Das Jagdschloss Holte. - © Jörg Diekmann
Das Jagdschloss Holte. | © Jörg Diekmann

Kreis Gütersloh/Bielefeld/Kreis Paderborn Die Quellregion entdecken Die NW stellt Fahrrad- und Wandertouren vor

Unsere sechsteilige Serie startet mit einer attraktiven Radtour durch die Senne. Zwischenstopps sind der weltweit größte Segelflugplatz, der Emsbeginn und ein historisches Jagdschloss

Kreis Gütersloh/Bielefeld/Kreis Paderborn. Kennen Sie die Sennestadt? Jenen Teil Bielefelds auf der Südseite des Teuto, den Städtebauer aus ganz Europa in den 1960er Jahren zum Vorbild einer verkehrsfreundlichen Kommune wählten? Die Sennestadt und ihr markantes Sennestadthaus im Zentrum sind heute keine Pilgerstätte mehr für Stadtplaner. Wohl aber Startpunkt unserer Radtour durch die Senne, auch weil das Sennestadthaus sehr einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Wir beginnen am Reichowplatz, der nach dem Architekten der Sennestadt benannt ist, und halten uns östlich bis zum breiten Ramsbrockring, dem wir Richtung Teutoburger Wald folgen. Wir sind recht bald auf dem Netzeweg, um dann nach einem Kilometer rechts in den Huckepackweg einzubiegen. Über einen sehr schönen langen Waldweg immer geradeaus verlassen wir die Sennestadt. Wir kommen im Oerlinghauser Stadtteil Lipperreihe an und stoßen nach einigen hundert Metern auf die Dalbker Straße, der wir nach links folgen. Der Oerlinghauser Segelflugplatz Wir überqueren am Ende die vielbefahrene Tunnelstraße und radeln über die Holter Straße Richtung Oerlinghausen. Schon an der nächsten Ampel biegen wir rechts ein, nach Stukenbrock. Bei schönem Wetter verrät ein Blick in den Himmel, was nun folgt: Der Oerlinghauser Segelflugplatz liegt unmittelbar vor uns. Bei guter Thermik kreisen viele der weißen Segelflugzeuge weit oben über unseren Fahrradhelmen. Wir erreichen den Tower, den Kontrollturm des Segelflugbetriebs, und finden hier direkt am Flugplatzrand einen attraktiven Platz für eine Pause. Denn unmittelbar neben dem großen Hangar lädt das Flughafenrestaurant Check In zu einer Rast ein. Bei schönem Wetter kann man auf der Terrasse direkt am Rande des Flugplatzes sitzen und die zahlreichen Starts der weißen Vögel verfolgen. „Abheben am Teutoburger Wald" verspricht die Werbung des Flugplatzes vollmundig. Die Startzahlen liefern einen Rekord, der Segelflugfreunde tatsächlich abheben lässt. Mit etwa 25.000 Segelflugstarts pro Jahr gilt das Luftsportzentrum in Oerlinghausen als der größte Segelflugplatz weltweit. Hubschrauber, Drachen, Gleitschirme, Ballone Aber nicht nur die Segelflugzeuge werden hier per Winde oder Motorflugzeug in die Höhe gezogen. Hier fliegen auch Motorsegler, Ultraleicht-, Motor- und Modellflugzeuge, Hubschrauber, Drachen, Gleitschirme und Ballone. Selbst als Passagier dabei zu sein, ist nach vorheriger Planung möglich. Denn gegen eine Gebühr ab 30 Euro nehmen die Segel- oder Motorflieger auch jeweils einen Fluggast mit. Wir folgen dem Radweg weiter und erreichen schon nach kurzer Zeit Stukenbrock, den östlichen Stadtteil der Doppelstadt Schloß Holte-Stukenbock. Die erhabene St.-Johannes-Kirche lassen wir linkerhand liegen und wenden uns am Kreisverkehr Richtung Detmold und Augustdorf. Recht bald stößt man auf den ausgewiesenen Radweg Richtung Stukenbrock-Senne. Eine Bilderbuchstrecke erwartet nun die Radler. Ebene asphaltierte Wirtschaftswege und geringbefahrene Straßen entlang an einzelnen Häusern, Feldern und lichtem Baumbestand. Ein stiller Ort der Erinnerung Nach einigen Kilometern aber wird’s recht trubelig, denn man kommt an Palisadenzäunen und einer großen bunten Eingangspforte vorbei, am Zoo Safariland Stukenbrock. In den Sommermonaten fahren täglich hunderte von Autos in den Vergnügungspark, der auch große Gehege mit exotischen Tieren wie Löwen, Tiger und Affen beheimatet. Viel Sehens- und Erfahrenswertes bietet nun der gepflegte Ortsteil Stukenbrock-Senne. Denn hier wird der Besucher sehr intensiv und eindrucksvoll über die europäische Geschichte des vergangenen Jahrhunderts