Die erste Orchesterkleidung: Schwarze Hosen, weiße Blusen oder Hemden, so hat das erste Outfit des Jugendblasorchesters ausgesehen. Die Jungen haben Bänder getragen, die Mädchen rote Tücher. Mit dabei gewesen ist damals schon Katrin Krusenotto (vorne 3. v. r.). - © Katja Knoche
Die erste Orchesterkleidung: Schwarze Hosen, weiße Blusen oder Hemden, so hat das erste Outfit des Jugendblasorchesters ausgesehen. Die Jungen haben Bänder getragen, die Mädchen rote Tücher. Mit dabei gewesen ist damals schon Katrin Krusenotto (vorne 3. v. r.). | © Katja Knoche

Schloß Holte-Stukenbrock Die Erfolgsgeschichte einer fixen Idee

Jubiläum: Das St.-Johannes-Blasorchester Stukenbrock ist jetzt 25 Jahre alt. Am Sonntag wird ein großes Sommerfest gefeiert

Schloß Holte-Stukenbrock. Drei Männer – eine Idee. Entstanden in geselliger Runde. Manfred Dirks ist der Schützenfest-Montag im Sommer 1993 in lebhafter Erinnerung geblieben. Plötzlich standen Heinrich Sander, Franz Bonensteffen und Gerd Junker mit einem Anliegen vor ihm. „Die drei hatten die Idee, ein Jugendblasorchester in Stukenbrock zu gründen. Ich sollte die musikalische Leitung übernehmen." Vor 25 Jahren ist das St.-Johannes-Jugend-Blasorchester zum ersten Mal aufgetreten – mit sieben Kindern. Natürlich hat Manfred Dirks Ja gesagt. Viele andere hingegen hielten das Ansinnen für eine fixe Idee, die sich wohl kaum umsetzen lassen würde. Sie hatten offensichtlich nicht mit dem Eifer der Ideengeber und des Leiters gerechnet. Manfred Dirks, der bereits in der Schützenkapelle mitgeblasen und diese auch dirigiert hatte, Heinrich Sander, Franz Bonensteffen und Gerd Junger machten sich auf den Weg, um Kinder und Jugendliche zu finden, die Lust hatten, ein Instrument zu erlernen und in einem Orchester mitzuspielen. Für den Unterricht wurden erfahrene Lehrer engagiert. Rainer Hoffmann beispielsweise, der den jungen Instrumentalisten das Trompetenspiel beibrachte. „Ich bin unterwegs gewesen und habe Instrumente besorgt", erzählt Manfred Dirks von seinen Fahrten nach Gütersloh und Paderborn. Finanziert wurde das alles von unterschiedlichen Sponsoren aus dem Schützenumfeld. Fast alle, die zu den ersten Mitgliedern des St.-Johannes-Jugend-Blasorchesters gehörten, betraten Neuland. „Nur Pascal Hegselmann und Daniel Kammertöns hatten Vorkenntnisse." Schnell Fortschritte gemacht Manfred Dirks war dennoch „überrascht, wie schnell Fortschritte gemacht worden sind". Am 9. Oktober 1994 war es dann bereits soweit. Anlässlich eines Benefizkonzertes des Delbrücker Benjaminorchesters fand der erste öffentliche Auftritt statt. Die Delbrücker dienten als Vorbild. „So in dieser Art soll das bei uns auch laufen", das wünschte sich Heinrich Sander von den Stukenbrockern. Mit dabei war Katrin Krusenotto. Auch, als nur zwei Monate später einfache Weihnachtslieder in St. Johannes Baptist angestimmt wurden. Die Begleitung der Heiligen Messe am zweiten Weihnachtstag gibt es auch heute noch. „Ich war damals zwölf", erzählt die heutige Vorsitzende. Für die Klarinette entschied Katrin Krusenotto sich seinerzeit, „weil das, genau wie die Querflöte, ein Mädcheninstrument war". Alle auf dem Traktor, Manfred Dirks vorne, die jungen Musiker hinten Anlässlich des Jubiläums, das mit einem Sommerfest am Sonntag, 19. Mai, gefeiert werden soll, haben die Vorstandsmitglieder die alten Programmhefte, Berichte und Fotos herausgeholt. Viele Erinnerungen werden wach. Manfred Dirks, der auf dem Traktor sitzt – die jungen Musiker hinter ihm, dieses Foto steht stellvertretend für die vielen Aktivitäten, die es neben Unterricht und Auftritten gegeben hat und immer noch gibt. „Mit ihnen wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, viele Freundschaften sind entstanden", sagt Tobias Hunkenschröder. Alle Musiker in der Bielefelder Straßenbahn, in der Augustdorfer Kaserne oder im Kino. Viele solcher Aktionen hat es gegeben. Auf den Fotos sind die ersten Outfits zu sehen. Schwarze Hosen, weiße Blusen oder Hemden. Die Mädchen tragen rote Tücher, die Jungen Bändchen, die heute in einer Tüte aufgehoben werden – als Erinnerung. Nach und nach kamen immer mehr Instrumentalisten hinzu. Zum Fünfjähren gab es ein gemeinsames Konzert mit der von Helma Tacke geleiteten Schola. „Die Ansprüche wuchsen", sagt Manfred Dirks, der erkannte, dass jetzt „jemand ran musste, der mehr Ahnung hat". Nach fünf Jahren übergab Dirks den Dirigentenstab an Zbigniew, genannt „Jack" Watorowski,. Der hatte zuvor bereits Trompetenunterricht gegeben und konnte den „Magister der Künste" vorweisen. Geprobt wurde in Sanders Hütte Geprobt wurde zunächst in Sanders Hütte, dann in der Grundschule Stukenbrock und in der Realschule, ehe ein neuer Probenraum entstand. Vor drei Jahren konnten die Musiker in die umgebaute Scheune von Orchestermitglied Vinzenz Jürgens ziehen. Das Blasorchester selbst ist über die Jahre hinweg erwachsen geworden. Die ersten Mitglieder entwuchsen den Kinderschuhen. Einige blieben dabei, neue Mitglieder kamen hinzu. „Eine Fluktuation war immer da", bestätigt Fabian Grauthoff. Das bis vor zwei oder drei Jahren bestehende Vororchester gibt es mittlerweile nicht mehr, denn wie alle Vereine, so muss auch das St.-Johannes-Blasorchester kräftig um neue Mitglieder werben. 50 bis 60 Auftritte im Jahr absolvieren die Stukenbrocker. Gerade jetzt, da die Schützenfestsaison beginnt, sind sie verstärkt gefragt. Nebenbei wird bereits eifrig für das große Jubiläumskonzert am Sonntag, 3. November, geprobt, das in der Aula am Gymnasium unter dem Motto „Best of 25" stattfinden soll. Auf einer musikalischen Reise werden die erfolgreichen Hits vergangener Tage mit neuen Stücken gemixt. Und sicherlich wird es wieder die eine oder andere Überraschung geben.

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