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Eis aus dem Schlauch: Ein Gelamor-Mitarbeiter füllt frisches Mangoeis in einen Bottich aus Metall. - © Kristoffer Fillies
Eis aus dem Schlauch: Ein Gelamor-Mitarbeiter füllt frisches Mangoeis in einen Bottich aus Metall. | © Kristoffer Fillies

Schloß Holte-Stukenbrock Hier werden Eiskugeln für Schloß Holte-Stukenbrock und Arabien produziert

ersteller Gelamor produziert seit 25 Jahren für die Region, deutschlandweit und nun auch für den arabischen Raum - Birne-Karamell ist die jüngste Kreation

Kristoffer Fillies
29.04.2019 | Stand 29.04.2019, 10:48 Uhr |

Schloß Holte-Stukenbrock. Für manche steht die Entscheidung sogleich fest: Aus der Vitrine des Lieblingseiscafés soll es eine Kugel Vanille, Schoko oder Zitrone sein – die Klassiker eben. Doch wie wäre es mal mit Joghurt-Granatapfel, Tiramisu oder Schlumpf? Jedes Jahr kommen neue Sorten in die Kühlvitrinen der derzeit mehr als 5.000 Eisdielen in Deutschland. Aktuelle Ernährungstrends machen auch vor der kalten Süßspeise nicht Halt. Der Eishersteller „Gelamor" produziert seit 25 Jahren unter anderem für die eigene Eisdielen-Kette „Gelateria La Luna", aber auch fürs Ausland. Los ging es in einer kleinen Eisdiele in Delbrück, heute übernehmen am Produktionsstandort in Geseke Roboter Arbeiten. Wer die Produktionshalle betreten möchte, muss erst einmal durch eine Hygieneschleuse – ohne weißen Kittel, Kopfhaube, Mundschutz sowie desinfizierte Hände keinen Zutritt. „Hohe Hygienestandards sind in der Lebensmittelindustrie und damit bei uns sehr wichtig", sagt Yilmaz Dag, der die Eisproduktion leitet. Seit 20 Jahren in SHS 1994 legten sein Bruder Orhan und er mit der Eisherstellung los, damals noch in den Eisdielen selbst. Auf die erste „La Luna"-Eisdiele in Delbrück folgten weitere in OWL. 1999 eröffnete die Familie Dag ein La Luna am Holter Kirchplatz. Zuerst nur familiengeführt, ist La Luna 2012 zu einem Franchise-Unternehmen gewachsen. Seit zwölf Jahren wird in Geseke produziert und an derzeit gut 50 Franchise-Nehmer sowie an Hotels, Bäckereien und Freizeitparks geliefert. In der Produktionshalle angekommen steigt Mangoduft in die Nase. „In der Mixküche werden Milch aus dem Münsterland, Butter, Sahne, Zucker und Bindemittel sowie die geschmacksgebenden Zutaten vermengt", erklärt Yilmaz Dag das Prozedere. Gelamor nutzt echte Zutaten. „Aromen und Milchpulver, die für industrielles Speiseeis genutzt werden, nehmen wird hier nicht. Das macht für uns die Qualität aus." In die in dieses Jahr neue Kreation „Weiße Schokolade mit Roter Grütze" kommen echte Blockschokolade und Rote Grütze. Abfüllroboter Das Eis bereite Gelamor genau so zu wie früher, sagt Dag. Heute aber in viel größerem Ausmaß und zu großen Teilen automatisiert. Die vermischte Masse reift eine Nacht lang in großen Tanks, damit sich der Geschmack entfalten könne. „Ähnlich wie das Brot beim Bäcker", sagt Dag. Ein Roboterarm füllt die cremige Masse dann in Bottiche – an einer weiteren Station macht das noch ein Arbeiter mithilfe eines großen Schlauchs. Bald komme aber ein weiterer Abfüllroboter hinzu, sagt Dag. „Die Produktion wächst stetig. Ohne Maschinen wäre das nicht mehr zu stemmen." 6.000 Liter Eis pro Stunde Vergrößert hat der Eishersteller auch den Kühlraum sowie die Verwaltungsbüros. Mehr Power hat zudem die Eismaschine bekommen: 2012 nutzte Gelamor eine Maschine, die 1.500 Liter Eis pro Stunde herstellen konnte. „Die aktuelle Eismaschine schafft 6.000 Liter die Stunde." An Mitarbeitern zählt der Eishersteller gut 20 Leute in der Produktion und etwa 15 in der Verwaltung. Auf einem Fließband in der Produktionshalle fahren die abgefüllten Bottiche Mangoeis erst durch einen Detektor, der gegebenenfalls Fremdkörper erkennt, und dann in einen Schockfroster. „Hier wird das Eis 73 Minuten lang bei -63 Grad gefrostet", sagt Dag. Erst dann wird das Eis von Menschenhand verpackt und im großen Kühlraum gelagert. Vom Warenausgang wird das Eis zur Spedition nach Unna gebracht, die das Eis verschickt. Zum „La Luna" in Schloß Holte, zum „Gelato" in Stukenbrock, nach Berlin, Leipzig, Bukarest. Anfang des Jahres hat eine La Luna-Filiale in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien eröffnet. „Dort haben wir zugleich einen neuen Produktionsstandort von Gelamor aufgebaut. Von dort aus soll der arabische Raum beliefert werden", sagt Yilmaz Dag. Der Eisdoktor ersinnt neue Sorten Gut 50 Eissorten hat Gelamor im Programm. „Angefangen haben wir mit der Hälfte", sagt Orhan Dag, der für Vertrieb und Expansion verantwortlich ist. Auf der Liste stehen neben den Klassikern auch „Schwarze Vanille", „Omas Apfelkuchen" und „Acai-Beere". Bruder Yilmaz gilt im Unternehmen als „Eisdoktor", der im Eislabor ständig über neue Kreationen grübelt. Zum Beispiel Birne-Karamell, Weiße Schokolade mit Roter Grütze und Weißes Nougat-Mandelsplit. Laktosefrei Die Brüder Dag und ihre Verwandten haben aus kleinen Eisdielen ein großes Unternehmen gemacht. Der Italiener Gianni Burighel stellt seit 1987 Eis allein für sein „Eiscafé Gianni" an der Bahnhofstraße. Er sagt: „Die Klassiker setzten sich immer wieder durch." Aber auch Ernährungstrends spiegeln sich bei den Eissorten wider und für Menschen mit Unverträglichkeiten gibt es Alternativen. „Wir haben allein zehn Sorten, in denen keine Laktose drin ist, weil das angefragt wird", sagt Burighel. Ganz neu dieses Jahr hat er „Supergelato" kreiert. Mit Heidelbeer, Leinsamen, Sonnenblumenkernen und Quinoa. Aus biologischer Landwirtschaft und mit Rohrzucker gesüßt. Superfood – Supereis.

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