Unglaublich: Fynn hält die Gespenstheuschrecke mutig in den Händen. Jonah, Ela und Ida stehen heben ihm und staunen. Auch andere Insekten wie die Stabheuschrecke oder Tausendfüßer können die Drittklässler in Augenschein nehmen. - © Karin Prignitz
Unglaublich: Fynn hält die Gespenstheuschrecke mutig in den Händen. Jonah, Ela und Ida stehen heben ihm und staunen. Auch andere Insekten wie die Stabheuschrecke oder Tausendfüßer können die Drittklässler in Augenschein nehmen. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Kinder kommen Insekten ganz nah

Heimatverein: Drittklässler der Grundschule Stukenbrock bauen Nisthilfen, erleben Insekten hautnah und dürfen in den Imkerschutzanzug schlüpfen. Am Ende gibt es Honigbrote

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Ganz vorsichtig holt Günter Potthoff die Gespenstschrecke aus dem gläsernen Kasten im Stukenbrocker Heimathaus. Ida ist die Erste, die sich traut, sich das riesige Insekt mit den kleinen Stacheln an den Beinen auf ihren Arm setzen zu lassen. Die Klassenkameraden um sie herum verfolgen die Szene mit großen Augen und offenen Mündern. „Darf ich auch mal“, dieser Wunsch ist schnell da, die Skepsis schnell vergessen. Die so hautnahe Begegnung mit der Gespenstschrecke, die ihren Ursprung in Malaysia hat, mit Tausendfüßern aus Mosambik, Stabheuschrecken aus Vietnam und Thailand, die aussehen wie Äste, die sich plötzlich in Bewegung setzen: ein einmaliges Erlebnis für die Kinder der Klasse 3b der Katholischen Grundschule Stukenbrock. Einen Schultag lang sind die 26 Jungen und Mädchen am Dienstag mit ihrem Klassenlehrer Julius Büscher und Referendarin Nicole Gil beim Heimatverein Schloß Holte-Stukenbrock an den Heimathäusern zu Gast. Günter Potthoff hat auch Raupen und Kokons des Wiener Nachtpfauenauges mitgebracht und 20 kanadische Augenspinnenraupen. „Die Verwandlung zum Schmetterling ist immer wieder faszinierend“, so geht es auch Potthoff selbst immer noch. „Die Entwicklung vom Ei bis zum Schlupf zu verfolgen, das ist phantastisch.“ Zunehmend aber ist sie seltener zu beobachten. Die Rodung des Urwaldes, der Einsatz von Giften, das Abflammen riesiger Flächen. „Insektensterben ist ein weltweites Problem“, gibt Potthoff zu bedenken. „Mittlerweile ist das in den Köpfen vieler Menschen angekommen.“ In denen der Drittklässler sowieso. Potthoff ist erstaunt, wie unglaublich interessiert die Kinder sind. Oben auf dem Dachboden dürfen sie Imkerschutzanzüge überstreifen und einen Blick in den Bienenkasten werfen, in dem ein munteres Gewusel herrscht. „Solche Erlebnisse“, da ist sich Potthoff sicher, „die behält man ein Leben lang.“ Panisch loszuschreien, „igitt“ zu rufen, Spinnen und andere Insekten womöglich einfach totzutreten, das sei der völlig falsche Weg“, mahnt er. „Die Kinder sollten möglichst früh lernen, wie wichtig die Tiere für die Umwelt sind.“ Ohne Bienen beispielsweise werde es auch kein anderes Leben geben. Auf großen Stellwänden, die von Dieter Robrecht aus Stukenbrock und Rudi Pähler aus Verl bestückt worden sind, können die Drittklässler Tagfalter, Spinner, Spanner und Schwärmer (allesamt Schmetterlinge) in Augenschein nehmen. Bienenhotels aus Eichenholz Heribert Faupel und Michael Bahners sind für den praktischen Teil des Vormittags zuständig. Mit einer zweiten Kindergruppe bohren sie mit Hilfe von Bohrständern und Akkuschraubern Löcher in Holz und haben am Ende Nisthilfen für die Insekten fertig. „Ich habe sogar schon eine Stelle für die Nisthilfe“, erzählt Lennox (8) von einem Platz am Bach im Wald. „Da steht ein Baum, der auseinandergeht.“ Genau dazwischen soll die Nisthilfe künftig stehen. Kira (8) gehört zu denen, die besonders emsigen Löcher produzieren und geschickt sind im Umgang mit dem Bohrer. Und das hat seinen Grund: „Ich habe zu Hause mit Papa schonmal so was gebaut.“ Enya (fast 8) war mit der OGS bereits in den Heimathäusern zu Besuch, „aber Nisthilfen habe ich bisher noch nicht gemacht“. Wofür die Löcher gut sind? Enya weiß es natürlich. „Da legen die Bienen ihre Eier rein.“ Das Thema werde auch im Unterricht aufgearbeitet, bestätigt Julius Büscher. Blühstreifen oder Wildwiesen anlegen, den Strauchschnitt nicht sofort wegwerfen, darüber werden die Drittklässler im Sinne der Erhaltung der Natur noch ausführlich sprechen. Auch Frank Ahnfeldt von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne ist gekommen. Er erklärt, warum Erlen- und Eichenholz für den Bau von sogenannten Insektenhotels besser geeignet ist als anderes. „In Nadelhölzern verkleben die Flügel der Insekten, auch die Larven kleben fest.“ Wichtig sei, möglichst viele unterschiedlich große Löcher herzustellen, damit jedes Insekt seinen Platz finde. Mechthild Faupel und Christine Potthoff hatten unterdessen Honigbrote geschmiert, die die Kinder mit großem Appetit verputzten.

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