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Schloß Holte-Stukenbrock Ein Lächeln für die Putzfrauen

Reinigungskräfte kämpfen mit Besen und Putzmittel gegen Vorurteile

VON BESIM MAZHIQI
09.11.2010 | Stand 08.11.2010, 19:20 Uhr
Elisabeth Kanikil sorgt mit ihren Kolleginnen täglich dafür, dass die Klassenräume der Realschule nach Schulschluss wieder blitzen. Innerhalb von zwei Stunden haben die Frauen alles für den Betrieb am nächsten Tag auf Vordermann gebracht. - © FOTO: BESIM MAZHIQI
Elisabeth Kanikil sorgt mit ihren Kolleginnen täglich dafür, dass die Klassenräume der Realschule nach Schulschluss wieder blitzen. Innerhalb von zwei Stunden haben die Frauen alles für den Betrieb am nächsten Tag auf Vordermann gebracht. | © FOTO: BESIM MAZHIQI

Schloß Holte-Stukenbrock. Seine Entstehung ist amüsant, der Hinweis, den der gestrige "Internationale Tag der Putzfrau" gibt, ist jedoch ernst. Geringschätzung, ungewöhnliche Arbeitszeiten und keine Sozialversicherung – viele Putzfrauen kämpfen mit schwierigen Arbeitsbedingungen. Putzfrauen aus Schloß Holte-Stukenbrock berichten von ihren Erfahrungen.

Karo Rutkowsky ist nicht nur Putzfrau. Nebenbei löst die Romanfigur, die aus der Feder von Gesine Schulz stammt, auch Kriminalfälle. Das imaginäre Geburtsdatum der putzenden Privatdetektivin Rutkowsky, der 9. November, gilt seit 2004 als Gedenktag für alle Putzfrauen. "Bis jetzt mussten wir nur hartnäckige Schmutzfälle lösen, nicht Kriminalfälle", erzählt schmunzelnd Doris Krieftewirth, Putzfrau an der Realschule.

"Ein Dankeschön hören wir nicht oft", sagt die Putzfrau, die gemeinsam mit sechs weiteren Frauen Tag für Tag dafür sorgt, dass die Schüler am nächsten Schultag in saubere Klassen kommen und die Lehrer sich im Lehrerzimmer wohlfühlen. "Es kommt schon mal vor, dass eine von uns doof von einem Schüler angemacht wird", berichtet Krieftewirth. Die Tätigkeit der Putzfrau werde oft als gering eingeschätzt. Dabei unterliegt der Beruf der Gebäudereiniger sowohl der Ausbildungsverordnung als auch geregelten Tarifverträgen. Nicht umsonst müssen die Frauen die Eigenschaften der Putzmittel kennen und mit Maschinen zur Intensivreinigung umgehen können. Umso mehr freuen sich die Putzfrauen darüber, wenn ihre Arbeit gewürdigt wird. Eine Kollegin, erinnert sich Putzfrau Anna Schmidt, habe mal einen Raum außer der Reihe gesäubert. "Dafür gab es dann auch eine Schachtel Pralinen."

Ein Dankeschön komme den Bewohnern des Altenzentrums Wiepeldoorn öfter über die Lippen, wie die Putzfrau Helena Redekop erzählt. Wie die Frauen an der Realschule sei sie froh, im Auftrag einer Firma putzen zu können. Anders als bei der Schwarzarbeit – auch branchenweit ist nur die Hälfte der regulär angestellten Reinigungskräfte sozialversicherungspflichtig angestellt – gibt es dann oft Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und Urlaubsgeld.

Ob Tische aus den Klassenzimmern der Realschule getragen und schwere Maschinen bedient werden müssen oder beim ständigen Bücken im Altenheim – "man ist es dann leid, zu Hause noch mal Toiletten und Fenster zu putzen und die gleiche Arbeit erneut zu machen", sagt Redekop.

Umso schöner und leichter mache es ihr die Arbeit, wenn ihr ein Lächeln geschenkt werde. "Es muss nicht mal ein Dankeschön sein."
     

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