTO: BIRGIT GUHLKE

Schloß Holte-Stukenbrock. Er ist der Inbegriff der Gemütlichkeit: der Abend am Kamin. Sehen, wie die Flammen über dem Holz tanzen. Hören, wie sie Faser für Faser an den Scheiten nagen. Die echte Entspannung gibt es nur, wenn man zuvor dafür auch gearbeitet hat. Indem man sich das Holz noch selbst kleinhackt. Ich probiere es aus und will in zehn Minuten genügend Scheite für einen Abend am Kamin hacken.

Nur wo? Wer macht das denn heutzutage noch? Ich kenne es nur noch aus meiner Kindheit. Samstags hat der Vater mit der Axt Holz gemacht, bis er sich eine Kreissäge kaufte. Mir fällt Heribert Faupel vom Heimat- und Verkehrsverein ein. Wenn sich einer mit Brauchtum auskennt, dann er. In den Heimathäusern können Besucher eine Menge über die Geschichte der Senne und das bäuerliche Leben erfahren. Ein Anruf, Volltreffer. Heribert Faupel hackt noch selbst. Die Idee ist reif für die Vollendung. Ich hacke ihm eine Abendration.

Morgens, am Frühstückstisch, erzähle ich meiner Frau, was mein Arbeitstag so bringt. Viele Sachen findet sie spannend. Diesmal blickt sie mich skeptisch an. Wahrscheinlich denkt sie an mein handwerkliches Geschick und hat eine andere Vorstellung davon als ich. "Hau’ Dir bloß nicht in den Fuß," sagt sie zum Abschied. An diesen Satz denke ich, als mir Heribert Faupel rät, immer breitbeinig vor dem Hauklotz zu stehen. Doch dazu später.

Erst muss ich das Holz, das Heribert Faupel hinter der Mauer lagert und trocknet, kleinsägen. "Zwei bis drei Jahre muss es liegen", sagt er. Dann ist es trocken genug und hat einen Wassergehalt von weniger als 20 Prozent. Je geringer der Anteil, desto höher der Brennwert. Faupel durfte sich eine alte Buche aus dem Wald am Ölbach kleinsägen und nach Hause schaffen. Buche gilt als das klassische Kaminholz, Nadelholz enthält in der Regel mehr Harz. Harz bildet bei Hitze Blasen und kann spritzen. Die Stücke sind 50 bis 60 Zentimeter lang – zu lang für den Kamin. Sie müssen halbiert werden. Faupel weist mich in die Handhabung der Elektrosäge ein. Die Kette dürfe nicht zu locker sitzen. Ich zupfe daran. Straff genug. Und sie muss gut geschmiert sein. Faupel dreht den kleinen Öltank auf, blickt hinein und füllt Öl nach. Dann hält er den Block fest, während ich das Sägeblatt tief ins Holz drücke. Es leistet Widerstand. Von wegen wie Butter.

Nun aber an die Axt. Sie hat einen langen Stiel und ist alt. Ich vermute uralt. Sie ist seit Generationen im Familienbesitz, bestätigt Faupel. Trotzdem scheint sie einwandfrei zu sein. Der Kopf sitzt fest auf dem Schaft. Nur die Schneide ist ein wenig stumpf. Das prüfe ich, indem ich mit dem Daumen vorsichtig drüberstreiche. "Die muss ich mal wieder schärfen", meint Faupel. Die Spaltqualität mindere das nicht. Mein Blick fällt auf den Hauklotz am Boden. Das soll ein Klotz sein? Das Ding sieht aus wie die Reste eines Klotzes. Es ist verwittert. Unzählige Spuren von Axthieben und Sägekerben. Fast die Hälfte des Klotzes ist im Lauf der Jahre abgesprengt. "Er tut’s aber noch", verspricht Faupel. Wie viele Bäume mag er auf diesem Klotz wohl gespalten haben? Faupel stellt ein Scheit auf den Klotz, sich breitbeinig davor, schwingt die Axt und haut zu. Das Holzscheit zerspringt in zwei Teile. So einfach?

Faupel drückt mir die Axt in die Hand. "Hauptsache, Du stehst breitbeinig", sagt er und erzählt die Geschichte, wie früher ebenfalls ein Laie diesen Rat missachtet hatte. Die Axt rutschte ab und landete neben dem großen Zeh im Fuß. "Der Zeh war aber noch dran", sagt Faupel. Ich schaue an mir herab auf meine dünnen Turnschühchen und denke an meine Frau.

Ein Blick auf die Uhr. Die zehn Minuten beginnen. Eine ganze Schubkarre voll Holz hat mir Heribert Faupel hingestellt. Instinktiv greife ich die Axt richtig. Die rechte Hand hält den Stielknauf fest, die linke stabilisiert die Axt in der Mitte. Der Stiel ist glatt, fühlt sich beinahe nicht wie Holz an.

Der erste Schlag ist noch zögerlich. Aber er trifft. Die Axt bleibt im Scheit stecken. Wiederholung. Ich hole aus – das Scheit springt in zwei Teile. Es mag seltsam klingen, aber ein Gefühl der Freude erfasst mich. So ähnlich ergeht es dem Heimwerker mit den angeblich zwei linken Händen. Am Ende zählt das Resultat. Ich merke, dass es weniger auf das Ausholen und die Wucht ankommt als auf die Genauigkeit. Noch ein Treffer. Die Schubkarre leert sich. Schließlich spalte ich Scheit um Scheit. Eins bleibt hartnäckig – und die Axt stecken. Rausziehen unmöglich. Selbst König Artus hätte hier Probleme bekommen. "Die Axt umdrehen und mit dem Nacken auf den Klotz schlagen", sagt Faupel. Jetzt klappt es. Es ist kalt, doch im komme ins Schwitzen. Der Ehrgeiz packt mich, jetzt alles kurz und klein zu hacken. Aber die zehn Minuten sind rum, die Hälfte der Karre fertig. Für ein paar Stunden Feuer soll das wohl reichen.

Mehr zum Thema

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.