Sonnentag: Die sommerliche Atmosphäre am Donnerstag auf dem Holter Kirchplatz, wo der Bücherschrank steht, lädt gewissermaßen dazu ein, sich ein Buch zu schnappen, niederzulassen und zu lesen. „Jerry Cotton“ zum Beispiel. - © Sabine Kubendorff
Sonnentag: Die sommerliche Atmosphäre am Donnerstag auf dem Holter Kirchplatz, wo der Bücherschrank steht, lädt gewissermaßen dazu ein, sich ein Buch zu schnappen, niederzulassen und zu lesen. „Jerry Cotton“ zum Beispiel. | © Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock „Jerry Cotton“ – der Jubiläumsdreiteiler

Schätze im Bücherschrank: Der New Yorker FBI-Agent fesselt seit 65 Jahren Krimifans. Diesmal geht’s um den langen Arm der Mafia, die Mitternachtslady und eine Henkersmahlzeit

Sabine Kubendorff
21.04.2019 | Stand 18.04.2019, 18:57 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Wenn der FBI-Agent Jerry Cotton einen Fall abschließt, liest sich das so oder ähnlich: „Um Atlantic City wollte ich einen großen Bogen machen. Denier und Lennox, meine Kollegen, hatten dort ihr Leben gelassen. Delvante war tot, und das Mädchen, das man mittels Rauschgift zu den Schüssen auf Delvante veranlasst hatte. Mit Denier waren zwei Gangster im Chevy verbrannt. O’Connor und Brandner waren aus dem Verkehr gezogen. Die Mafia hatte 10 Millionen Dollar verloren.“ Der Mann hat offensichtlich kein einfaches Berufsleben. Jerry Cotton ist im deutschsprachigen Raum die erfolgreichste Krimiserie mit einer Gesamtauflage von 850 Millionen Exemplaren. 1954 war der erste Roman erschienen: „Ich suchte den Gangster-Chef“. Ein kleinformatiges Heft mit markantem Einband und einfachem Papier. Dieses Format wurde lange beibehalten, bis die ersten Taschenbücher erschienen. „Augen schienen aus den Höhlen zu quellen“ Eines steht im Bücherschrank auf dem Holter Kirchplatz, erschienen im Juni 1997. Eine Jubiläumsausgabe, wobei nicht klar wird, um welches Jubiläum es eigentlich geht. Auf dem blutroten Titelbild ist George Nader zu sehen, der den Jerry Cotton in den 60er Jahren gespielt hat. Es gab acht Kinofilme in Schwarzweiß. Die jazzige Titelmusik hat Peter Thomas (inzwischen 93) geschrieben, genau wie für die Science-Fiction-Fernsehserie „Raumpatrouille“. Aber das ist jetzt einen andere Geschichte. Zurück zu der Romanfigur Jerry Cotton. Wir wissen nicht, ob er so gut aussieht wie der junge George Nader, weil die Romane in der Ich-Form geschrieben sind. Wir wissen nur, dass er eigentlich immer eine Smith & Wesson am Mann hat, um finstere Gestalten in Schach zu halten oder sich abzusichern. "Die Hölle am Ende der Welt" „Meine Hände waren feucht, aber der Revolver lag fest in meiner Hand. Wieder krachte ein Schuss. Die Nebelschwaden bewegten sich. Ich prallte gegen zwei ineinander verschlungene Körper. Weißes Licht aus unsichtbaren Deckenlampen riss ein schwarzes Gesicht aus dem wirbelndem Dampf. Augen schienen aus den Höhlen zu quellen. Und ich sah den dünnen Würgedraht, der in die Haut eines Halses schnitt.“ Jerry-Cotton-Romane sind sicherlich keine literarischen Meisterwerke – aber spannend. Und am Ende gewinnt immer der Gute, nie der Böse. Die Sonderausgabe, die im Bücherschrank steht, enthält drei Romane: „Der lange Arm der Mafia“, „Mitternachtslady“ und „Seine erste Henkersmahlzeit“. 461 angegilbte Seiten und ganz hinten Werbung für einen weiteren Jerry-Cotton-Fall: „Die Hölle am Ende der Welt“. Und ausnahmsweise soll dieser Zeitungstext so abgeschlossen werden wie ein Jerry-Cotton-Roman: ENDE Die Serie In der Serie blicken wir in Bücher, die im Bücherschrank auf dem Holter Kirchplatz zu finden sind. Wir stellen in unregelmäßiger Reihenfolge Pointen aus witzigen Büchern, die Essenz aus schwermütigen Werken oder seltene Raritäten vor, die jemand aussortiert und in den Schrank gestellt hat.

realisiert durch evolver group