Imposant: Hirsch Rudi ist das Oberhaupt in seinem Gehege. In der Brunftzeit zwischen September und Oktober muss Jürgen Dresselhaus besonders vorsichtig sein, wenn er in das Gehege geht, weil Rudi dann sein Revier verteidigen möchte. - © Noah Matzat
Imposant: Hirsch Rudi ist das Oberhaupt in seinem Gehege. In der Brunftzeit zwischen September und Oktober muss Jürgen Dresselhaus besonders vorsichtig sein, wenn er in das Gehege geht, weil Rudi dann sein Revier verteidigen möchte. | © Noah Matzat

Schloß Holte-Stukenbrock Den Hirsch im Garten

Außergewöhnliches Hobby: Jürgen Dresselhaus hat sich einen eigenen Hirschpark gebaut. Rudi und seine Kühe können sich auf 17.000 Quadratmetern ausleben

Noah Matzat

Schloß Holte-Stukenbrock. Zuerst kommen die sechs Hirschkühe angelaufen. Mit ihren forschen Blicken scannen sie das Gehege und den Futtertrog, in dem gerade Hafer ausgelegt ist. „Die wissen mittlerweile ganz genau, wenn ich komme, dann gibt es Futter", sagt Jürgen Dresselhaus, der das gleichnamige Familienunternehmen leitet. „Die" sind sechs Hirschkühe und Rothirsch „Rudi". Jürgen Dresselhaus hat vor sieben Jahren damit begonnen, sich ein privates Tiergehege zu bauen. Hirschpark Direkt hinter den Hirschkühen kommt Rudi bedächtig und ohne Eile zum Futtertrog gestapft. Dresselhaus kann sich ohne Probleme auf wenige Meter nähern. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis seine Tiere so zutraulich waren. „So etwas gibt es in freier Wildbahn natürlich nicht, da können Kinder die Hirschkühe nicht durch den Zaun füttern", erklärt der Unternehmer. Die Idee des privaten Hirschgeheges begann mit der Grundstücksfläche. „Die Flächen waren da und wir haben überlegt, was wir damit anstellen können", erklärt Jürgen Dresselhaus. Sein Vater Günter, der das Familienunternehmen 1971 gründete, fügt hinzu: „Dann denkt man schon, dass das doch eigentlich eine kleine Sensation wäre, wenn man so einen privaten Hirschpark hätte." Viele Umbauten auf dem Grundstück Also pflanzte die Familie insgesamt 30 Bäume neu, zäunte das Gelände ein, ließ Unterstände und Futtertrog liefern und baute sich nach und nach ein Hirschgehege auf. Auf 17.000 Quadratmetern haben die Tiere eine gute Lebensqualität, sagt Jürgen Dresselhaus. Das Gehege umfasst mehrere weitläufige Wiesenflächen und ein Waldgebiet. Muss auf einer der Flächen etwas gemacht werden, wie Reparaturen oder wenn der Rasen gedüngt werden muss, dann kann das Gehege unterteilt werden. So können die Tiere zeitweise in einen abgetrennten Bereich eingezäunt werden. „Man muss immer vorsichtig sein. Egal ob die Tiere zutraulich sind oder nicht. Es sind immer noch Wildtiere, deren Aktionen nicht immer vorhersehbar sind", sagt Jürgen Dresselhaus. Aber wie kommt man überhaupt an Hirsche? „Da gibt es Züchter, bei denen man die Tiere kaufen kann. Je nach Abstammung sind die Preisunterschiede da aber natürlich auch groß", erklärt Dresselhaus. Möchte man dann ein solches Tier halten, müssen einige Auflagen wie zum Beispiel ein Unterstand erfüllt sein. Besondere Vorsicht in der Brunftzeit Bald kann sich Jürgen Dresselhaus nicht mehr so nah an Rudi herantrauen. In der Brunftzeit ist der Hirsch deutlich aggressiver und verteidigt sein Revier. Auch wenn Dresselhaus eine vertraute Person für das Tier ist, muss er aufpassen. „Nur schnell Futter rein und weg. Sonst kann Rudi mit seinem Geweih viel zu gefährlich werden." Das Geweih ist das Aushängeschild eines Hirsches. Jedes Jahr wächst es von März bis Juli nach Abwurf des alten Geweihs neu und wird dabei immer größer und verzweigter. „Einerseits muss der Hirsch eine gute Veranlagung haben, andererseits ist auch das Futter wichtig", sagt Dresselhaus. Pro Tag wächst es rund zwei Zentimeter. „Da kann man beim Wachsen ja schon zugucken", fügt sein Vater Günter Dresselhaus hinzu und lacht. Pferde stehlen mehr Zeit Der Hirsch ist aber nicht das zeitintensivste Hobby der tierlieben Familie, denn sie haben daneben auch noch zwei Pferde. „Deren Pflege ist viel aufwendiger", sagt Jürgen Dresselhaus. Die 14-jährige Tochter Ricarda Dresselhaus reitet schon seit Jahren. Da ist es praktisch, dass die Familie eine eigene Reitkoppel hat, auf dem das Springreiten geübt werden kann. Und die Übung zahlt sich aus. „Sie hat dieses Jahr schon einige Platzierungen gewonnen und ist zum Beispiel bei den Stadtmeisterschaften auf dem zweiten Platz gelandet", sagt Jürgen Dresselhaus.

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