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Allerhand Material: Die Mitglieder der Archivgruppe, Ulla Lehmann (v.l.), Friedrich Dransfeld, Erna Dransfeld und Günter Potthoff, sichten für die Pollhansausstellung im Kulturforum am Altenkamp zahlreiche Fotos und Dokumente. - © Sigurd Gringel
Allerhand Material: Die Mitglieder der Archivgruppe, Ulla Lehmann (v.l.), Friedrich Dransfeld, Erna Dransfeld und Günter Potthoff, sichten für die Pollhansausstellung im Kulturforum am Altenkamp zahlreiche Fotos und Dokumente. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Umfassende Ausstellung über Pollhans

Ausstellung: Die Archivgruppe des Fördervereins Industriemuseum hat Material zusammengetragen. Von den Ursprüngen des Pollhansmarktes bis in die 1980er Jahre. Sie bittet um weitere Bilder oder Geschichten

Sigurd Gringel
24.05.2019 | Stand 24.05.2019, 17:04 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Pollhans kennt jeder. Ja, die Kirmes vielleicht. Aber der Pollhansmarkt hat eine jahrhundertealte Geschichte, die noch nie in Gänze zusammengetragen wurde. Ortsheimatpfleger Günter Potthoff hat einige Aufsätze zur Geschichte des Jahrmarktes veröffentlicht, Peter Hagenkordt ein Marktlexikon. Jetzt hat sich die Archivgruppe des Fördervereins Industriemuseum daran gemacht, Bilder und Geschichten zu sichten. Herausgekommen ist ein interessantes und unterhaltsames Sammelsurium, das die Archivgruppe in den Wochen vor Pollhans am Altenkamp zeigt. Der Ausblick hört sich vielversprechend an. Da sind zum Beispiel Polizeiberichte, aus denen hervorgeht, dass die Polizisten aus dem damaligen Amt Verl wegen der andauernden Schlägereien nicht mehr auf dem Jahrmarkt patrouillieren wollten. Einer meldete deshalb kurzerhand sein Pferd krank. Günter Potthoff weiß zu berichten, dass die Haudraufs sich in einigen Jahren gegenseitig so übel zugerichtet haben, dass unter den Schaustellern sogar jemand starb. „Das habe ich selbst noch miterlebt." Oder der Schausteller, der seine Anfrage schriftlich an das Bürgermeisteramt Pollhans im Ortsteil Liemke gerichtet hatte; der Bau der Bahnlinie, die 1901 plötzlich mitten durch das Jahrmarktgelände verlief. Die Lokomotivführer wurden angewiesen, „die 250 Meter lange Strecke des Marktplatzes am Markttage mit besonderer Vorsicht zu befahren", schreibt Günter Potthoff in einem seiner Aufsätze. Zigeuner bringen Tanzbären mit 1912 war die unsägliche Situation am Pollhanshof wohl nicht mehr hinnehmbar, der Kram- und Viehmarkt wurde auf die Fläche des Gastwirtes Heinrich Dresselhaus verlegt. Prompt forderte Harald Tenge eine Umbenennung des Marktes, Pollahns passe ja nun nicht mehr. Nur einmal fand der Markt nicht statt. 1911. Offiziell wegen der Maul- und Klauenseuche, mittlerweile wird vermutet, dass die Behörden befürchteten, dass Arbeiter, die seit Wochen die Holter Eisenhütte bestreikten, den Markt für ihre Zwecke einvernehmen wollten. Zu einer Ausstellung gehören selbstverständlich auch Fotos. Aufnahmen des alten Pollhanshofes, von Sinti und Roma (den „Zigeunern"), die mit ihren Pferdefuhrwagen anreisten und Tanzbären mitbrachten. Die Archivgruppe um Marita Knoke-Seydel, Ulla Lehmann, Erna und Friedrich Dransfeld und Günter Potthoff hat das Material strukturiert und zeigt die Dokumente und Bilder mit Unterstützung von Peter Dierich (copy & more) als Großformate. Dabei setzen sie drei Themenschwerpunkte. Erstens: die Geschichte des einstigen Flachsmarktes aus dem 17. Jahrhundert, zweitens die Verlegung des Marktes vom Schloss zum Pollhanshof und schließlich an den heutigen Standort, drittens der Pferde- und Viehmarkt mit seinen Schaustellern mit besonderem Augenmerk auf den Zigeunern. Es ist das vierte Projekt, dem sich die Archivgruppe nach der Geschichte der Holter Eisenhütte, des Bahnhofs und der Aufnahmen des Fotografen Josef Hörster widmet. „Gleich als wir die Hörster-Ausstellung abgeräumte haben, haben wir uns um das nächste Projekt gekümmert", sagt Friedrich Dransfeld. Und 2020 soll das fünfte Projekt, die Altemeyer-Ausstellung folgen. Das Material zur Pollhansausstellung stammt überwiegen aus den Sammlungen von Günter Potthoff und Peter Hagenkordt. Die Gruppe puzzelt all die Einzelteile zusammen, wird sie digitalisieren und als Paket später dem Stadtarchiv überlassen. Bewegte Bilder gibt es auch. Aus einem 20-minütigen Streifen einer Film-AG der Hauptschule aus dem Jahr 1971 (Regisseur war Friedrich Dransfeld) bastelt der Filmemacher Michael Hallau mit aktuellen Aufnahmen einen viertelstündigen Film. „Die Originaltonspur ist leider verlorengegangen", sagt Friedrich Dransfeld. Um das Projekt zu verwirklichen, hat die Archivgruppe 2.000 Euro aus dem Förderprogramm „Heimat-Scheck" des Landes NRW erhalten. Eröffnung der Ausstellung ist am Sonntag, 29. September um 11 Uhr. Nicht mit Lachshäppchen und Sekt, sondern in Einstimmung auf Pollhans mit Bierwagen und Würstchenbude. Dransfeld: „Es wird eine putzmuntere Ausstellung."

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