Die Bahnhofstraße ist bei Starkregen meist überflutet - © Jonas Damme
Die Bahnhofstraße ist bei Starkregen meist überflutet | © Jonas Damme

Steinhagen Steinhagen kämpft gegen die Überflutung

Jonas Damme

Steinhagen. Zwei Mal ist Steinhagen allein in den vergangenen Wochen "abgesoffen". Plötzliche Regenfälle lassen Kanäle anschwellen, jahrzehntealte Rückhaltebecken sind den Wassermassen nicht gewachsen. Die Folge: Die niedrig liegende Kreuzung Bahnhofstraße/ Am Pulverbach verwandelt sich kurzfristig in einen See. Dem Hilterweg, der Langen Straße und einigen anderen geht es ähnlich. Diese Überflutungen waren nicht nur für die über 20 Haushalte ärgerlich, denen die Feuerwehr vor zwei Wochen den Keller leerpumpen musste. Dramatisch ist vor allem, dass die Fluten nicht aus Regenwasser bestehen, sondern aus Mischwasser. Es befinden sich also auch Fäkalien und alles andere, was sonst noch in die Toilette wandert, darin. „Solches Mischwasser tritt mittlerweile, zum Beispiel am Hilterweg, unkontrolliert zu Tage", erklärt Bürgermeister Klaus Besser. Dort hatte der letzte Starkregen sogar die Gullydeckel aus der Verankerung gehoben. Dass das Kanalsystem den Anforderungen nicht gewachsen ist, liegt daran, dass Starkregenereignisse, wie sie mittlerweile regelmäßig auftreten, früher sehr selten waren. „Bis in die 70er Jahre wurden Mischwasserkanäle gebaut", so Besser. „Solche Wetterereignisse kamen damals noch selten vor." Wenn nun aber nun, wie zuletzt, innerhalb von 15 Minuten 25 Millimeter Niederschlag fallen, dann ist jedes Auffangsystem überfordert. Gemeinde will Schutzmechanismen verbessern Das nimmt die Gemeinde zum Anlass, ihre Schutzmechanismen zu verbessern. „Für das Amshausenener Neubaugebiet wird Beispielsweise ein Staukanal unterhalb der landwirtschaftlichen Flächen verlegt", so Besser. Der Kanal hat im größten Teil einen Durchmesser von 160 Zentimetern, über weite Strecken ist er immer noch 140 Zentimeter breit. Er kann also etliche Kubikmeter auffangen, die bei Starkregen innerhalb kürzester Zeit zusätzlich zum normalen Abwasser über Dachflächen und Gullys ins Kanalnetz laufen. Natürlich ist so eine Maßnahme teuer. Insgesamt rechnet die Gemeinde mit Baukosten von 800.000 Euro für den Kanalbau. Außerdem wird das dort bereits vorhandene Rückhaltebecken deutlich ausgebaut. Auch darüber hinaus fordert Klaus Besser einen Aktionsplan, dessen Ziel es ist, zusätzliche Becken zu bauen und Schmutzwasser und Regen besser zu trennen. „Man wird sich alle Becken ansehen müssen", so Besser. An vielen Stellen der Gemeinde gibt es bereits oberirdische und unterirdische Retentionsbecken. Rückhaltebecken laufen reihenweise über Auch die Rückhaltebecken sind den plötzlichen Wassermassen oft nicht mehr gewachsen. „Viele laufen über", so der Bürgermeister. „Dadurch steigt dann der Wasserspiegel rapide. Außerdem haben wir Abwasser und Schadstoffe in Gräben und Bächen. Das belastet sie erheblich." Nach einer Flut aus verunreinigtem Wasser brauchen Flora und Fauna einige Zeit, um sich zu erholen. Auf den ersten Blick erledigt sich das Hochwasser meist innerhalb von Stunden. Verschwunden ist es dann aber nicht: Das Mischwasser folgt den Bachläufen und ergießt sich schließlich in die Ems. Aus dem Fluss ziehen viele Anliegerkommunen ihr Trinkwasser. Durch die Verunreinigung mit Fäkalien könnten sich schlimmstenfalls sogar Kolibakterien ausbreiten. Vollständig lösen ließen sich die Probleme nur mit extrem groß dimensionierten Rückhaltebecken oder einem getrennten Kanalsystem für Schmutz- und Regenwasser. Da aber die meisten Steinhagener Häuser ihr Abwasser gemischt einleiten, müssten dafür unzählige Einfahrten aufgerissen werden. Ein aussichtslos wirkendes Unterfangen. Sich des Problems nicht anzunehmen, könnte allerdings noch teurer werden, weiß Besser: „Immerhin bedroht das Hochwasser erhebliche Vermögenswerte."

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