SHS Auch Pferde tragen Schuhe

Hufpflegerin gibt auf Stiftung "Hof Brechmann" Theorie- und Praxisseminar

Julia Schneider (r.) zeigt den Seminarteilnehmern die Anatomie des Pferdehufs. Kathrin Willig, Ricarda Dill, Alexander Topp, Tanja-Leona Meyer und Nicole Buschherm (v. l.) schauen gespannt zu. - © FOTO: CHRISTIAN STOLZ
Julia Schneider (r.) zeigt den Seminarteilnehmern die Anatomie des Pferdehufs. Kathrin Willig, Ricarda Dill, Alexander Topp, Tanja-Leona Meyer und Nicole Buschherm (v. l.) schauen gespannt zu. | © FOTO: CHRISTIAN STOLZ

Schloß Holte-Stukenbrock. "Viele Leute haben Angst davor, ihrem Pferd die Eisen abzunehmen", sagt Ricarda Dill, Teammitglied im "Seminarzentrum für Tiergesundheit OWL". Dass die Eisen aber die Bewegungsfreiheit der Pferde behindern, und wie man die hufeisenlosen "Barhufe" richtig pflegt – das lernen die zehn Teilnehmer des "Hufseminares". "Ohne Huf kein Pferd" lautet das Motto – denn die Adern in den Pferdehufen unterstützen sogar die Herztätigkeit.

"Dass Pferde ohne Eisen gehen, war bis vor zehn Jahren sehr verpönt", erklärt Ricarda Dill. Deshalb ist beim "Hufseminar" nirgendswo ein Hufeisen zu sehen. Die ausgebildete Hufpflegerin und Jurastudentin Julia Schneider erklärt den Besuchern zuerst in der Theorie alles Wichtige rund um die Hufanatomie und deren Funktion und Bedeutung, Strahlfurchen und Sohlenwölbung sowie Hufprobleme und Krankheiten. Da lernen die Teilnehmer, dass die Hufe aus der außen sichtbaren Hufwand und dem dreieckigen Strahl in der Sohle mit der Strahlfurche besteht. Durch eine fehlende Sohlenwölbung könnten Pferde auch Plattfüße haben.

In der Praxisphase prüft die Dozentin am Pferd Pepita mit einem Lot, ob die Beine in einer gesunden senkrechten Position stehen. "Naturgemäß ist bei ihr die äußere Wand der Hufe belastet. Fohlen stehen oft Charlie Chaplin-mäßig nach außen gedreht", erklärt Julia Schneider. Beim Tragen eines Pferdeschuhs verwachse sich das. Auch für Ausritte gibt es spezielle Hufschuhe, wenn das Pferd "fühlig" ist und beispielsweise auf steinigem Boden läuft, erklärt Ricarda Dill. Mit einer Drahtbürste putzt Julia Schneider eine Sohle und sagt: "Der äußere Wandbereich der Hufe schützt noch die Sohle." Neues Horn wachse bei Abnutzung auch nach. "Minimale Trachtenfußung vorne links. Die Trachte kommt vor dem Zeh auf", diagnostiziert Schneider, als Pepita ein paar Schritte läuft. Wichtig sei, dass die Hufe nicht von außen nach innen kippeln oder umgekehrt. Seminarzentrums-Mitarbeiterin Christin Trede meint zu Pferd Pepita: "Ein gemütliches Exemplar, das wird nie eine Stimmungskanone."

"Eisenhufe können notwendig sein, sind aber nur die zweitbeste Lösung. Die Teilnehmer sollen lernen, wie sie die Hufe bearbeiten können", sagt Ricarda Dill. "Der Huf ist ein lebendiges Wesen. Julia Schneider kann Hufe schneiden und formen", erklärt sie. Dennoch können Krankheiten wie die gefürchtete "Hufrehe", bei der sich das Pferd nicht mehr bewegen kann, durch Überfütterung oder falsche Haltung entstehen. Auch Strahlfäule oder Strahlpilze sowie Spannungsrisse und Geschwüre sind möglich, wie Julia Schneider an Bildern zeigt.

Teilnehmerin Monika Lawler: "Mein Pferd hatte Hufrehe. Der Tierarzt sagte, da müsse Beschlag dran. Einiges an den Hufen mache ich jetzt selbst. Ich möchte hier in den Austausch kommen", sagt sie. Theorie und Praxisanschauung werde gut verbunden. Sie sagt überzeugt: "Es ist viel Inhalt in kurzer Zeit und es könnte auch drei Tage dauern. Das Wissen entwickelt sich."

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