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Landrat Sven-Georg Adenauer verdeutlicht , was ihm besonders am Herzen liegt. - © FOTOS: HENRIK MARTINSCHLEDDE
Landrat Sven-Georg Adenauer verdeutlicht , was ihm besonders am Herzen liegt. | © FOTOS: HENRIK MARTINSCHLEDDE

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK "Bei den Schulen droht Kannibalisierung"

SOMMERINTERVIEW: Landrat Sven-Georg Adenauer über Bildungspolitik, Sicherheit und den 1. FC Köln

23.07.2012 | Stand 22.07.2012, 21:17 Uhr

Wie groß ist die Enttäuschung über die erste ernüchternde Zwischenbilanz nach der Übernahme des Jobcenters GTaktiv in die Regie des Kreises? Sie haben sich Anfang des Jahres 2012 viel vorgenommen.
ADENAUER: Es war vielleicht ein Fehler, sich derart ehrgeizige Ziele zu setzen. Aber man darf nicht vergessen, dass es immer eine gewisse Zahl an Personen gibt, die nicht vermittelbar sind. Und es ist knallharte Arbeit, die ohnehin schon geringe Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent auf 3 Prozent zu drücken. Von daher bin ich weit davon entfernt, den Stab über meine Mitarbeiter zu brechen. Nach einem Jahr wird man andere Zahlen sehen.

Außerordentlich viel Bewegung ist derzeit in der Schullandschaft. Was halten Sie von der Gründung gleich mehrerer Gesamtschulen im Kreis?
ADENAUER: Wenn jede Stadt jede Schulform vorhalten will, droht eine Art Kannibalisierung, weil der eine dem anderen die Schüler abzieht. Das Problem stellt sich insbesondere für die bestehende Kreisgesamtschule mit den Standorten Borgholzhausen und Werther. Bedrohlich könnte es auch für das Kreisgymnasium und das Berufskolleg in Halle werden. Wir sind in Gesprächen mit den umliegenden Kommunen. Nur hat es leider den Anschein, als wollte der eine oder andere Bürgermeister zu diesem wichtigen Thema keinen Dialog.

Finden Sie es nicht erstaunlich, wie selbstverständlich in CDU-Hochburgen des Kreises über den Aufbau von Gesamtschulen diskutiert wird?
ADENAUER: Darüber bin ich auch überrascht. Vor einigen Jahren waren Gesamtschulen aus CDU-Sicht noch Teufelszeug. Mit persönlich ging es nicht anders. Und ich bin noch immer skeptisch.
Für einige Aufregung, vor allem im Süden des Kreises, sorgt das Thema "Fracking". Sehen Sie die Methode, Erdgas mit Hilfe von chemischen Stoffen zu fördern, auch kritisch?
ADENAUER: Wenn es unser Ziel ist, möglich energieautark zu sein, dann müssen wir herausfinden, was im Boden unter uns an Nutzbarem schlummert. Und wenn es Möglichkeiten gibt, beispielsweise Gasvorkommen gefahrenfrei zu fördern, sollte man sich dem nicht von vornherein verschließen. Uns fehlen aber noch Hintergrundinformationen, um das beurteilen zu können. Daher wird der Kreis demnächst ein Expertenhearing zu diesem Thema organisieren.

Wie beurteilen Sie die Stellung des Kreises Gütersloh in der Bevölkerung?
ADENAUER: Keine Frage, für viele ist der Kreis weiter weg als die eigene Kommune. Aber nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Themen, die die Bürger unmittelbar betreffen. Das reicht von der Kfz-Zulassung über die Kreisstraßen, Kindergärten bis hin zum Thema Hartz IV. Ich persönlich und auch der Kreistag wünschen uns daher mitunter etwas mehr Interesse an der Kreispolitik.

Und wie steht der Kreis Gütersloh in der Region OWL da?
ADENAUER: Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur als reicher Kreis wahrgenommen werden, der mehr einzahlt in die Solidargemeinschaft als andere. Aktuelles Beispiel ist die Finanzierung der Nordwestdeutschen Philharmonie. Ich halte sie für wichtig. Aber sie muss als erstes einen neuen Namen bekommen, schließlich denkt man jetzt eher an Bremen oder Quakenbrück, aber nicht an Gütersloh oder Herford. Und sie muss deutlich präsenter sein in der Region als bisher.

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