Der Dirigent und sein Chor: Intensiv probt Musiklehrer Knut Peters jede Woche mit den Sängerinnen. Er ist überzeugt, dass sie die anspruchsvolle Komposition bis Anfang Dezember bewältigen werden. - © Knut Dinter
Der Dirigent und sein Chor: Intensiv probt Musiklehrer Knut Peters jede Woche mit den Sängerinnen. Er ist überzeugt, dass sie die anspruchsvolle Komposition bis Anfang Dezember bewältigen werden. | © Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock Mit Mut zum hohen C

Anspruchsvolles Werk: Gymnasiallehrer Knut Peters probt mit 100 Chormitgliedern die Totenmesse „Requiem“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock. Wenn Knut Peters zu Gruppen spricht, strahlt er Begeisterung und Zuversicht aus. Mit seiner optimistischen, fröhlichen Art hat er schon viele Chöre zu Höchstleistungen animiert. Dank dieser Fähigkeit konnte der Musiklehrer am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock bereits mehrere große Konzerte erfolgreich präsentieren. Jetzt hat er erneut ein anspruchsvolles Werk ausgewählt: das „Requiem in d-Moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Wer mag, kann gern noch an den Proben teilnehmen und die bereits vorhandenen einhundert Stimmen weiter verstärken. Im Raum 09 startet gerade eine Dampflokomotive. Es zischt und schnauft und klingt als werde der Kessel angeheizt. Das Getöse sind in Wirklichkeit einige Lockerungsübungen für das Zwerchfell. Denn wer stimmlich viel leisten will, muss sich gut vorbereiten. „Wir gehen die Sache ernsthaft an“, erläutert Peters den 35 heute anwesenden Sängerinnen. „Aber wir wollen auch Spaß daran haben.“ Anschließend werden noch die Worte „Regen“, „Sonne“ und „Jubel“ abgestimmt. Peters gibt die Tonfolge auf dem Flügel vor, die Sängerinnen folgen und erreichen jedes Mal fast unmerklich immer höhere Töne. Peters ist ganz angetan. „Ja, toll, das hohe C war das doch schon. Noch ein bisschen dran feilen, aber das klappt wunderbar.“ Zum Ende des Einsingens brechen die Sängerinnen noch in ein gemeinschaftliches, schallendes Gelächter aus. »Mozarts Requiem hat dieselbe Bedeutung wie Goethes Faust« Das „Requiem“ war das erste große kirchenmusikalische Werk Mozarts. Diese Seelenmesse, eine Auftragsarbeit, blieb jedoch zunächst unvollendet. Die Niederschrift blieb ein Fragment, da der Komponist bereits mit 34 Jahren verstarb. Zahlreiche berühmte Dirigenten haben das Werk aufgeführt, Schallplatten und CDs aufgenommen, Passagen wurden in Filmen und Popsongs verwendet. In der Musik besitze das „Requiem“ dieselbe Bedeutung wie Goethes „Faust“ für die Literatur, meinte Peters, der sowohl Musik als auch Deutsch unterrichtet. „Es ist schon etwas ganz Besonderes, ein Mal im Leben das ‚Requiem‘ gesungen zu haben“. Die Totenmesse habe der Komponist gar nicht verstörend-düster angelegt. Vielmehr sei das Werk „eingängig, lyrisch, kantabel (gut singbar) und weist packende Steigerungen der Trompeten und Posaunen auf“, sagte Peters. „Manche Stellen sind einfach tränentreibend, andere öffnen den Zugang zu transzendentalen Erfahrungen.“ Mit der Sprache der Musik lasse sich vieles ausdrücken, was mit dem geschriebenen oder gesprochenen Wort sonst nicht möglich sei. Der Chor besteht aus 20 Schülerinnen und 80 weiteren Erwachsenen. Für die Gymnasiastinnen (sie gehören zum „Vokalpraktischen Kurs der Jahrgangsstufe 12“) bedeutet das Projekt eine immense Herausforderung. „Sie haben bisher nur Popmusik gesungen“, meinte Peters. „Aber das kriegen sie hin.“ Der Pädagoge ist überzeugt, dass es auch weitere Interessenten schaffen werden. „Nur Mut“, sagte er. „Wer schon ein bisschen Sangeserfahrung hat, kann gern noch dazukommen.“ Zwei Konzerte sind geplant. Sie werden ein unvergleichliches Erlebnis, versprach er. Allein die Akustik in den Kirchen in Kaunitz und Wiedenbrück sei überwältigend. Außerdem werden hochrangige Instrumentalisten zu den Aufführungen erwartet. Mitwirkende sind das Symphonieorchester „Verler Vier Jahreszeiten“, Prof. Thomas Lindhorst an der Klarinette, weitere Profimusiker von renommierten Orchestern und ein Gast, der eigens aus London anreisen wird. Es ist Soohong Park (26), der bereits als Jugendlicher in Detmold an der Hochschule für Musik aufgenommen wurde und hier sein Diplom als Konzertpianist erwarb. Bei allen Musikern handelt es sich um Studienkollegen von Peters. Er pflegt die Kontakte zu ihnen seit vielen Jahren, weiß aber auch: „Sie kommen wegen des künstlerischen Niveaus und weil sie die herzliche Atmosphäre bei uns schätzen.“

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