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Eigene Wohnung: Larissa Rüterbories zeigt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (r.) ihr neues Zimmer mit großem Fenster. Papa Dieter hat beim Einzug geholfen. - © Kristoffer Fillies
Eigene Wohnung: Larissa Rüterbories zeigt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (r.) ihr neues Zimmer mit großem Fenster. Papa Dieter hat beim Einzug geholfen. | © Kristoffer Fillies

Schloß Holte-Stukenbrock So wohnt es sich am Habichtweg

Betreutes Wohnen: In die Einrichtung „Wohnen am Landerbach“ sind jetzt 24 Menschen mit Behinderung gezogen. Sie zeigen den Nachbarn ihr neues Zuhause. Zum Einzug haben sie Geschenke bekommen

Kristoffer Fillies
07.05.2019 | Stand 06.05.2019, 18:15 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die ersten Bewohner sind vor einem Monat eingezogen, jetzt sind alle 24 Plätze für betreuungsbedürftige Menschen in der Einrichtung „Wohnen am Landerbach“ belegt. Am Wochenende schauten sich neben dem Bürgermeister auch Nachbarn die Unterkünfte der Diakonischen Stiftung Ummeln an und lernten die Bewohner dabei kennen. Das erste betreute Wohnen in SHS für Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren ist ein Projekt, dessen Anfänge schon einige Jahren zurückliegen. Larissa Rüterbories hat ihre erste Wohnung bezogen. Die 22-Jährige kam als Frühchen zur Welt, ist in ihrer Entwicklung verzögert. Von ihren Eltern ist sie jetzt ins betreute Wohnen am Habichtweg gezogen und wird dort nur dann betreut, wenn sie Hilfe benötigt. In ihr etwa 17 Quadratmeter großes Zimmer stellte sie sich ein Hochbett, darunter ein Schlafsofa und einen Fernseher. „Dann kann hier jemand schlafen, wenn Freunde zu Besuch sind“, sagt sie. Während eines Flohmarkts der Bewohner am vergangenen Wochenende zeigte sie Nachbarn und dem Bürgermeister Hubert Erichlandwehr ihr Zimmer. Der Bürgermeister schaute sich auch die anderen Räume des Gebäudes an. Im ersten Teil finden auf drei Etagen ein großer Gemeinschaftsraum, eine große Küche sowie acht Wohnungen für betreutes Wohnen Platz. Dort, wo Larissa wohnt, leben die Betreuten selbstständig, die Mitarbeiter des ambulanten Dienstes sind notfalls aber da. Die einzelnen Zimmer haben selbst eine kleine Küchenzeile und ein Bad. Hinzu kommen ein gemeinsamer Balkon für alle und ein Waschraum. Alles barrierefrei. Nachbarn können Kümmerer werden Im stationären Teil der Einrichtung wohnen weitere 16 Menschen. Sie werden rund um die Uhr betreut. Etwa 20 Mitarbeiter, darunter Heilerziehungspfleger, Sozialpädagogen und Krankenschwestern arbeiten in der Einrichtung, sagt Johann Hans, der das Projekt der Diakonischen Stiftung Ummeln anfangs als Leiter begleitete. Der ist Johann Hans jetzt nicht mehr. Er habe für sich gemerkt, lieber direkt mit den Menschen arbeiten zu wollen, statt einen Großteil der Zeit mit der Bürokratie zu verbringen. Seit Anfang des Monats leitet nun Benjamin Althoff das Betreute Wohnen. Seinen Anfang nahm das Projekt genau genommen schon vor neun Jahren. 2010 berichtete die Neue Westfälische über die mehrfach behinderte Christina Reimann, deren Mutter Claudia gemeinsam mit Ursula Pankoke, Behindertenbeauftragte der Stadt, auf das Fehlen einer entsprechenden Einrichtung aufmerksam machte. Die FDP stellte einen Antrag, die Stadt unterstützte das Vorhaben. Besonders die Selbsthilfegruppe „Anders“ unterstützte das Projekt, mehrere Gruppenmitglieder wohnen jetzt in der Einrichtung – Larissa Rüterbories gehört dazu. Ulla Lehmann von der FDP überreichte den Bewohnern eine große Stadtkarte, die im Eingang des Gebäudes aufgehängt werden soll. „Damit haben die Bewohner immer einen Überblick, wo sich was in Schloß Holte-Stukenbrock befindet“, sagte Lehmann. Ursula Pankoke schenkte jedem Bewohner einen SHS-Jutebeutel mit Bus- und Bahnfahrplänen und Schreibmaterial als Willkommensgeschenk. „Eine Nachbarin hat sogar schon vorgeschlagen, dass man zusammen mit den Bewohnern ein Blumenbeet im Garten anpflanzen könnte“, sagte Johann Hans. Er findet die Idee gut und wünscht sich weitere Ideen und Ehrenamtliche. Wer die Menschen unterstützen möchte, kann sich als Pate oder „Kümmerer“ engagieren. Ursula Pankoke führte das weiter aus: „Es können kleine Dinge sein, wie zum Beispiel gemeinsam Einkaufen gehen, oder Kaffee trinken und Gemeinschaftsspiele spielen.“ Larissa Rüterbories gefällt ihre neue Wohnung gut. „Von hier habe ich es auch nicht weit zu meiner Arbeit bei Holter Regelarmaturen“, sagt sie. Den Weg zur Arbeits fährt sie morgens selbstständig mit dem Rad.

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