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Wollen geleert werden: Die Papiertonnen mit dem blauen Deckel. Das klappt nicht immer, wie ein aktueller Vorfall zeigt. - © nw
Wollen geleert werden: Die Papiertonnen mit dem blauen Deckel. Das klappt nicht immer, wie ein aktueller Vorfall zeigt. | © nw

Schloß Holte-Stukenbrock Was Bürger tun können, wenn die Tonne nicht geleert wird

Die einen sagen, es gibt häufiger Ärger mit der Müllabfuhr, seit ein neuer Entsorger am Start ist. Tiefbauamtsleiter Manfred Bonensteffen sagt, alles gehe seinen ganz normalen Gang.

Sabine Kubendorff
14.08.2019 | Stand 13.08.2019, 18:16 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Neulich in Sende. Die Papiertonne am Straßenrand wird nicht geleert. Auf die Beschwerde reagieren Mitarbeiter des Entsorgers so: Sie bezichtigen den Sender indirekt der Lüge und reichen ihm noch einen Spruch rein. So schildert es der Betroffene, der sich über diesen Umgangston mächtig ärgert. Nur dank des Entgegenkommens der Stadtverwaltung wird seine Papiertonne jetzt doch noch geleert. Donnerstagabend, 21 Uhr. Die Papiertonne wird an die Straße gestellt. Freitagmittag ist sie immer noch voll. Die Nachbarn haben ihre leeren Tonnen schon wieder untergestellt. Anruf 1 beim Entsorger, der Firma Prozero. Antwort 1: Der Müllwagen sei um 6.53 Uhr vor der Haustür und die Papiertonne offensichtlich noch nicht da gewesen. Nachträgliches Leeren sei nicht möglich. Anruf 2 beim Vorgesetzten. Seine Antwort ähnelt Antwort 1 – mit dem Zusatz: „Sie können die Tonne dann in vier Wochen wieder rausstellen.“ Der Sender hatte ein ähnliches Problem schon einmal vor einigen Jahren. Damals reagierte der Entsorger kulant und kam noch einmal zur Leerung vorbei. Damals hieß der Entsorger noch Tönsmeier. Inzwischen hat die Eigentümerfamilie Tönsmeier ihre Firma, Nummer 5 auf dem deutschen Entsorgermarkt, verkauft, und zwar an den Lidl-Mutterkonzern. Tönsmeier heißt jetzt Prozero. Bedauern Die einen sagen, seitdem Prozero am Start ist, gibt es häufiger Ärger. In Rheda-Wiedenbrück beispielsweise standen im Juli bei glühender Hitze tagelang ungeleerte Komposttonnen am Straßenrand. Prozero-Pressesprecher Boris Ziegler hatte das damals mit einem hohen Krankenstand und sein Bedauern erklärt. Die Anfrage der Neuen Westfälischen wegen des Vorfalls in Sende konnte der Pressesprecher bisher nicht beantworten, er hat Urlaub. Gibt es einen neuen Umgangston beim Kundenkontakt? Warum ist eine nachträgliche Leerung von Mülltonnen nicht möglich? Warum gibt es nicht eine Art Besenwagen für Notfälle? Warum werden betroffenen Kunden denn keine anderen Lösungsmöglichkeiten angeboten? Kein Einzelfall Um Letzteres kümmert sich die Stadtverwaltung freiwillig, wie sich im Gespräch mit Tiefbauamtsleiter Manfred Bonensteffen herausstellt. Er sagt, es gebe nicht mehr Ärger als bisher, alles gehe seinen ganz normalen Gang. Dass eine Tonne mal nicht von der Müllabfuhr geleert werde oder gar ganz mit Müllfahrzeug verschwinde, sei kein Einzelfall. „Aber die Vorkommnisse sind aus unserer Sicht nicht dramatisch“, sagt Manfred Bonensteffen. Krankheit, Personalwechsel – da kann es seiner Ansicht nach schon einmal passieren, dass etwas übersehen oder vergessen wird. Dass dann nachzuarbeiten „ist unser tägliches Geschäft“. Also das Geschäft der Stadtverwaltung. Wenn man sich dort beschwert, werden folgende Möglichkeiten in Erwägung gezogen: Die Firma Prozero (vormals Tönsmeier) wird damit beauftragte, eine Route nachzufahren. Das sei bei nur einer ungeleerten Tonne aber „unverhältnismäßig“, meint Bonensteffen. Man kann sich Beistellsäcke besorgen. Die gibt es an der Information im Rathaus und müssen bezahlt werden. Der Restmüllsack kostet 3 Euro, der für Biomüll 2,50 Euro. Einen Sack für Papier gibt es nicht. Nach Auskunft der Stadtverwaltung kann man Papier aber zum Bauhof bringen. Wenn man seine blaue Tonne denn dorthin transportieren kann. Der Bauhof holt den Müll, den der Entsorger nicht mitgenommen hat, ab. Auf dieses Entgegenkommen darf sich aktuell der Sender verlassen. Tiefbauamtsleiter Manfred Bonensteffen sagt: „Wir haben noch immer eine pragmatische Lösung gefunden.“

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