Oliver Nickel (l.) und seine Mitstreiter von der Dokumentationsstätte dirigieren die Marketing-Kollegen der Synaxon AG, die vier Stunden lang zupacken. - © FOTOS: SABINE KUBENDORFF
Oliver Nickel (l.) und seine Mitstreiter von der Dokumentationsstätte dirigieren die Marketing-Kollegen der Synaxon AG, die vier Stunden lang zupacken. | © FOTOS: SABINE KUBENDORFF

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK "Für uns sind sie Gold wert"

Synaxon-Mitarbeiter helfen beim Umzug der Dokumentationsstätte

VON SABINE KUBENDORFF

Schloß Holte-Stukenbrock. Benjamin Thiessen hat schwer zu schleppen an dem zusammengerollten Pavillon aus Zeltstoff, und jetzt soll er auch noch bitte innehalten und lächeln fürs Foto. Puh. Diese Arbeit ist in jeder Hinsicht so ganz anders als das, was er gewöhnlich macht.

Thiessen arbeitet eigentlich in der Marketing-Abteilung der Synaxon AG. Aber an diesem Tag sind diese Büros im Firmengebäude an der Falkenstraße verwaist. Alle elf Mitarbeiter packen mit an beim Umzug der Dokumentationsstätte Stalag 326, die renovierte Räume, 250 Metern Luftlinie entfernt vom Ausstellungsgebäude, beziehen kann. Ein Lager und ein kleiner Seminarraum werden bestückt.

Hendrik Schütte ist Leiter der Marketing-Abteilung und packt auch kräftig mit an. "Wir wollen unseren Leitwert mit Leben erfüllen", sagt er. "Wow! Du bist, was zählt." – so heißt dieser Leitwert, der einer von sieben ist, die das Unternehmensleitbild ergeben. Das wurde in den vergangenen Monaten von den Mitarbeitern erarbeitet. Und den Marketing-Kollegen war nun wichtig, ihren Leitwert durch eine gemeinnützige Arbeit umzusetzen.

Dass die Wahl auf die Dokumentationsstätte fiel, in der die Geschehnisse in dem Kriegsgefangenenlager zwischen 1941 und 1945 aufgearbeitet werden, empfindet Larissa Velte als Glücksfall. "Unglaublich!" Sie kann kaum fassen, was da quasi vor ihrer Haustür passiert und ihr noch nie zu Ohren gekommen ist. Für sie und ihre Kollegin Annika Eweler steht fest, dass sie auf jeden Fall im firmeninternen Blogg darüber berichten und eine Führung durch die Dokumentationsstätte empfehlen werden.

Andreas Kuckuck, Daniel Kaminski, Azubi Caner Basglo und Patrick Kornetzke be- und entladen den Leihsprinter immer wieder. Oliver Nickel, Leiter der Dokumentationsstätte, und seine Mitarbeiter weisen sie an, was wohin soll. "Für uns sind sie Gold wert", sagt er, denn für das kleine Team, das auch in die Jahre gekommen ist, wäre der Umzug nicht zu stemmen gewesen. Es war schon hart genug vor einem halben Jahr, eine zum Abriss freigegebene Baracke mit zwei großen Seminar- und vier Lagerräumen zu räumen und das gesamte Material und Mobiliar im Ausstellungsgebäude irgendwie unterzubringen. Und damals hatte es nur eine vage Aussicht auf Ersatzräume gegeben. Dass sich jetzt alles zum Guten gewendet hat, lässt Oliver Nickel glücklich lächeln.

Zur Verfügung steht in der ehemaligen Entlausung aus Stalag-Zeiten demnächst auch ein dritter, größerer Seminarraum. Den kleinen braucht Nickel schon am kommenden Wochenende. Dann kommen nämlich 18 Jugendliche aus Weißrussland, Bosnien und Deutschland für insgesamt vier Tage, um sich in die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers zu vertiefen.

Besuch bekommt die Dokumentationsstätte demnächst auch von Archäologen. Es waren wohl mehrere hundert Schuhe, die in einer Abfallgrube auf dem Gelände der Polizeischule, wo gerade gebaut wird, im April vergangenen Jahres gefunden worden sind. Die wollen sich die Archäologen nun einmal ansehen. Dank Jeanette Tischbirek, Janina Bolley und Nadine Waninger ist das auch möglich. Die drei jungen Synaxon-Damen fischen sie in akribischer Kleinarbeit aus etwa 3 Kubikmetern Erde heraus.

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