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Schloß Holte-Stukenbrock Schloß Holter wird in Mexiko ausgezeichnet

Vier Jahrzehnte ist Werner Sondermann für das Kolpingwerk unterwegs. Jetzt wird er in Mexiko-Stadt für sein Wirken in der Bildungs- und Entwicklungszusammenarbeit geehrt. Obwohl er mittlerweile im Ruhestand ist, möchte er mit der Arbeit noch nicht ganz aufhören

David Knapp
11.01.2019 | Stand 11.01.2019, 17:33 Uhr

Es war damals, Mitte der 90er Jahre, und Werner Sondermann war für das Kolpingwerk in Chiapas im Süden von Mexiko unterwegs. „Mit einem Rucksack auf dem Rücken stand auf einmal Klaus Langen vor mir", erzählt Sondermann rückblickend. Augenscheinlich hatte der Kaffeeröster aus dem sauerländischen Medebach das Angebot, das Sondermann der Familie Wochen zuvor gemacht hatte, angenommen. „Ich habe ihn eingeladen, mal in Mexiko vorbeizuschauen." Reiner Small Talk, dachte Sondermann. Doch dann war Langen da, nicht in Medebach, sondern in Tuxtla Gutiérrez, auf der anderen Seite der Welt. „Ich habe ihn dann für ein paar Tage in die Berge zu den Kaffeebauern geschickt. Als er wiederkam, haben wir bei einer Büchse Bier alles besprochen." Es war die Geburtsstunde des Tatico-Kaffees, von dem heute Dutzende Tonnen jährlich exportiert werden. Die Kaffeebauern und ihre Familien haben durch das Fairtrade-Produkt seitdem ein gesichertes Auskommen. Mit dem Ruhestand kann er sich nicht anfreunden Das ist eine dieser Anekdoten, von denen Sondermann viele zu erzählen hat. Er war 37 Jahre für das Kolpingwerk tätig, lange Zeit davon als Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks Paderborn. Er war in OWL, Deutschland und der Welt unterwegs. „Die internationale Arbeit war mein Baby", sagt er. Seit fünf Jahren ist der heute 69-Jährige eigentlich im Ruhestand. Eigentlich deshalb, weil sein umtriebiger Geist sich damit nicht ganz anfreunden kann. „Es ist verrückt, aber ich kann es nicht lassen." Noch immer reist er durch die Welt, betreut Entwicklungsprojekte, hält Bildungsvorträge. Dabei würde es ihm niemand übel nehmen, wenn er ein wenig kürzer treten würde. Im Diözesanverband Paderborn schätzt man den Schloß Holter sehr. Im Februar soll er in Mexiko-Stadt deshalb mit der Konrad-Martin-Medaille für sein besonderes Wirken geehrt werden. Bevor es nach Mexiko geht, macht er einen Zwischenhalt in Honduras „Da war ich selbst ein bisschen erstaunt. Denn es ist völlig ungewöhnlich, die Medaille in Mexiko zu verleihen. Das ist eine große Wertschätzung für mich", erklärt Sondermann. Denn normalerweise wird die Auszeichnung vom Diözesanvorstand im Rahmen einer Veranstaltung in Paderborn verliehen. „Doch jetzt sind die beteiligt, für die ich das all die Jahre gemacht habe." Und das sei für ihn etwas ganz Besonderes. Zu der Verleihung wird auch seine Frau, mit der er 45 Jahre verheiratet ist und eine seiner Töchter mitreisen. Doch er wäre nicht er, wenn er einfach nur zu dem Treffen reisen und seine Auszeichnung entgegennehmen würde. Eine Woche bevor seine Familie nach Mexiko fliegt, reist der 69-Jährige nach Honduras, um dort mit Projektpartnern und Kaffeebauern den Austausch zu suchen. „Wenn man mehr als 30 Jahre unterwegs ist, kennt man vom Kardinal bis zum Botschafter jeden." Kontakte, die Sondermann weiterhin pflegen möchte. »Die Menschen sollen eine faire Chance erhalten, ihr Leben zu gestalten« Dass er überhaupt einmal entwicklungspolitisch arbeiten würde, war für Sondermann nicht immer klar. Der gebürtige Bielefelder absolvierte zunächst eine Lehre zum Kaufmann, studierte später Soziale Arbeit. Im Anschluss daran arbeitete er bei der Caritas, bis ihn die Anfrage aus Paderborn erreichte. Es folgten wechselnde Positionen beim Kolpingwerk. „Ich habe die Ochsentour mitgemacht." Trotz der unermüdlichen Arbeit gab und gibt es immer wieder Rückschläge, die es in der Zusammenarbeit zu verkraften gilt. Der Kaffeerost, ein Pilzbefall, zerstörte vor ein paar Jahren die Kaffeepflanzen der mexikanischen Bauern. Derzeit blickt Sondermann mit Sorge auf die politische Situation in Nicaragua. Es begann mit einem Jugendcamp in Brasilien Seit Monaten geht dort Präsident Daniel Ortega brutal gegen Demonstranten vor, die dessen Politik kritisieren. „Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen", zitiert der 69-Jährige ein Zitat von Adolph Kolping. Solidarität, Subsidiarität und die katholische Soziallehre seien für ihn stets wichtige Leitlinien seiner Arbeit gewesen – in Deutschland und den vielen anderen Ländern, die er in den vergangenen Jahrzehnten bereist hat. Seit 1977 ist die internationale Arbeit bei Sondermann Thema, vor allem Lateinamerika. Es begann mit einem Jugendcamp in Brasilien, das er betreute. Später folgten Projekte in weiteren Ländern: Mexiko, Nicaragua, Honduras, Costa Rica, die Dominikanische Republik – für Sondermann war es immer wichtig, die Arbeit nicht als Einbahnstraße zu verstehen. „Mir ist die Kommunikation und das Voneinanderlernen wichtig", sagt er. Sondermann will weiter unterwegs sein, mit den Menschen ins Gespräch kommen Fairer Kaffee koste beispielsweise „ein paar Pfennig mehr". Das müssten auch die Leute hier verstehen, damit Lebensbedingungen auf der anderen Seite der Welt verbessert würden und die „Menschen eine faire Chance erhalten, ihr Leben zu gestalten". Dafür will er weiter unterwegs sein, aufklären, mit den Menschen ins Gespräch kommen, „so lange ich das gesundheitlich kann und es mir Spaß macht", sagt Sondermann, der Aufklärer im Unruhestand.

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