Will nicht erkannt werden: Mit einem blauen Papphefter verdeckt der schweigsame Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaals in Bielefeld wie bislang immer während der Verhandlungen sein Gesicht. Hereingeführt wird er von zwei Justizbeamten. - © CHRISTIAN MATHIESEN
Will nicht erkannt werden: Mit einem blauen Papphefter verdeckt der schweigsame Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaals in Bielefeld wie bislang immer während der Verhandlungen sein Gesicht. Hereingeführt wird er von zwei Justizbeamten. | © CHRISTIAN MATHIESEN

Schloß Holte-Stukenbrock/Bielefeld Pausenbrotprozess: Was Bekannte und Vorgesetzte über Klaus O. sagen

Vor dem Bielefelder Landgericht berichten ein ehemaliger Vorgesetzter sowie eine Freundin der Ehefrau des Angeklagten über ihre Erfahrungen mit dem Mann, der die Brote von Kollegen mit giftigen Substanzen manipuliert haben soll.

Schloß Holte-Stukenbrock/Bielefeld. Um die Hintergründe eines Verbrechens aufzuklären, ist es für ein Gericht unerlässlich, sich – soweit möglich – einen Einblick in das Innenleben eines Angeklagten zu verschaffen. Doch wie nähert man sich jemandem, der beharrlich schweigt? Vor dem Bielefelder Landgericht ist nun der Prozess gegen den 57-jährigen Klaus O. fortgesetzt worden, der versucht haben soll, drei seiner Arbeitskollegen mittels vergifteter Pausenbrote zu ermorden. Aufschluss über den Menschen Klaus O. erhofft sich das Gericht vor allem durch die wenigen Personen zu bekommen, die Kontakt zu dem Angeklagten hatten. So berichtete die wohl beste Freundin der Ehefrau des Angeklagten, dass bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen Klaus O. bei ihren Besuchen im Haus der Familie anwesend gewesen sei, dieser sich relativ wenig an den Gesprächen der Erwachsenen beteiligt habe. Toller Draht zu Kindern Dafür habe er einen tollen Draht zu Kindern gehabt, habe ausgelassen mit diesen herumgetobt. „Dafür habe ich ihn immer bewundert", sagte die Zeugin. Wütend oder gar aggressiv habe sie ihn nie erlebt. „Sowas hat er wohl eher mit sich selber ausgemacht." Die Frage, ob der Zeugin ein spezielles Interesse des Angeklagten an Chemie bekannt gewesen sei, verneinte diese. Astronomie sei eine Leidenschaft von Klaus O. gewesen, über Chemie sei nie gesprochen worden. In der Verhandlung wandte sich Zimmermann an die Zeugin, habe die Kammer das Bild eines im Temperament sehr unterschiedlichen Paars vermittelt bekommen. Dies bestätigt die 42-Jährige, fügt aber hinzu: „Wir Außenstehenden hatten das Gefühl, dass die beiden sich positiv ergänzen." Unhöflich war er nicht Als unauffällig, in sich gekehrt und wenig redselig beschrieb sodann auch ein ehemaliger Vorgesetzter den Angeklagten. Dieser habe sich beinahe ständig an seinem Arbeitsplatz befunden, sehr zuverlässig und sorgfältig gearbeitet. „Eigentlich kann man sich so einen Mitarbeiter als Meister nur wünschen", so der Zeuge. Um die Kollegen habe O. sich wenig geschert, sei aber nicht unhöflich gewesen. „Wenn man eine Frage hatte, bekam man auch eine Antwort. Allerdings kurz und knapp und nur auf das bezogen, was man soeben gefragt hatte. Aber das war okay, der war eben so. Er wäre der letzte Mensch, dem ich derartige Taten zugetraut hätte." Und der Angeklagte? Verhält sich exakt wie an den vorangegangenen sechs Verhandlungstagen. Ohne Spiel in seiner Mimik starrt O. vor sich auf den Fußboden, auch mit seinen Verteidigern wechselt er während der Verhandlung kein Wort. Der Prozess wird am 31. Januar fortgesetzt. Mit einem Urteil ist vor Ende Februar nicht zu rechnen.

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