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Die Bürger in Stukenbrock-Senne feiern den Baubeginn des Fuß- und Radweges Hövelrieger Straße. Hermann-Josef Brummelte (roter Pullover), Felix Hachmann (6) und Peter Gohla würden am liebsten schon losradeln, genau wie Marleen Brock (8) und Charlotte Hachmann (7; vorne, v.l.), die sich schon auf einen sicheren Schulweg freuen. - © FOTO: MIRIAM SCHARLIBBE
Die Bürger in Stukenbrock-Senne feiern den Baubeginn des Fuß- und Radweges Hövelrieger Straße. Hermann-Josef Brummelte (roter Pullover), Felix Hachmann (6) und Peter Gohla würden am liebsten schon losradeln, genau wie Marleen Brock (8) und Charlotte Hachmann (7; vorne, v.l.), die sich schon auf einen sicheren Schulweg freuen. | © FOTO: MIRIAM SCHARLIBBE

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK Senner sitzen fest im Sattel

Baubeginn des Bürgerradweges / Fertigstellung für Oktober 2012 geplant

VON MIRIAM SCHARLIBBE
16.04.2012

Schloß Holte-Stukenbrock. Charlotte ist drei Jahre alt. Über Hausaufgaben und Klassenarbeiten braucht sie sich noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Ihre Eltern denken aber schon weiter. Die Furlbachschule in Hövelriege wäre eine gute Wahl, und schnell mit dem Fahrrad zu erreichen. Damit ihr Kind auch sicher ankommt, bauen Farina Schmidt-Degenhard und ihr Mann Moritz schon heute am Bürgerradweg mit, der bis zum Herbst entlang der Hövelrieger Straße entstehen soll.

Moritz Degenhard kennt die derzeit noch recht gefährliche Strecke gut, die eines Tages Charlottes Schulweg sein soll. Der 29-Jährige Familienvater fährt jeden Tag mit dem Fahrrad von Stukenbrock-Senne zum Bahnhof in Hövelriege, um von dort mit dem Zug nach Bielefeld zur Universität zu gelangen. Er fährt auf der Hövelrieger Straße, das ist eine idyllische Strecke durch den Wald – wären da nicht die schnellen Autos und breiten Lastkraftwagen, die für die Radler gefährlich werden können, da es dort keinen Radweg gibt.

Information

Chronik eines Radweges

Bereits seit mehr als 30 Jahren existiert die Idee eines Radweges entlang der Hövelrieger Straße. Der verstorbene Gerhard Schniedermann hatte als CDU-Ratsherr jahrzehntelang vergeblich für das Projekt gekämpft.

Jetzt ist der Radweg Teil des Dorfentwicklungsplans "Stukenbrock-Senne hat Zukunft". Die Projektgruppe "Bürgerradweg Hövelrieger Straße", bestehend aus Hermann-Josef Brummelte, Josef Austermeier, Günter Brock, Andreas Hachmann, Karl-Heinz Kleinemeier, Klaus Schniedermann und Karl-Heinz Wulf, koordiniert die Realisierung.

Dafür haben sie im Februar 2011 eine Unterschriftenaktion gemacht, bei der sich 71 Personen bereit erklärten, Eigenleistungen zu übernehmen, die wichtige Voraussetzung für die Förderung des Landesprogramms Bürgerradwege. Durch das Engagement der Bürger ist der Antrag für den Radweg in Stukenbrock-Senne auf der Landesliste nach oben gerutscht und bewilligt worden. Bis Mitte Mai sollen jetzt die Vorarbeiten erledigt werden. Anfang Oktober 2012 soll der Radweg fertig sein.

Die Kosten für den Radweg betragen rund 240.000 Euro. 230.000 Euro zahlt das Land NRW, der Rest wird durch die ehrenamtlichen Arbeiten der Bürger eingespart. (scha)

Allein in den ersten eineinhalb Stunden, in denen Degenhard am Wochenende mit anderen Bürgern am neuen Radweg gebaut hat, zählten sie acht Laster. "Wenn dann zwei LKW aneinander vorbei fahren, wird es richtig eng für die Fahrradfahrer", sagt Degenhard. "Darum ist der Radweg so wichtig für uns in Stukenbrock-Senne", findet auch seine Frau Farina Schmidt-Degenhard. Das junge Ehepaar feierte gemeinsam mit mehr als 30 weiteren Bewohnern aus Stukenbrock-Senne, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr sowie Marcel Bonensteffen und Michael Ottenstroer vom Tiefbauamt den Baubeginn. Ein Plakat markiert jetzt den Punkt, wo der Fuß- und Radweg beginnen soll: an der Ecke Paderborner Straße, Einfahrt Hövelrieger Straße – und weist auf die Hilfe der Bürger hin. Noch ist das Plakat an dieser Stelle das einzig sichtbare Ergebnis des Bürgerengagements. Doch schon wenige Meter weiter liegen die ersten gefällten Bäume und Sträucher.

Charlottes Eltern gehören auch zu dem ersten Arbeitstrupp, der am Samstag mit den Arbeiten am Radweg begonnen hat. Gemeinsam mit Karl-Heinz Wulf, Friedhelm Dirks, Werner Austermeier, Hermann-Josef Brummelte und Josef Austermeier haben sie die ersten 200 Meter Straße von Ästen und Gestrüpp befreit. 73 Bürger haben sich insgesamt für neun Arbeitstermine in den nächsten Wochen eingetragen. Bis Mitte Mai sollen sie die groben Rodungsarbeiten übernehmen. Anschließend werden Firmen die Schwerstarbeit übernehmen.

Ab Anfang September sind die Bürger dann zum zweiten Mal gefragt. "Dann geht es darum, Restarbeiten zu übernehmen, wie den Mutterboden planieren oder Einsäharbeiten", erklärt Projektgruppenleiter Hermann-Josef Brummelte. Wenn der Radweg fertig ist, wird es noch eine einmalige Pflanzaktion geben, "als Wiederaufforstung auf einem städtischen Grundstück an der Hohen Straße", erklärt Brummelte.

Insgesamt soll der Radweg rund 1,4 Kilometer lang werden und auf der Südseite der Hövelrieger Straße hinter den gut 50 Jahren alten Alleebäumen geführt werden, nicht aber direkt am Sennesee. Ursprünglich war geplant, den Radweg bis zu der Bäckerei am Abzweig zur Alten Poststraße zu bauen. Jetzt steht fest, dass sich der Radweg nicht über die Autobahnbrücke führen lässt. Diese ist zu schmal, für eine Verbreiterung hat das Land kein Geld. Darum wird der Radweg vorerst vor der Brücke enden. Dort sollen Schilder die Radfahrer anweisen, die Straßenseite zu wechseln.

Die engagierten Senner hoffen, den Radweg irgendwann nach der Brücke doch noch weiterführen zu können und das Landesministerium davon überzeugen zu können, dass eine breitere Brücke mit Radweg nicht nur sinnvoll, sondern auch lebensrettend sein kann.