Außenansicht: Beim Tag des offenen Denkmals 2015 bekamen Besucher einen Eindruck davon, wie die Verknüpfung von Industriemuseum und Begegnungsstätte funktionieren könnte. Die Alte Gießerei steht allerdings nicht mehr zur Verfügung. Der Eigentümer hat das Gebäude komplett vermietet. - © Karin Prignitz
Außenansicht: Beim Tag des offenen Denkmals 2015 bekamen Besucher einen Eindruck davon, wie die Verknüpfung von Industriemuseum und Begegnungsstätte funktionieren könnte. Die Alte Gießerei steht allerdings nicht mehr zur Verfügung. Der Eigentümer hat das Gebäude komplett vermietet. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Industriemuseum trotz Geld kein Thema

Heimat: Ein Förderprogramm könnte 90 Prozent der Kosten für das Museum nebst Begegnungsstätte übernehmen. Verwaltung und Politik lehnen ab. Aber es gibt 10.000 Euro für ein Ofenausstellungskonzept

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Heimat ist wieder populär. Die Landesregierung hat – ebenso wie die Bundesregierung – den Begriff „Heimat“ sogar in einem eigenen Ministerium verankert. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit August ein Förderprogramm „zur Stärkung unserer vielfältigen Heimat“. So beschreibt das Ministerium das fünf Elemente umfassende Programm. Ein hiesiger Verein hat bereits 2.000 Euro für seine Arbeit erhalten; und die Anforderungen für Geld aus einem der großen Fördertöpfe scheinen wie maßgeschneidert für das Projekt „Industriemuseum“ zu sein. Wir haben nachgefragt, ob das im vergangenen Jahr von der Politik abgelehnte Projekt unter den neuen Voraussetzungen auch eine neue Chance hat. Sieben Jahre lang hatte der Förderverein Industriemuseum für seine Idee gekämpft, ein Museum – nachdem anfangs sogar ein Neubau geplant war – in der Alten Gießerei am Holter Jagdschloss zu errichten. Die Gießerei ist eines der letzten noch bestehenden Gebäude der Holter Eisenhütte (1839 bis 1966), deren Historie eng mit der Geschichte der heutigen Stadt Schloß Holte-Stukenbrock verknüpft ist. 45 historische Öfen Das Museum sollte nicht nur ein Ausstellungsort für die mittlerweile 45 historischen Öfen und Gegenstände alter Schmiedekunst sein, die der Förderverein im Lauf der Jahre zusammengetragen hatte. Es sollte auch ein Ort der Begegnung werden, ein Haus der Geschichte und der Kultur mit Raum für Vereinsleben (Proberaum für Chöre), Privatfeiern, Empfänge oder außerschulischem Lernen. Für diese Verbindung hätte es schon unter der ehemaligen Landesregierung Fördergeld gegeben – allerdings weniger als aus der aktuellen Heimatförderung. Die neue Fördermöglichkeit „Heimat-Zeugnis“ der CDU/FDP-Landesregierung umreißt viele Elemente, die das Industriemuseum ausgezeichnet hätte. In der Beschreibung gelten Projekte als förderwürdig, „mit denen in herausragender Weise lokale und regionale Geschichte, Traditionen sowie lokale und regionale Besonderheiten aufgearbeitet und öffentlich präsentiert werden. Dies umfasst auch die Einbeziehung des Präsentationsortes sowie die Herrichtung oder Inszenierung von historischen Gebäuden (. . .).“ Das Projektvolumen muss mindestens 100.000 Euro betragen. Die Anforderungen hätten genau zum Projekt "Industriemuseum" gepasst, bestätigt Friedrich Dransfeld, Vorsitzender des Fördervereins. Anforderungen hätten genau zum Projekt gepasst Das Vorhaben scheiterte im vergangenen Jahr am Zuschuss der Stadt. CDU und FDP verweigerten die beantragten 270.000 Euro und waren bereit, maximal 144.000 Euro nach der Sportförderrichtlinie zu zahlen. Kurz darauf kündigte der Eigentümer der Alten Gießerei, Carl-Philipp Tenge-Rietberg, an, die Alte Gießerei nicht mehr für das Projekt frei zu halten. Es ist mittlerweile komplett an eine Autowerkstatt vermietet. Auf schriftliche Fragen der NW zu dem Thema hat der Eigentümer bislang nicht geantwortet. Der Förderverein