SHS Rote Fahne ersetzt Kreuz

CDU-Landtagsabgeordneter Kuper empört über "Einigung hinter den Kulissen"

VON SABINE KUBENDORFF

Schloß Holte-Stukenbrock. Beinahe heimlich, still und leise ist offenbar eine Entscheidung gefallen in einer viele Jahre lang heiß diskutierten Angelegenheit. Sie treibt dem CDU-Landtagsabgeordneten André Kuper die Zornesröte ins Gesicht.

Das orthodoxe Kreuz auf der Spitze des Obelisken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne wird durch eine rote Fahne aus Glas ersetzt, allerdings ohne die kommunistischen Symbole, Hammer und Sichel. Diesen Rückschluss zieht Kuper nach einem "Geheimtreffen" im Bauministerium am Donnerstag in Düsseldorf. "Hinter den Kulissen ist es offenbar zu einer Einigung gekommen", sagt er und kritisiert massiv, dass damit über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden worden ist. "Es ist mir absolut unverständlich, wieso immer noch die Menschen vor Ort nicht mit in die Entscheidung einbezogen werden", schimpft er. "Sie müssen später im Alltag zu Hause mit den Folgen leben, nicht die Vertreter der russischen Föderation oder der orthodoxen Kirche." Weder Vertreter der Stadt noch der Dokumentationsstätte, die sich intensiv mit der Geschichte des Friedhofs für (überwiegend) sowjetische Kriegsgefangene beschäftigt, waren in der Frage "Kreuz oder Fahne" gehört worden. Die Landesregierung spreche doch sonst immer davon, dass sie die Menschen einbinden wolle. Statt dessen "erfahren wir nur aus der Presse", sagt Kuper und meint die Neue Westfälische, "dass es überhaupt zu einem Treffen der Landesregierung mit Kirche und russischem Staat gekommen ist."

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Pro und kontra

Der russische Generalkonsul Jewgenij Schmagin erklärt, warum seiner Ansicht nach die rote Fahne auf die Spitze des Obelisken muss: "Die Russen sehen die Fahne, die nach der Befreiung Berlins über dem Reichstag wehte, als ein Symbol für das Ende des Krieges, für die Befreiung vom Nazi-Terror. Die Fahne ist ein Synonym für den morgigen Tag."

Historiker Oliver Nickel von der Dokumentationsstätte Stalag 326 sagt, viele Angehörige der auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof Beerdigten "wollen die rote Fahne nicht zurückhaben". Er zitiert sie so: "Unsere Angehörigen sind nicht für Stalin in den Tod gegangen."

Erzbischof Longin von Klin, Vertreter der Botschaft der russischen Föderation und des Generalkonsulats der russischen Föderation, Peter Bülter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie Vertreter der Bezirksregierung Detmold, der Staatskanzlei und des Bauministeriums hatten den Entwurf von Pater Abraham von der Schmiede der Abtei Königsmünster angeschaut: drei etwa 2,5 Meter hohe Kreuze aus Edelstahl, die neben dem Obelisken aufgestellt werden sollen. Dem Erzbischof gefiel aber nicht, was er sah. Der stellvertretende Pressesprecher des Ministeriums, Maik Grimmeck, schildert in Stichwörtern, was sich Longin von Klin wünscht: "Plastische Form, hell, schlicht orthodox, leichte Materialität." Über die rote Fahne sei bei dem Treffen nicht gesprochen worden.

Generalkonsul Jewgenij Schmagin hatte sich bereits Ende Juni des vergangenen Jahres bei einem Besuch im Rathaus von Schloß Holte-Stukenbrock verplaudert: "Der Kompromiss sieht vor, dass der Obelisk in den Ursprungszustand versetzt wird, also mit der Fahne aus Glas. Ihm gegenüber werden drei orthodoxe Kreuze errichtet." Zwar wurde seither – zuletzt von der Staatskanzlei – immer wieder dementiert, dass eine Entscheidung gefallen sei. Nun wird aber offenbar genau das umgesetzt, was Schmagin geschildert hatte.

Es geht nur noch darum, dass die Kreuzgruppe dem Erzbischof auch gefällt. "Die Gesprächsteilnehmer vereinbarten den Entwurf eines neuen Modells, das die gestalterischen Wünsche des Kirchenvertreters aufgreifen soll", sagt Pressesprecher Grimmeck. Das neue Modell wird voraussichtlich Anfang 2014 vorgestellt.

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