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Schloß Holte-Stukenbrock Schlichtung nicht in Sicht

Kreuz oder Fahne auf dem Ehrenfriedhof: Bundespräsidialamt erklärt sich nicht zuständig

VON GUNTER HELD
03.01.2013 | Stand 03.01.2013, 10:26 Uhr
Der gebürtige Schloß Holte-Stukenbrocker Europapolitiker Elmar Brok neben einer privaten Gedenktafel, die neben einem der 36 Gedenksteine platziert wurde. Es ist in kyrillischer Schrift verfasst. Deutlich ist aber das Kreuz zu erkennen. Für Brok ein Hinweis auf die Wünsche der Nachkommen.
Der gebürtige Schloß Holte-Stukenbrocker Europapolitiker Elmar Brok neben einer privaten Gedenktafel, die neben einem der 36 Gedenksteine platziert wurde. Es ist in kyrillischer Schrift verfasst. Deutlich ist aber das Kreuz zu erkennen. Für Brok ein Hinweis auf die Wünsche der Nachkommen.

Schloß Holte-Stukenbrock. Zufriedenheit sieht anders aus. Im August hatten der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Klaus Dirks, der Europa-Parlamentarier Elmar Brok, der Landtagsabgeordnete André Kuper sowie der CDU-Bundesparlamentarier Carsten Linnemann und Bürgermeister Hubert Erichlandwehr einen Brief an Bundespräsidenten Joachim Gauck geschrieben. Darin baten sie um Schlichtung in der Frage, ob das orthodoxe Kreuz oder die Sowjetfahne den Obelisken auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof schmücken soll. Die CDU favorisiert in der emotional aufgeheizten Diskussion das Kreuz.

In einem Antwortschreiben des Bundespräsidialamtes wird jetzt jedoch lediglich darauf verwiesen, dass Denkmalschutz Ländersache wäre und damit der Bundespräsident nicht zuständig sei. "Wir hätten uns natürlich eine Stellungnahme gewünscht", sagt Dirks.

Der gebürtige Schloß Holte-Stukenbrocker Elmar Brok macht kopfschüttelnd seinem Ärger Luft: "Ich kann nicht verstehen, wie man für die Anbringung der roten Fahne sein kann. Diese Fahne symbolisiert ein totalitäres Regime. Das wäre, als würde man argumentieren: Weil deutsche Soldaten unter nationalsozialistischem Befehl gefallen sind, sollte über ihren Gräbern die Nazifahne wehen."

Klaus Dirks ergänzt: "Kreuz oder Fahne – das ist keine Petitesse. Wir wollen keine Symbole totalitärer Systeme." Brok erinnerte auch an den Besuch Hannelore Kohls und Raissa Gorbatschowas 1991, wo niemand die Errichtung der roten Fahne gefordert habe. "Ich habe vor drei Wochen mit Michail Gorbatschow gesprochen und er hat ganz klar geäußert: Die Sowjetunion darf nicht wieder erstehen." Brok ist seit langen Jahren Abgeordneter im Europaparlament, "auch schon zu Zeiten des Kalten Krieges". Damals habe er gewusst: "Wir stehen auf der richtigen Seite." Heute sagt er: "Die, die gegen die Fahne Stalins sind, sind die Vertreter der Freiheit. Auch wer im Zeichen des Sozialismus Menschen umbringt, ist ein Mörder." Und er wendet sich gegen das Argument, dass die rote Fahne das Symbol der Arbeiterbewegung sei. "Das ist eben nicht die Fahne August Bebels. Das ist die Fahne Stalins, die Fahne des Gulags, in dem 20 Millionen Menschen umgekommen sind."

Information
Symbole

36 Gedenksteine erinnern an 36 Massengräber. Auf jedem Gedenkstein prangt ein Sowjetstern.

Im Stalag 326 sind von 1941 bis 1945 65.000 Kriegsgefangene umgekommen.

Auf dem Obelisken sind Sowjetsterne sowie Zeichen der Sowjetarmee angebracht.

Die Entscheidung, ob Kreuz oder Fahne, wird jetzt von der Landesregierung erwartet. Sie ist für Denkmäler zuständig.

Später auf dem Ehrenfriedhof sieht er neben einem der Gedenksteine, die alle einen Sowjetstern in der Spitze haben, eine private Gedenktafel. Über den Namen des Toten ist das orthodoxe Kreuz in die schwarze Marmortafel graviert. "Das ist zwar kein Beweis aber ein Indiz dafür, dass die Nachkommen ihre Verstorbenen nicht unter der Fahne geehrt wissen möchten."

Die CDU will zunächst abwarten. "Wir machen unseren nächsten Schritt davon abhängig, was passiert. Jetzt sind erst einmal andere am Zug", sagt Dirks. Er hofft aber, dass in die Entscheidung auch Schloß Holte-Stukenbrock einbezogen wird. Schließlich gebe es hier den Verein Dokumentationsstätte Stalag 326, dessen Mitglieder sich ehrenamtlich an der Erinnerungskultur beteiligen und gute Arbeit leisten.

Dass diese Arbeit finanziell unterstützt werden muss, vertritt auch die CDU. Seit drei Jahren gibt es zusätzlich zu bereits geleisteter projektbezogener Förderung auch eine Grundförderung. Die Stadt stellt für 2013 einen Betrag in Höhe von 2.500 Euro zu Verfügung. Vom Kreis kommt derselbe Betrag noch einmal dazu. Voraussichtlich im April wird die Landesregierung über eine weitere Förderung entscheiden. Brok resümiert: "Für mich ist der gemeinsame Kampf gegen Totalitarismus eine Brücke für alle Parteien."

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