Man sieht nur, was man weiß: Stadtführer Heinz Renerig wies an der einstigen Holter Eisenhütte auf die unterschiedlichen Fenster hin (im Hintergrund links), die den Kunden früher als Muster präsentiert wurden. - © Knut Dinter
Man sieht nur, was man weiß: Stadtführer Heinz Renerig wies an der einstigen Holter Eisenhütte auf die unterschiedlichen Fenster hin (im Hintergrund links), die den Kunden früher als Muster präsentiert wurden. | © Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock Erinnerungen an die eigene Kindheit

Tag des offenen Denkmals: Die Stadt an der Emsquelle wurde im Laufe der Zeit oft vereint.

Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock. „Entdecken, was uns verbindet", lautete das Motto zum bundesweiten „Tag des offenen Denkmals". In Schloß Holte-Stukenbrock brauchten die sechs Stadtführer Andreas Köhler, Ursula Pankoke, Gabriele Wüstehube, Ingrid Henrichs, Heinz Renerig und Giesela Hörster nicht lange nach Anknüpfungspunkten zu forschen. Denn die fünf Ortsteile wurden im Laufe ihrer Geschichte gleich dreimal miteinander verbunden. Am Schloss fanden sich bei drei Führungen mehr als 200 Interessenten ein. Liemke und die Grafschaft Rietberg Im Jahr 1153 wurden die sechs Urhöfe, die sich auf heutigem Stadtgebiet befanden, erstmals schriftlich erwähnt, erläuterten die Stadtführer Andreas Köhler und Heinz Renerig ihren Gästen. Der Bischof von Paderborn vermachte sie in ihrer Gesamtheit einem Kloster. Später wurde das Gebiet wieder aufgeteilt. Im Gemeindewappen ist noch abzulesen, dass Liemke (heute Schloß Holte) zur Grafschaft Rietberg gehörte, während Stukenbrock dem Fürstbistum Paderborn unterstand. Erst 1807, als Napoleon über fast ganz Europa herrschte, wurde die Trennung aufgehoben. Von 1813 an kehrte dann Stukenbrock zum Einflussbereich von Paderborn zurück, Schloß Holte fand sich im Königreich Preußen wieder. Die dritte Verbindung erfolgte 1970 im Zuge der Verwaltungsreform. Eine weitere Station des Rundgangs war ein kleiner unscheinbarer Gedenkstein. Er wurde 1913 von der Gemeinde Liemke errichtet. Damit sollte an die 100-Jahr-Feier der Befreiungskriege 1813 erinnert werden. „Eine Verbindung bedeutete auch dies", sagte Köhler. „Mit dem Sieg über Napoleon wurde die Idee von Europa gebildet." In unmittelbarer Nachbarschaft sind noch einige Gebäude der früheren Holter Eisenhütte erhalten. Von 1839 bis 1843 von Friedrich Ludwig Tenge errichtet, entstand hier ein Industriebetrieb inmitten der landwirtschaftlich geprägten, recht armen Region. „Es war das erste Unternehmen, wo man auch Geld verdienen konnte", erläuterte Renerig. Zuvor wurden die Arbeiter auf den Höfen mit Wohnrecht und Nahrungsmitteln entlohnt. Bis 1966 wurden in der Hütte gusseiserne Öfen und Fenster hergestellt. Die beiden Stadtführer wiesen auf die noch vorhandenen vier Fenster hin, die in die Backsteinwand eingebaut wurden. Zurück am Schloss konnten die Besucher am Sonntag auch einen Blick in die Kapelle werfen. Das Gebäude mit der auffallenden gelben Farbe wird privat bewohnt und ist nicht öffentlich zugänglich. Köhler berichtete, dass rund 100 Jahre lang zunächst eine Wehrburg an dieser Stelle gestanden hatte. Nach einem Brand wurde auf den Fundamenten zwischen 1608 und 1616 das heutige Bauwerk als Jagdschloss im Renaissancestil errichtet. Das große schmiedeeiserne Flügeltor am Eingang sei jedoch erst viel später im 19. Jahrhundert entstanden, verriet Köhler den Gästen. Selbst einigen Fachleuten sei dieser Unterschied nicht aufgefallen. Führung auch für Einwohner interessant „Das war interessant", meinte Dirk Altemeier anschließend. „Selbst als Einwohner sollte man eine solche Führung mitgemacht haben. Die Hintergründe kriegt man ja von außen gar nicht mit." Für Elisabeth Rothe, die heute in Göttingen lebt, war es eine Erinnerung an die Kindheit. „Von Rheda aus hat mich mein Großvater oft hierher geführt, um mir das Schloss zu zeigen. Je älter man wird, desto mehr interessiert man sich für die Vergangenheit."

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