kann nicht einfach aktiv werden und eigenständig Fördermittel beantragen, weil das bestehende Konzept auf die Alte Gießerei zugeschnitten war. Friedrich Dransfeld sagt, dass die Vereinsmitglieder bei einem Treffen der Archiv-Arbeitsgruppe jetzt vereinbart hätten, sich beim Thema „Industriemuseum“ vorerst zurückzuhalten. „Wir erarbeiten keinen Antrag“, sagt er. Vielmehr wolle sich der Verein um Fördergelder für andere, kleinere Projekte bemühen. Beim Thema „Industriemuseum“ seien jetzt die Stadtverwaltung oder die Parteien am Zug, die das Projekt abgelehnt hatten. "Impulse müssen die Vereine geben" Doch das ist das Dilemma. Die Stadtverwaltung hat in einer Vorlage für den Kulturausschuss bereits mitgeteilt, keine Personalressourcen dafür zu haben, „ohne akuten Anlass aufwendige Konzepte zu erarbeiten“. Für Klaus Dirks (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses, ist das Industriemuseum Geschichte. Das Konzept „Museum mit Begegnungszentrum“ weiter zu verfolgen, sei von der CDU nicht geplant. „Wir denken in diese Richtung nicht nach. Impulse müssen die Vereine geben.“ Er verweist darauf, dass es in Schloß Holte-Stukenbrock bereits genügend Möglichkeiten für Vereine gebe, und führt Vereinsheime und die Aula am Gymnasium und an der Gesamtschule an. Auch die Aussicht auf eine hohe Förderung sei nicht relevant. Wenn der Förderverein bei erwarteten Kosten in Höhe von 900.000 Euro die maximale Förderung in Höhe von 90 Prozent, also 810.000 Euro, erhielte, läge der Zuschuss bei 90.000 Euro und damit weit unter dem Betrag, den CDU und FDP schon bereit waren, zu geben. „Sie dürfen nicht nur über das Investment reden“, sagt Klaus Dirks. Das Problem sieht er in dauerhaften Neben- und Personalkosten. Aber auf eines darf der Förderverein hoffen: eine neue Ofenausstellung. Für die Konzeption hat der Haupt- und Finanzausschuss jetzt 10.000 Euro in Aussicht gestellt. Momentan stehen die historischen Öfen eher ungeordnet im Rathaus. „Material reicht für das Rathaus und ein Museum“ Wieder Ordnung in die Ausstellung zu bekommen, das ist das Anliegen des Bürgermeisters. Hubert Erichlandwehr hatte im Rahmen der Beratungen über den städtischen Etat 2019 damit überrascht, dass die Verwaltung bereits Angebote für ein professionelles Ausstellungskonzept eingeholt hat. Diese Angebote schwanken zwischen 6.000 und 17.000 Euro. Während CDU-Fraktionssprecher Lars Pankoke die Initiative des Bürgermeisters lobte („Prima!“) und anregte, Öfen auch in den Büros der Stadtwerke auszustellen („Das passt thematisch“), war der Grüne Bruno Reinke knurrig. Offensichtlich gibt der Fraktionssprecher die Hoffnung auf ein Industriemuseum noch nicht auf. Und deshalb darf seiner Ansicht nach auf keinen Fall Geld in ein professionelles Ausstellungskonzept für das Rathaus gesteckt werden. „Denn dann ist die Sache zementiert.“ SPD-Ratsherr Bruno Schmidt war pragmatisch. Es gebe so viel Material über die Holter Hütte, „das reicht für das Rathaus und ein Industriemuseum“. ?(sk) Geld für Liemker Dorfentwickler Das Heimatförderprogramm sieht nicht nur Geld für große Projekte vor. Auch für kleine Maßnahmen kann es unbürokratisch Geld geben. Den Liemker Dorfentwicklern bewilligte die Bezirksregierung innerhalb kurzer Zeit 2.000 Euro aus dem Förderprogramm „Heimat-Scheck“ für eine Bilderausstellung. 1.000 Projekte werden pro Jahr mit diesem Betrag gefördert. Günter Kerstingtombroke hatte am 19. November von der Möglichkeit erfahren, am 20. war Einsendeschluss für den Antrag, am 24. war der Scheck schon da. Das Geld muss im Jahr der Antragstellung verwendet werden. Deshalb werden die Dorfentwickler noch im Dezember wahrscheinlich im Pfarrheim historische Fotos und Bilder von Liemke ausstellen. „Wir waren überrascht, dass es so schnell gegangen ist.“ ?(gri)

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