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Chemieraum: Die Mitglieder des Bildungsausschusses (im Hintergrund) überzeugen sich davon, dass nach 40 Jahren Neuerungen dringend notwendig sind. Auf dem gefliesten Lehrerpult befindet sich ein buntes Sammelsurium von Notwendigkeiten für den Unterricht. - © Sabine Kubendorff
Chemieraum: Die Mitglieder des Bildungsausschusses (im Hintergrund) überzeugen sich davon, dass nach 40 Jahren Neuerungen dringend notwendig sind. Auf dem gefliesten Lehrerpult befindet sich ein buntes Sammelsurium von Notwendigkeiten für den Unterricht. | © Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock Für den Ausbau der Gesamtschule SHS werden 16 Millionen Euro benötigt

Die aktuellen Um- und Ausbauarbeiten sind im Zeitplan. Jetzt kommen noch die Sanierung der Aula und der Nordfassade sowie der Umbau des naturwissenschaftlichen Traktes dazu.

Sabine Kubendorff
03.07.2019 | Stand 04.07.2019, 11:15 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Stimmung war gereizt vor zwei Monaten, als die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses wieder einmal damit konfrontiert wurden, dass der Um- und Ausbau des Realschul-Gebäudes, das jetzt die Gesamtschule komplett übernimmt, teurer wird. Damals ging es um weitere 1,5 Millionen Euro. Am Dienstagabend stand plötzlich eine Gesamtinvestition von 16 Millionen auf dem Zettel - und niemand hat gemeckert. Nur einer sagte deutlich, Bauchschmerzen zu haben: CDU-Fraktionssprecher Lars Pankoke. Die Stadtverwaltung hatte dieses Mal die Angelegenheit strategisch geschickter vorbereitet. Vor der eigentlichen Sitzung des Bildungsausschusses wurden die Politiker durch den Westflügel geführt, der umgebaut wird und aufgestockt worden ist. Die Arbeiten sind im Zeitplan - mit Beginn des neuen Schuljahres werden die Räume zur Verfügung stehen. Die Politiker lernten den naturwissenschaftlichen Trakt kennen, der mehr als 40 Jahre alt ist und nicht mehr den aktuellen Anforderungen (einer Gesamtschule) entspricht. Und sie schauten in der Aula vorbei, die es auch nötig hat. Die Lüftung ist bereits abgestellt Beigeordneter Bernhard Gebauer hatte für die Sitzung zusammen mit dem Architekturbüro Voßhans eine Übersicht zusammengestellt, was wo wie saniert werden sollte und wie viel es kostet. Unter dem Strich standen dann knapp 16 Millionen Euro. An einigen Maßnahmen will sich das Land finanziell beteiligen, zum Beispiel an der Sanierung der Nordfassade. Das ist die Rückfront der Schule und sollte eigentlich erst einmal außen vor bleiben. Nun wird sie doch für 2,65 Millionen Euro aufgehübscht und energetisch angepasst. Der Zuschuss wird wohl 2,1 Millionen Euro betragen. Oder die Aula. Deren Lüftungsanlage musste auf Druck eines Gutachters bereits abgeschaltet werden. Eine neue muss her, und auch die 40 Jahre alten großflächigen Fenster müssen ausgetauscht werden. Kosten: 2,15 Millionen Euro. Zuschuss: 950.000 Euro. Der naturwissenschaftliche Trakt mit einer Art Mini-Hörsaal muss für etwa 1,24 Millionen Euro umgebaut werden. Nicht nur, weil er in die Jahre gekommen ist, sondern auch, weil in Chemie nun ab der 9. Klasse neben Grundkursen auch Erweiterungskurse angeboten werden und ein Chemieraum der Realschule im ersten Obergeschoss dafür nicht mehr tauglich ist. Nun werden die Naturwissenschaften also links vom Haupteingang im Erdgeschoss gebündelt. Gesamtschulleiterin Christel Kuch bekam am Dienstagabend Gelegenheit klarzustellen, dass die Naturwissenschaften nicht überraschenderweise neuer Schwerpunkt im pädagogischen Konzept der Schule sind. "Wir haben das MINT-Konzept von Anfang an verfolgt." MINT ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. "Es war nur anfangs noch nicht klar, wie in der 9. Klasse differenziert wird", erklärte Christel Kuch. Dass nun das Fach Chemie ausgewählt wurde, habe mit der aktuellen Lehrerausstattung zu tun. Sollte irgendwann Physik bei Lehramtsstudenten mehr in Mode kommen - kein Problem. Die neuen Chemieräume sollen auch für Physik bestens geeignet sein. "Wir können nicht mittendrin aufhören" Die Politiker haben also die 16-Millionen-Kröte einstimmig (bei der Enthaltung von FDP-Vertreterin Ulla Lehmann) geschluckt. CDU-Fraktionssprecher Lars Pankoke hätte sich dabei fast verschluckt. "Wenn ich ein Häuslebauer wäre, wäre ich jetzt pleite", knurrte er. Aber es handele sich nun mal "um ein Bauvorhaben, das wir angestoßen haben, und das müssen wir jetzt auch zu Ende bringen". Allerdings glaubt Pankoke nicht, dass dafür letztlich 16 Millionen reichen werden. Denn bereits der erste Bauabschnitt, zu dem der Westflügel und eine neue Mensa gehören, hat sich seit der ersten Kalkulation um mehr als 20 Prozent verteuert. Und deshalb hatte der grüne Ratsherr Ludwig Rieke seine Ausschusskollegen vor der Abstimmung beschworen, dem Gesamtpaket zuzustimmen. "So billig kommen wir nie wieder daran." Britta Rusch, Fraktionssprecherin der CSB, erklärte, die 16-Millionen-Investition sei sicherlich schmerzhaft, "aber wir können nicht mittendrin aufhören." Sie rechnete jetzt noch die Millionen drauf, die bereits in den Gesamtschul-Standort an der Jahnstraße (vormals Lisa-Tetzner-Schule) geflossen seien. "Bei 20 Millionen hätte man auch mal über einen Standort nachdenken können." Das Stichwort griff Beigeordneter Bernhard Gebauer gerne auf. Ein Schulneubau hätte nach seiner Recherche locker 35 Millionen Euro gekostet.

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