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Der letzte Schrei: Rockfans feiern auf dem bisher letzten Serengeti-Festival im Jahr 2015. Wie beim ersten Konzert am Hallenbad im Jahr 2006 regnete es zunächst heftig. Der erste Festivaltag ging mit Verspätung los. Die Fans feierten durchnässt und im Matsch weiter. - © Patrick Herrmann
Der letzte Schrei: Rockfans feiern auf dem bisher letzten Serengeti-Festival im Jahr 2015. Wie beim ersten Konzert am Hallenbad im Jahr 2006 regnete es zunächst heftig. Der erste Festivaltag ging mit Verspätung los. Die Fans feierten durchnässt und im Matsch weiter. | © Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock Neue Hoffnung für ein Serengeti-Festival 2020

Open-Air: Drei Jahre nach dem Ende des Musikfestivals fragen die Fans immer noch, wann es endlich eine Neuauflage gibt. Auch Organisator Walent Cerkez scheint wieder Lust zu bekommen

Sigurd Gringel
20.06.2018 | Stand 20.06.2018, 14:05 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Mal ist es ein Foto, dass ihm ein Bekannter via Smartphone schickt, mal ist es eine Zufallsbegegnung. Viele Musikfans erinnern sich an das Serengeti-Festival, und sie lassen andere wissen, dass sie es gern wieder hätten. Insbesondere den Festivalmacher Walent Cerkez. Deshalb hat er den Gedanken an eine Neuauflage nie aufgegeben. Allerdings muss der Zeitpunkt stimmen. Erinnerungen Walent Cerkez sitzt auf Einladung der NW in der Redaktion und erzählt. Über das Serengeti, über weitere Veranstaltungen, die er mit seiner Agentur „Vibra Agency" verwirklicht und über die Musikbranche. Denn auch die Redaktion erhält immer noch Anfragen, wann das größte Open-Air-Musikfestival in Ostwestfalen-Lippe denn endlich wieder stattfindet. Er zeigt ein Foto auf seinem Smartphone. Vor wenigen Tagen zugestellt. Ein Bekannter und dessen Sohn sitzen in Hamburg am Hafenkai und grüßen in die Kamera. Beide tragen ein Serengeti-T-Shirt. Vor ein paar Tagen, sagt Cerkez, ist er zum Tennisspielen gefahren. Da kam ihm eine junge Frau entgegen. Ebenfalls mit einem Serengeti-T-Shirt. Es gebe häufig schriftliche und mündliche Anfragen. Es sei sogar ein Crowd-Funding-Projekt zur Finanzierung angeregt worden. Die Fans deuten die Indizien. So ist zum Beispiel noch die Internetseite des Festivals aktiv. Die Facebookseite wird alle paar Tage aktualisiert. Klar, die Agentur nutzt die 21.000 Seitenabonnenten, um für ihre anderen Veranstaltungen zu werben, aber nährt damit auch die Spekulationen um eine Neuauflage. Und Walent Cerkez sagt: „Ich habe niemals nie gesagt." Der Ausstieg Das erste Serengti-Festival fand 2006 einen Tag lang auf der Wiese am Hallenbad statt, wuchs von Jahr zu Jahr und wechselte 2011 auf eine Wiese gegenüber dem Safaripark. 2015 zog Walent Cerkez für viele Fans überraschend einen Schlussstrich. „Es war genau die richtige Entscheidung", sagt er heute. Denn die Festivalbranche erlebte eine turbulente Zeit. Kleine Festivals blieben aus verschiedenen Gründen auf der Strecke: Die Bands wurden teurer, Manager sagten für ihre Künstler lieber bei den großen Festivals zu oder bei Veranstaltern, die gleich mehrere Festivals im Verbund organisierten. Kleine, unabhängige Festivals wie das Serengeti hatten oft das Nachsehen. „Wenn sich die Großen kloppen, ziehen wir uns lieber zurück", sagt Walent Cerkez. Kleine sind im Vorteil Jetzt scheint sich ein Trend abzuzeichnen. Große Dreitagesfestivals mit Zeltgästen verzeichnen bis zu 20 Prozent weniger Besucher, auch wenn bei Rock im Park, Rock am Ring oder Hurricane immer noch mehrere Zehntausend rocken. Schlechtes Wetter, Angst vor Anschlägen bei Großveranstaltungen sind Gründe für den Rückgang. Walent Cerkez nennt einen weiteren: „Es gibt weniger große Bands, und die wenigen brauchen kein Festival, die spielen ihre eigenen großen Shows." Kleine, regionale Festivals seien von der Entwicklung nicht betroffen. Warum also nicht wieder ein Festival in der Senne? Schließlich hat Walent Cerkez immer noch die Wiese am Safaripark gepachtet, er hat damals langfristig geplant. „Das ist kein Wunschkonzert, sondern ein hart umkämpfter Markt", sagt er. „Man kann nicht einfach in ein Kaufhaus gehen und die Bands aus dem Regal nehmen." Vorsichtiges Interesse Aber es gebe immer wieder mal Anfragen und Interessenten. Denn Walent Cerkez ist in der Szene vernetzt. Seine Agentur organisiert Campusfestivals in Bielefeld, Paderborn, Siegen und anderen Städten. Veranstaltungen wie die Parklichter Bad Oeynhausen oder Lesungen zum Beispiel mit Heinz Strunk. Und „Kapitän" der Kneipe „Heimat+Hafen" ist Walent Cerkez auch noch. Ein Festival wie das Serengeti berge nicht nur unternehmerisches Risiko, es beinhalte auch deutlich mehr Arbeitszeit, zum Beispiel um etwa 50 Bands zu buchen. Und trotzdem wäre er dazu bereit, wenn ein finanzstarker Partner mitziehen würde. Interessenten habe er bereits das Festivalgelände gezeigt, etwas Konkretes sei dabei nicht herausgekommen. „Wir nehmen aber jede Anfrage ernst." Und auch Bürgermeister Hubert Erichlandwehr habe mehr Unterstützung von der Stadt in Aussicht gestellt – ohne ins Detail zu gehen. So wie 2015 Organisatorisch könnte das Festival so weitergehen, wie es 2015 endete. Der Zeltplatz genau neben dem Festivalgelände, zwei sich gegenüberstehende Bühnen. Dafür sei die Genehmigung noch existent. Ob er musikalisch etwas anders machen würde? Hin zum Spartenfestival? Darauf antwortet Cerkez mit einem entschiedenen Nein. Vielfalt will er bieten, mit dem Schwerpunkt auf Alternativ, Punk und Rock. Manchmal will er mit der Bandauswahl auch ein Zeichen setzen. Als er zum Beispiel die Gesellschaftskritiker „Egotronic" spielen ließ, gab es Anfeindungen gegen ihn in rechten Internetforen. Auch wegen seiner kroatischen Wurzeln. Was er davon hält, will er nicht veröffentlicht wissen. Ein bisschen Abstand tue wegen all der Gründe ganz gut. Das Serengeti-Festival in seiner Heimatstadt dürfe er nicht aus rein emotionalen Gründen aufleben lassen, wirtschaftlich erfolgreich muss es schon sein, sagt er. Aber: „Wir haben keine Eile." 2019 klappt es auf keinen Fall, dafür sei die Vorbereitungszeit schon zu kurz. 2020 schließt er ein neues Serengeti-Festival nicht aus.

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