Kristin Trede (l.) und Reitgehilfin Maren Röllke mit den Freibergern Naika (l.) und Julia. Die beiden Pferde sind mit einem Alter von acht Monaten aus der Schweiz nach Deutschland gekommen. - © Noah Matzat
Kristin Trede (l.) und Reitgehilfin Maren Röllke mit den Freibergern Naika (l.) und Julia. Die beiden Pferde sind mit einem Alter von acht Monaten aus der Schweiz nach Deutschland gekommen. | © Noah Matzat

Schloß Holte-Stukenbrock Auf die Freiberger gekommen

Gerettet: Julia und Naika sollten zum Schlachter. Jetzt stehen die seltenen Schweizer Pferde auf den Wiesen in Schloß Holte-Stukenbrock

Noah Matzat

Schloß Holte-Stukenbrock. Kristin Trede gibt das Signal und die beiden Freiberger schießen los. Hufe stampfen auf den Boden, die beiden Tiere galoppieren um die Wette. Erst kurz vor der Umzäunung der Koppel kommen sie zum Stillstand. „Da soll noch mal jemand sagen, dass die Freiberger träge sind", sagt Trede. Im Dezember 2017 entscheidet sich Tierheilpraktikerin Kristin Trede dazu, sich zwei Freiberger Fohlen anzuschaffen. Julia und Naika sind ungefähr acht bis neun Monate alt, als sie nach Deutschland kommen. Sie haben eine bewegende Geschichte hinter sich. Heute werden die Tiere als leichtes Kaltblut oder schweres Warmblut bezeichnet. Ihren Ursprung hat die letzte ursprünglich schweizerische Pferderasse auf dem Hochplateau „Freiberge". Lange Zeit galten die Tiere als Ackergäule und Zugpferde, die nicht für den Reitsport geeignet sind. Durch beachtliche Erfolge des Schweizer Gespannfahrers Jerome Voutaz können die Freiberger aber auch auf der internationalen Sportbühne langsam auf sich aufmerksam machen. Voutaz fährt sein Gespann mit vier Freibergern – ein Novum. »So hat der Züchter keinen Grund mehr, die Pferde zum Schlachter zu geben« Kristin Trede erklärt: „Die Pferde sind Alleskönner. Ich kann sie theoretisch vor die Kutsche spannen, Bäume mit ihnen im Wald ziehen, einen Acker mit ihnen umpflügen, aber halt auch einfach auf ihnen reiten." Die Klischees, dass Freiberger schwerfällig und langsam sind, die kann Trede nicht bestätigen. Die Tierheilpraktikerin hat Julia und Naika auf einer Fohlenschau in der Schweiz kennengelernt. Die beiden waren schon verkauft, doch der Käufer zog sein Angebot zurück. Der Züchter entschied sofort, dass die Fohlen zum Schlachter gehen sollten. In der Schweiz gibt es für jedes gezüchtete Fohlen eine Prämie. „500 Schweizer Franken bekommen die Züchter quasi bei jeder Geburt", erklärt Trede. Als Prämie zum Rasseerhalt. Können die Tiere nicht verkauft werden, wie im Fall von Julia und Naika, verdient der Züchter trotzdem noch etwas, weil er die Fohlen zum Schlachter gibt. Damit es bei den beiden Freibergern aber nicht so weit kommen konnte, schritt Trede ein. Sie kaufte die beiden auf der Fohlenschau. „So hat der Züchter keinen Grund mehr, die Pferde zum Schlachter zu geben", sagt Kristin Trede. An die Züchter zu appellieren, bringe nichts, die könne man ja in gewissem Sinne auch verstehen, sagt Trede. Tiere mit klarem Kopf Über den Verein „" wurden die beiden Tiere nach Schloß Holte-Stukenbrock transportiert. „Erst haben wir sie auf die Nachbarkoppel gelassen, nach drei Wochen hatten sich schon alle sechs Pferde aus der Herde aneinander gewöhnt", sagt Kristin Trede. In anderthalb Jahren kann die Reitausbildung mit Julia und Naika beginnen. Natürlich ist es ein Mehraufwand sich ein junges Pferd aus der Schweiz zu kaufen, aber auf der anderen Seite, weiß der Reiter dann, was er bekommt, wenn er sein Pferd selbst ausbildet, sagt Trede. „Für mich ist wichtig, dass die Tiere einen klaren Kopf haben und nicht mal eben durchgehen." Wer ein vielseitiges Pferd haben möchte, der findet in den Freibergern genau das richtige Pferd, sagt die Tierheilpraktikerin. Trede will auch noch mit 85 Jahren auf den Freibergern reiten. Das kann klappen, denn die Pferde werden bis zu 30 Jahre alt. Mehr Informationen zu der Fohlenschau und Freibergern gibt es hier.

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