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Die Politik streitet darüber, ob Radfahrer an der Holter Straße auf der Fahrbahn fahren sollen. Die Befürworter wollen einen Schutzstreifen und die Geschwindigkeit auf Tempo 30 reduzieren. - © Besim Mazhiqi
Die Politik streitet darüber, ob Radfahrer an der Holter Straße auf der Fahrbahn fahren sollen. Die Befürworter wollen einen Schutzstreifen und die Geschwindigkeit auf Tempo 30 reduzieren. | © Besim Mazhiqi

Schloß Holte-Stukenbrock Politik bei Tempo 30 auf Hauptstraßen uneinig

Im Ordnungsausschuss bilden sich zwei Lager. Das eine will Geschwindigkeitsbegrenzungen auch auf einigen Teilstücken der Hauptverkehrsstraßen. Strittig ist auch, ob die Radfahrer auf die Straße sollen.

Sigurd Gringel
03.03.2020 | Stand 04.03.2020, 11:14 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Zwei verschiedene Ansichten treffen aufeinander. SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und das Jugendparlament wollen Tempo 30 für Teile der Hauptstraßen und Fahrradverkehr auf der Straße. CDU, CSB und FDP halten Tempo 50 für sinnvoll, und die Fahrradfahrer sollen neben der Straße fahren. Trotzdem gab es im Ordnungsausschuss jetzt einen einstimmigen Beschluss.

Am Beispiel Holter Straße prallen die Ansichten aufeinander, obwohl sich sämtliche Politiker darüber einig sind, dass mit Blick auf die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer die jetzige Regelung an der Holter Straße dringend verbessert werden muss. Wie berichtet, ist es nur auf der Südseite möglich, durchgehend mit dem Rad von Schloß Holte nach Stukenbrock zu fahren. Allerdings teilen sich Radfahrer den Rad- und Gehweg mit Fußgängern. Die Wege sind zum Teil sehr schmal, gerade wenn Kinderwagen oder Rollatoren auf dem Gehweg geschoben werden. Es gibt Radverkehr aus der Gegenrichtung, und besonders an Straßeneinmündungen kommt es zu gefährlichen Begegnungen mit Autos.

Von Stukenbrock nach Schloß Holte müssen Radfahrer öfter die Straßenseite wechseln. Doch Radfahrer, insbesondere Schüler, ignorieren die Regelung. Das wurde im Test der NW auf der Holter Straße deutlich, Leser bestätigten das anschließend. Um die Situation zu verbessern, schlägt die Verwaltung vor, auf der Nordseite einen Radweg zu planen und dafür mit Anwohnern über Grundstücksverkäufe zu verhandeln. Dem können sich CDU, CSB und FDP anschließen.

Bruno Schmidt (SPD) glaubt nicht daran, dass die Stadt jemals genügend Grundstücke kaufen wird, um auf der Nordseite einen Radweg zu verwirklichen. Dazu seien die Eigentümer nicht bereit. Bruno Reinke (Grüne) sieht das genauso: „Wir verhandeln seit mehr als 20 Jahren darüber, das wird nie etwas." Deshalb schlagen SPD und Grüne vor, die Radfahrer auf die Straße zu bringen. Am besten mit einem Schutzstreifen auf der Fahrbahn. „Man muss diese Straße den Menschen zurückgeben", sagt Bruno Reinke.

»Die Holter Straße ist eine Katastrophe«

„Die Holter Straße ist eine Katastrophe", sagt Britta Rusch (CSB), „aber wir wollen nicht, dass die Radfahrer auf der Straße fahren." Das sahen auch CDU und FDP so und stimmten mit 8:4 für den Verwaltungsvorschlag, weiter über Grunderwerb zu verhandeln.

Zu dem „Gesamtkonzept Verkehrswende" gehört laut SPD und Grüne – und dem schließt sich das Jugendparlament an – auch Tempo 30 auf Teilen der Hauptverkehrsstraßen: Bahnhofstraße, Holter Straße, Hauptstraße und Kaunitzer Straße. Bruno Reinke (Grüne) merkte an, dass in ganz Helsinki Tempo 30 gelte und seitdem keine Menschen mehr im Straßenverkehr getötet wurden. Für die Holter Straße hat das beauftragte Verkehrsplanungsbüro „Planersocietät" in seinem Endbericht „Klimafreundliches Mobilitätskonzept für den Fuß- und Radverkehr" schon im Jahr 2016 Tempo 30 empfohlen. Nur die Geschwindigkeitsreduzierung könne gewährleisten, dass sich die Radfahrer auf der Straße auch sicher fühlen können, sagten die Tempo-30-Befürworter. Die SPD ging sogar noch einen Schritt weiter und forderte, den Straßenbelag an der Holter Straße optisch zu ändern, damit langsamer gefahren wird.

Auf den Bericht der Planer ging die CDU nicht ein. Detlev Moosdorf (CDU) bezweifelte, dass Autofahrer auf einer 1,7 Kilometer langen Strecke bereit seien, Tempo 30 zu halten. „Das hat nicht den psychologisch gewünschten Effekt." Dieter Röchter hat recherchiert, dass dann in Schloß Holte nur noch an der Mergelheide Tempo 50 gelten würde. „Die Hauptachsen sind doch gerade dazu da, den Verkehr aufzunehmen." Volker Schimmel befürchtete Ausweichverkehr auf Straßen in Wohngebieten. Auch müsse der Busverkehr dann angepasst werden. „Alles dauert länger. Sie wollen den Verkehr lahmlegen", sagte er und musste sich von Henri Lindner (Jupa) sagen lassen, dass der Verkehr zwar verlangsamt, aber nicht stillgelegt werde.

In der Debatte stritten die Politiker auch um gefühlte Sicherheit. Wo sich Radfahrer tatsächlich sicherer fühlen, sei schwierig nachzuweisen. Entschieden wurde in der Tempo-30-Frage nichts. Die Fraktionen einigten sich einstimmig darauf, dass die Verwaltung erst einmal die rechtlichen Voraussetzungen prüfen und im nächsten Ordnungsausschuss berichten solle.

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