Willkommen und Adieu: Heinz-Wilhelm Tzschentke (SPD) nimmt von Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (r.) seine Abschiedsgeschenke entgegen. Neue dritte ehrenamtliche Bürgermeisterin ist jetzt Barbara Kammertöns (CDU). Sie arbeitet seit 2004 als Sachkundige Bürgerin, seit 2014 als Ratsfrau in der Kommunalpolitik mit. - © Sabine Kubendorff
Willkommen und Adieu: Heinz-Wilhelm Tzschentke (SPD) nimmt von Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (r.) seine Abschiedsgeschenke entgegen. Neue dritte ehrenamtliche Bürgermeisterin ist jetzt Barbara Kammertöns (CDU). Sie arbeitet seit 2004 als Sachkundige Bürgerin, seit 2014 als Ratsfrau in der Kommunalpolitik mit. | © Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock Opposition fühlt sich von CDU provoziert

Nachwahl: Heinz-Wilhelm Tzschentke (SPD) als dritter stellvertretender Bürgermeister verabschiedet. Barbara Kammertöns rückt nach. Damit stellt die CDU inklusive hauptamtlichem alle vier Bürgermeister

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Nachwahl des dritten stellvertretenden Bürgermeisters, weil der bisherige Amtsinhaber an die Nordsee gezogen ist: Hubert Erichlandwehr gab als letzter seine Stimme ab. Bevor der hauptamtliche Bürgermeister (CDU) seinen Zettel in die Wahlurne steckte, warf er einen schellen Blick auf die Sitzreihe der Opposition. Die Wahl seines ehrenamtlichen Stellvertreters ging dann so aus: sechs Stimmen für Britta Rusch (CSB), zehn für Aloys Hasken (SPD), 17 für Barbara Kammertöns (CDU). 18 Ratsmandate (inklusive hauptamtlichem Bürgermeister) haben die Christdemokraten aktuell. Und da eher unwahrscheinlich ist, dass ein Mitglied der Oppositionsfraktionen die CDU-Kandidatin gewählt hat, wird wohl ein Christdemokrat einem der anderen Kandidaten seine Stimme gegeben haben. Vorausgegangen war ein Schlagabtausch im Rathaus und der Appell des Bürgermeisters, bei der Wahl dem Gewissen zu folgen. Nach einer Kommunalwahl werden Ausschussvorsitze und die Posten der stellvertretenden Bürgermeister nach einem bestimmten Berechnungsverfahren (d’Hondt) an die Fraktionen vergeben. Im Frühsommer 2014 wurde der SPD als zweitgrößter Fraktion das Amt des dritten Stellvertreters zugesprochen, das Heinz-Wilhelm Tzschentke wie schon seit 2004 inne hatte. Bei einer Nachwahl, die durch Tzschentkes Umzug nach Jever notwendig geworden war, läuft das anders. Es entscheidet die einfache Mehrheit. »Das schadet dem Amt« Dass die CDU nun mit Barbara Kammertöns eine eigene Kandidatin aufstellte und das Amt nicht der Opposition überließ, sorgte für Empörung. SPD-Fraktionssprecherin Marion Herzog kündigte an, das rechtlich prüfen zu lassen. Das provozierte Thorsten Baumgart (FDP). Das Verfahren der Nachwahl sei gesetzlich eindeutig geregelt. Und Herzogs Kritik finde er „frech". Metin Eser (SPD) erklärte, er verstehe gar nicht, dass die CDU der SPD den dritten Bürgermeister nicht gönne. Und Matthias Altemeier (Grüne) erklärte, drei ehrenamtliche CDU-Bürgermeister stelle keine Verhältnismäßigkeit dar. „Das schadet dem Amt." Jürgen Gärtner behauptete als eine seiner letzten Amtshandlungen als CDU-Fraktionssprecher, dass die SPD zwar ein Gespräch angekündigt habe, es aber nie dazu gekommen sei. Marion Herzog hingegen zischte den Pressevertretern zu, dass man sehr wohl miteinander geredet, zu dem Zeitpunkt aber schon festgestanden habe, dass die CDU mit einem eigenen Kandidaten antritt. Und wenig später betonte der designierte CDU-Fraktionssprecher Lars Pankoke vor der Tür des Ratssaales gegenüber der NW noch einmal ausdrücklich, dass das eine falsche Darstellung sei. "Wir werden dich sicherlich vermissen" Heinz-Wilhelm Tzschentke bekam das schon gar nicht mehr mit. Er hatte sich am Montagabend schnell wieder auf den neuen Heimweg Richtung Nordsee gemacht, ausgestattet mit der gläsernen Ehrenschale der Stadt und einem Blumenstrauß. Zuvor hatte er die Laudatio des hauptamtlichen Bürgermeisters gehört. Hubert Erichlandwehr lobte die Zusammenarbeit, Tzschentkes Kompromissbereitschaft und Sachverstand. Ab 1999 war der überzeugte Sozialdemokrat Sachkundiger Bürger, ab 2001 Ratsherr, er leitete zehn Jahre lang den SPD-Ortsverband und war Mitglied des Aufsichtsrates der Gewerbepark Senne GmbH. Dieses Amt hat nun SPD-Kollege Bruno Schmidt übernommen. Zum Abschied von allen Ämtern stellte Tzschentke am Montagabend jedem an der Ratssitzung Beteiligten eine Flasche Jever-Pils alkoholfrei an seinen Platz. „Wir werden dich sicherlich vermissen", das waren Hubert Erichlandwehrs letzte Worte. „Aber wir wissen, dass du da oben gut aufgehoben bist."

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