0

Schloß Holte-Stukenbrock Schloß Holte-Stukenbrock setzt jetzt auf eigene Trinkwasserförderung

Warum die Stadtwerke Bielefeld aus dem Rennen sind. Was der Ratsbürgerentscheid gekostet hat. Und wie dem Müllentsorger auf die Sprünge geholfen werden soll.

Sabine Kubendorff
09.10.2019 | Stand 10.10.2019, 13:43 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Wexit könnte man nennen, was am Dienstagabend der Stadtrat beschlossen hat. Es geht um die kommunale Wasserversorgung und den Ausstieg aus dem Liefer-Abkommen mit den Stadtwerken Bielefeld. Das war eines der Themen, mit denen sich die Ratsmitglieder jetzt beschäftigten. Ein Überblick. Trinkwasser Nun will die Stadt also doch selbst Trinkwasser fördern, um ihre Bürger zu versorgen und nicht länger abhängig zu sein vom Noch-Lieferanten, den Stadtwerken Bielefeld (SWB). Grund dafür ist, dass die geplante Zusammenarbeit mit den SWB keine relevante Grundlage mehr hat und die Stadt somit weiter der ungeliebten Wasserpreis-Politik mit Jo-Jo-Effekt ausgeliefert wäre. Seit mehr als zwölf Jahren drängt die CDU-Fraktion auf Unabhängigkeit. Gutachten, Probebohrungen, Genehmigungsverfahren für eine eigene Trinkwasserförderung – all das zog sich hin. Die Wassergewinnungsrechte erteilte die Bezirksregierung im Herbst 2015. Dann machten die Stadtwerke Bielefeld ein Angebot, das die Stadt im November 2016 nicht ablehnen konnte. 40 Prozent des für SHS benötigten Trinkwassers sollten an der Flugplatzstraße gefördert und die Hälfte davon auf Kosten der Stadtwerke ausgetauscht werden zur Optimierung der Qualität. Die restlichen 60 Prozent sollten die Stadtwerke Bielefeld gegen Entgelt liefern. Und diese Bezugskonditionen hatten die SWB um 11 Prozent gesenkt, was auf zehn Jahre gerechnet eine Ersparnis von 500.000 Euro bedeutet hätte. SHS hätte in den Netzausbau etwa eine Million investieren müssen. Der derzeitige Wasserpreis von 1,40 Euro pro Kubikmeter wäre damals nach Einschätzung von Kämmerer Olaf Junker wohl zu halten gewesen. Nun aber ist wegen der schlechten Wasserqualität des Brunnens an der Flugplatzstraße der Deal geplatzt. Einstimmiger Beschluss des Stadtrates: Die Stadtwerke SHS sollen sich kümmern. Zu den Auswirkungen auf den Wasserpreis ist bislang öffentlich nichts gesagt worden. Bislang hatte sich die FDP gegen die eigene Trinkwasserförderung gestemmt, weil sie ihrer Ansicht nach nicht wirtschaftlich war. Nun stimmte sie doch mit, weil sich die Sachlage verändert habe, wie Fraktionssprecher Thorsten Baumgart sagte. Und weil Wasser aus einem anderen Brunnen eine bessere Qualität verspreche und geringere Investitionen als ursprünglich errechnet zu erwarten seien. Alle anderen Fraktionen im Stadtrat wirkten am Dienstagabend fast erleichtert, dass die Frage der Wasserförderung nun endgültig entschieden zu sein scheint. Der Vorsitzende der CDU-Mehrheitsfraktion, Lars Pankoke, sagte – auch im Hinblick auf den Klimawandel: „Wir tun gut daran, unser eigenes Wasser zu fördern." Ratsbürgerentscheid Der Ratsbürgerentscheid mit dem Ergebnis, dass die neue Flüchtlingsunterkunft in Liemke gebaut wird, hat 45.000 Euro gekostet. Ein hoher finanzieller und auch bürokratischer Aufwand, sagte CSB-Fraktionssprecherin Britta Rusch. Aber der habe sich gelohnt. Es habe den Bürgern offenbar gut getan, mitgenommen zu werden. FDP-Ratsherr Gerhard Blumenthal imponierte besonders, dass fast jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme abgegeben hat. Und auch Bürgermeister Hubert Erichlandwehr sagte: „Ich war und bin durchaus beeindruckt", zumal es sich um ein Thema gehandelt habe, das nicht zwingend die ganze Stadt betreffe. Im Februar soll nun die Unterkunft für anerkannte Asylanten an der Kaunitzer Straße/Ecke Bachweg bezugsfertig sein. Am Montag hat ein ersten Ortstermin mit dem Bauunternehmer stattgefunden. Bereits in der kommenden Woche soll mit den Erdarbeiten begonnen werden. Müllabfuhr Der Ärger über den neuen Müllentsorger, der die Firma Tönsmeier zu Jahresanfang abgelöst hat, hält an. SPD-Ratsherr Bruno Schmidt hat zum Beispiel in seinem Wohn- und Wahlbezirk, dem Grauthoff, wiederholt festgestellt, dass Mülltonnen nicht geleert wurden. Auch Bürgermeister Erichlandwehr vermeldet immer wieder Anrufe von ungehaltenen Bürgern. „Scheint ein bewegendes Thema zu sein." Der neue Müllentsorger habe zwar stets Besserung gelobt, doch war der Erfolg nur kurzfristig. Da auch in anderen Kommunen im Kreis Gütersloh der Ärger anhält, wollen jetzt die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden gemeinsam der Firma auf die Sprünge helfen. Klärschlamm Nur noch vereinzelt darf Klärschlamm als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet werden. So hat auch SHS zunehmend Probleme, die 1.400 Tonnen, die pro Jahr anfallen, quitt zu werden. Deshalb hat sich die Stadt der Klärschlammkooperation OWL angeschlossen und wollte eigentlich auch dem kommunalen Unternehmen „Westfalen Weser Energie" (WWE) 700 Tonnen Klärschlamm zur Entsorgung anvertrauen. Doch letzteres Geschäft kommt nicht zustande, weil die WWE nicht annähernd die nötigen Mengen zusammenbekommt, um das Geschäft wirtschaftlich zu betreiben. „Gut, dass wir auf zwei Pferde gesetzt haben", sagte am Dienstagabend im Rat der Vorsitzende des Energie- und Umweltausschusses, Christian Hayk. Der Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen anzufügen: „Gut vorbereitet von der Verwaltung."

realisiert durch evolver group