0
Nikolai Hartmann von Rüden (l.) und Ferdinand Lakämper präsentieren die überarbeiteten Stelen, die jeweils am Beginn der 36 Massengräber auf dem Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne stehen. - © FOTO: SUSANNE LAHR
Nikolai Hartmann von Rüden (l.) und Ferdinand Lakämper präsentieren die überarbeiteten Stelen, die jeweils am Beginn der 36 Massengräber auf dem Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne stehen. | © FOTO: SUSANNE LAHR

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK Das Leiden ist wieder lesbar

Gedenksteine auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof gründlich restauriert

VON SUSANNE LAHR
10.12.2011 | Stand 09.12.2011, 19:07 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Stelen stehen seit 66 Jahren an Ort und Stelle. In russischer, englischer und deutscher Sprache erinnern ihre Inschriften an die Menschen, die im Strafgefangenenlager 326 in Stukenbrock-Senne zu Tode gekommen sind. Und sie geben das Versprechen ab, dass man sich ihrer immer erinnern wird – lange über die dunkle Zeit Hitlers hinaus. Der Zahn der Zeit hatte zuletzt heftig an den Stelen genagt, doch jetzt hat das Gedenken wieder ein ansehnliches Aussehen.

Vor mehr als zehn Jahren war in Absprache mit Bezirksregierung und Denkmalschutz ursprünglich der Beschluss gefasst worden, die Gedenksteine nicht weiter vor Wind und Wetter zu schützen.

Lediglich die Stelen 21, 22 und 23 – die jeweils mit leicht abgewandeltem Text Folgendes transportieren: "Ich seid gequält worden durch Hungertod, Kälte und Verwahrlosung. Ihr seid gestorben, aber ihr wurde keine Sklaven" –, wurden unter dem Dach der Dokumentationsstätte in Siherheit gebracht und durch Repliken ersetzt.

Doch im Frühjahr 2009 entfachte ein empörter Brief von Lutz Grönert vom Förderverein des Stalag 326 über den miserablen Zustand der Gedenksteine und der bevorstehende Besuch des Botschafters der Russischen Förderation, Vladimir Kotenev, in der Senne die Diskussion neu. Das Ergebnis ist nun auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof zu sehen. Alle 36 Stelen aus belgischem Granit, die den Beginn der jeweils 116 Meter langen und 2,20 Meter breiten Massengrabreihen anzeigen, sind gründlich restauriert.

Ordnungsamtschef Ferdinand Lakämper und Restaurator Nikolai Hartmann von Rüden von der Firma Lehmkuhl präsentieren gestern das Ergebnis der monatelangen Bemühungen, das rund 67.000 Euro gekostet hat. Das Steinfurter Unternehmen ist spezialisiert auf die Restaurierung und Konservierung von Objekten aus Naturstein, Stuck, Putz sowie Wandmalereien und arbeitet primär in der Denkmalpflege.

"Das war schon eine Herausforderung", sagt Hartmann von Rüden, "da die Schriften alle schlecht lesbar waren." Glücklicherweise seien die Gedenksteine im Jahr 2000 so fotografiert worden, dass die Inschriften Buchstabe für Buchstabe rekonstruiert werden konnten. Zunächst habe man Negativkopien gemacht und dann jeden einzelnen Buchstaben von Hand nachgekratzt und vertieft. Davon wiederum seien Positivabgüsse hergestellt worden. "Die alten Platten befinden sich noch hinter den Abgusskopien", erklärt der Restaurator, "sie werden auf diese Weise konserviert." Auch die roten Sterne und die Ornamente seien nachgearbeitet worden. Wie sich beim Restaurieren herausgestellt habe, befinden sich hinter den Sternen teilweise die Originalsterne, die 1945 unter anderem aus Fahrrad-Katzenaugen hergestellt, später durch gebrannte und glasierte Keramiken ersetzt worden waren. Die Stelen selbst sind nun mit einem witterungsbeständigen , wasserabweisenden und diffusionsoffenen Überguss versehen, so dass sie auf viele Jahre ihr Aussehen bewahren sollten.

Im kommenden Jahr, so Ferdinand Lakämper, will die Stadt für rund 88.000 Euro (die letztlich vom Bund bezahlt werden) weitere Ergänzungen auf dem Ehrenfriedhof machen, auf dem die Gebeine Zehntausender Kriegsgefangener ruhen. Am Eingang soll eine Informationstafel die Besucher empfangen.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group