informiert. Wir finden dort, unter hohen Bäumen gelegen, einen stillen Ort der Erinnerung. Es ist ein sowjetischer Ehrenfriedhof, der mit einem großen Obelisken und vielen Grabmalen der Millionen von Kriegsopfern gedenkt. Denn hier in der Senne existierte während des letzten Weltkriegs ein großes Kriegsgefangenenlager, in dem vorwiegend russische Kriegsgefangene untergebracht wurden. Einen Kilometer entfernt informiert eine Dauerausstellung auf dem heutigen Gelände des Polizeiausbildungsinstitutes Erich Klausener über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 (VI K) Senne. Die Ems selbst entspringen lassen Der ausgewiesene Radweg führt uns weiter, nunmehr auf dem Gebiet der Gemeinde Hövelhof, zum Ursprung eines großen deutschen Flusses, zu den Quellen der Ems. Ein sehr unspektakulärer Flussbeginn, denn nur leichte Strudel in einer großen Senke markieren den Anfang des bekannten deutschen Flusses. Doch nur einige Kilometer weiter bekommt der Fahrradfahrer die Ems auf höchst abwechslungsreiche Weise in ihrer ganzen Länge vorgestellt. Ein Infozentrum markiert den Startpunkt des beliebten Ems-Radweges, der auf einer Länge von 375 km von Hövelhof in der Senne bis an die Nordsee nach Emden führt. Hier bekommt man informative Einblicke über die Quellregion der Ems und in einem Modell können die Radler die Ems selbst entspringen lassen. Ein Indoor-Erlebnisparcours Die Ems und der Ems-Radweg warten mit besonderen Attraktionen für Technikfreunde auf, zum Beispiel das imposante Emssperrwerk in Gandersum und die Meyer Werft in Papenburg. Auf der Rückfahrt gibt es in Stukenbrock-Senne noch einen weiteren sehenswerten Park, eine Ems-Erlebniswelt. Spannende Besonderheiten aus Natur, Kultur und Geschichte werden hier für große und kleine Entdecker erlebbar gemacht. Ein Ems-Erlebnisgarten und ein Indoor-Erlebnisparcours in einem alten Pfarrhaus bieten Spaß und Unterhaltung. Wir sind nun bereits auf der Rückreise und verlassen den Ort, indem wir die Bundesstraße 68 kreuzen und kurz darauf durch eine Brücke die Autobahn 33 überqueren. Nach rechts führt ein langer gerader Radweg Richtung Schloß Holte. Wir durchfahren – der Route folgend – gemütlich das ländliche Liemke mit seinem Krug und dem imposanten Maibaum. Nach einem längeren Waldstück kommen wir dann zu einer Augenweide für jeden Freund historischer Bauwerke. Das Schloss ist noch heute im Privatbesitz Ganz in Gelb mit dunkel abgesetzten Dachkonstruktionen präsentiert sich das herrlich restaurierte Jagdschloss Holte. Auf den Resten des niedergebrannten „Haus Holte" aus dem 14. Jahrhundert baute das Rietberger Grafenehepaar Johann III. und Sabina Katharina zwischen 1608 und 1616 ein Jagdschloss im Stile der Renaissance. Die Schlossanlage mit ihren drei markanten Türmen und Wallgebäuden liegt am Ostrand des Holter Waldes. Das Schloss, 1982 letztmalig umfassend renoviert, ist noch heute im Privatbesitz. Die Räumlichkeiten sind in Wohnungen umgewandelt und vermietet worden. Wir treten wieder in die Pedale und radeln wieder Richtung Teutoburger Wald. Kurz vor dem Zentrum des Stadtteils Schloß Holte wenden wir uns nach links und fahren am Nordrand des Holter Waldes durch den Ortsteil Sende Richtung Bielefeld-Eckardtsheim. Dort liegen einige Teile der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Ein leckeres Eis oder einen duftenden Cappuccino Wir sind auf der letzten Etappe unseres Rundweges und fahren zurück Richtung Sennestadt-Zentrum. Noch einmal überqueren wir die A 33. Schon bald ist der markante Zielpunkt, das Sennestadthaus, zu erkennen. Ein halbrunder Teich umgibt das große Gebäude, in dem die Verwaltung und andere öffentliche Räume des Stadtbezirks beheimatet sind. Wir sind wieder zurückgekehrt zu unserem Ausgangspunkt und können hier auf dem ruhigen Platz in der Mitte der Sennestadt ein leckeres Eis oder einen duftenden Cappuccino genießen. Der Text ist entnommen aus dem „Rad & Tour"-Magazin, das Sie hier bestellen können.

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